Hals- und Beinbruch (60)

Liebschaften zwischen den Sportlern oder Sportlern und Piloten waren unerwünscht. Es gab aber die Liebe mit den Augen oder einfach im Umgang miteinander. Reini und Carola waren ein solches Umgangspaar, ein Paar im Geiste, das nicht miteinander schlief, sich wenig sah und trotzdem in Gedanken und mit Worten eine gewisse Intimität pflegte. Carola trainierte die Schiebchen, Mädels so um die 15, ausgesucht von Wasserspringern wegen dem Mut und der Koordinationsfähigkeit. Beim Springen trug Carola einen leichten Rettungsschirm und blieb im Flugzeug, nachdem die Schiebchen rausgeworfen waren. Die Handlungen im Flugzeug vom Einsteigen über die Vorbereitung zum Sprung bis zum Abgang aus der Absetzmaschine trainierten die Sportler unter ihrer Anleitung. Zwischen uns Piloten ließ sich mit zwei Handgriffen eine Art Notsitz installieren, doch Carola stand lieber. Wir starteten Richtung Ost, hielten den Dampfer im Bodeneffekt der Asphaltbahn, fuhren die Landeklappe ein und sausten mit über 200 km/h durch die Waldschneise in Verlängerung der Bahn. Kiefern sausten links und rechts vorbei. Carola und ich kontrollierten die Wirkung auf unsere Mädels. Für viele schien das letzte Stündlein zu schlagen, denn sie blickten fassungslos, panisch, mit weit aufgerissenen Augen und unter lautem Gekreische aus den “Bullaugen”. Da zogen hohe Bäume am Ende der Tragfläche vorbei. Wir rasten auf das Ende der Schneise zu. Reini zog vorsichtig an der Steuersäule, gab den 220 km/h am Stau eine neue Richtung. Die Höhe wuchs, die Fahrt nahm rapide ab, die Mädels drückten die positiven G´s in ihre Sitze und wir Piloten sahen nur noch den Himmel vor uns. Ich fuhr die Landeklappe langsam aus um einen Strömungsabriss zu verhindern. Reini drückte die Maschine mit brüllendem Triebwerk und minimaler Fahrt in die Horizontale. Zeit zum nach Hinten schauen. Carola kniet noch unten. “Verdammt, was ist los?” schreie ich sie an. “Mein Fuß, ich glaub der ist gebrochen. Ihr müsst einem sowas auch vorher sagen.” brüllt sie direkt in mein Ohr, nachdem sie mir mein Headset vom Kopf gerissen hat. “ Man Carola, es tut mir wahnsinnig leid, wenn die unten das merken, sperren sie uns sofort ein, wegen groben Unfugs.” schreie ich in ihr Ohr zurück. “Keine Angst Jungs! Ich bleib zwischen euch stehen und wisch mir die Augen, dann schmeiß ich die Kinder raus und wir sagen es ist beim Aussteigen passiert.”, versucht Carola uns zu beruhigen. Wenige Augenblicke später sind ihre Kinder draußen und wir im Sinkflug, da sagt Reini zu mir: “Flieg du die Kiste, ich kümmere mich um Carola.”  “Ok Reini, kannst dich auf mich verlassen.”, entgegne ich, landete den Flieger und rollte so, dass aus dem Sichtwinkel der Springer am Boden unsere Tür durch den Rumpf des Flugzeugs verdeckt wird und Reiner Carola in Ruhe rausheben konnte. Sie legte sich dann lang neben das Flugzeug, bis es von den heranrückenden Springern bemerkt wurde. Alles war gut. Carolas Fuß wurde eingegipst und am nächsten Tag saß sie wieder im Flieger und tat ihren Trainerjob.