Geschichte(n), die niemand braucht (50)


Neugierig steuere ich meinen Trabbi durch das ostberliner Verkehrsgewusel zum Centrumwarenhaus. Um die Rolltreppe sind schon verschiedene Damen versammelt, um den neuen Schwarm von Anette zu begutachten. Sie sieht mich, fängt an zu rennen und springt einfach auf mich zu. Unter Aufbietung all meiner Kraft fange ich das verrückte Huhn auf. Während ich sie auf meinen Armen halte, küsst sie mich. Wir bekommen spontanen Beifall und verdrücken uns, bummeln durch das herbstliche Berlin. Mit der Dämmerung kommt die Kälte, es zieht uns in ein Kaffeehaus. Anettes Gesicht sieht im Kerzenlicht entspannt, glücklich und zufrieden aus. Unsere Füße spielen unter dem Tisch miteinander. Dieses Mädel muss verrückt nach mir sein. Sie erzählt mir, dass sie bereit ist, alles aufzugeben um mit mir zusammen zu sein. Liebe auf den ersten Blick? Ich verhalte mich, wie ein selbstgefälliges Arschloch und lasse es geschehen, wissend das aus uns nichts wird. In dieser Jahreszeit ohne Bleibe, ihr verständnisloses Elternhaus und mein Geiz, der die Investition in ein Hotelzimmer verhindert, erlauben uns keinen spontanen Sex. Wir sind erwachsen und da wird das man fällt nicht mit der Tür ins Haus Prinzip als Start für eine ernsthafte Beziehung gewertet. Also besucht sie mich am Wochenende in meinem Ledigenwohnheim. Damenbesuch ist nicht erwünscht, sagt man ihr an der Rezeption, ich gebe ihnen 30 Minuten. Sie öffnet meine Zimmertür, sieht mich überrascht, schubst mich auf´s Bett, springt auf mich und überhäuft mich mit Küssen. Nebenbei strampelt sie irgendwie Mantel, Pullover und Bluse von sich, dreht ihren BH weg und zeigt mir ihre Brüste: Na, wie findest du sie. Kann man anfassen und Küssen. Ihre Hand greift mir prüfend in den Schritt: Ich werde dich jetzt vergewaltigen, und beginnt meine Hose zu öffnen. In diesem Moment klopft es und die Dame von der Rezeption steht vor der Tür. Sind die bescheuert hier, sagt Anette leise zu mir und laut Richtung Tür: wir kommen ja schon. Sie zieht sich maulend an und wir verlassen das Haus, vertreiben unsere Zeit am See mit unendlichen Knutschereien. Sie sagt: Du weißt nicht, was du verpasst hast. Ich erzähle von meinem Dienst, wie oft ich unterwegs bin und dass ich hier wieder weg möchte. Meine Zweifel lässt sie nicht zu: Thomas, ich liebe dich so sehr. In einem Monat wollte ich heiraten, habe gestern alles abgesagt. Ich lade sie zum Essen ein und bringe sie spät zu S-Bahn. Ich erzähle ihr beim Abschied von meiner bevorstehenden zweiwöchigen Kommandierung nach Eilenburg. Danach schreibe ich folgende Sätze in mein geheimes Tagebuch: Ich glaube, dass ich Anette schon ganz gut kenne und eigentlich bin ich es, der Angst vor der Entfaltung und Erweiterung unserer Beziehung hat, lebe im Klinsch mit meinen ganzen Vorurteilen und Komplexen bzw. mit dem Geflecht davon. Ich habe verdammte Lust neu anzufangen, aber erst noch den Gedanken von eben zu Ende bringen: Seit ich sie kenne, betrachte ich mir viel öfter andere Mädchen und versuche, sie als Grund zu nehmen, mich nicht fester zu binden. Ich muss aufpassen, dass ich nicht was anfange aus Mitleid oder so und dann im gefühllosen Raum ende. Darum versuche ich mir immer wieder über meine Gefühle zu ihr klar zu werden. Im Gegensatz zu früher regiert mich mehr die Vernunft als das Gefühl. Ist es nun Ausdruck dessen, dass mein Gefühle zu ihr nicht stark genug ist oder kennzeichnet es einen neuen positiven Charakterzug an mir? Ich weis es nicht, also denke ich, im Punkto Zusammenleben mit anderen Menschen muss ich noch viel lernen. Ich empfand ihre Worte über Prüfung während der kommenden beiden Wochen hart, aber nach dem Durchdenken des Problems, finde ich es schön, dass sie mir die Freiheit lässt, zu gehen.

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