Geschichte(n), die niemand braucht (40)


 

Überall in der sozialistischen Gesellschaft versuchten wirklich schlaue Menschen die Planwirtschaft zu verwirklichen. Also plante man im Stab der Staffel für die Flugaufgaben eines Jahres den Verbrauch von Kraft- und Schmierstoffen ein Jahr im Voraus und gab die Zahlen den Volkswirten bekannt. Die rechneten die Forderungen der gesamten Volkswirtschaft zusammen und bestellten bei der petrolchemischen Industrie, die ihrerseits bei den Leuten am Ende der Pipeline Bescheid sagten. Naja, ganz so einfach wird es nicht gewesen sein mit dem transferablen Rubel… jedenfalls wurde der Kraftstoff dann tatsächlich so geliefert, wie man den Verbrauch vorgesehen hatte. Er musste weg. Und die Schleppflugzeuge der Gesellschaft für Sport und Technik, die sich auch aus dem großen Tanker bedienten, verbrauchten auch nur einen verschwindend geringen Teil.

Nun gab es andere schlaue Menschen, die meinten, man könne durch bewusstes, kraftstoffsparendes Fliegen der Volkswirtschaft wertvolle Ressourcen zurückzugeben, damit es uns allen dadurch etwas besser ginge, weil ja mehr zum Verteilen da wäre.

Die Kunst der Führung einer Staffel bestand nun aber darin, dass man all das Geplante und auch das Unvorhergesehene sicherstellen musste und dabei noch die gesamte vorhergesehene Menge an Treib- und Schmierstoffen aufbrauchte, um im nächsten Planjahr nicht etwa mit weniger auskommen zu müssen. Sparsamer fliegen hieß also unterm Stich wirklich mehr fliegen. Das Planjahr bei den Streitkräften ging schon im Herbst zu Ende. Wollte man den Sprit mit absoluter Sicherheit vernichten, waren Rechnereien schon im Sommer angesagt. Die vielen schönen Sommertage und -nächte durften nicht ungenutzt verstreichen. Also schauten die Stabsoffiziere in die Tankbücher, stellten den Überbestand fest und ordneten Aufgaben an: lange Flüge mit viel Verbrauch. 50 Meter Flughöhe, 200 km/h und 5 Stunden Flugzeit gleich 1200 Liter Kraftstoff weniger, so einfach war das. Der Sternmotor gurgelte das niedrigoktanige, hoch bleihaltige, viel zu fette Gemisch klaglos durch seinen riesigen Hubraum in Richtung Auspuff. Da für einen Großteil des Kraftstoffes kein Sauerstoff mehr im Gemisch war, verdampfte dieser Teil bei der Verbrennung, entzog dem Prozess Wärme und hielt die Zylinderkopftemperatur niedrig. Um uns selber in der Navigation zu trainieren, meldeten wir Flüge in uns weniger bekannte Gebiete unserer kleinen Republik an und flogen in Formation. Dafür brauchte man nur eine Freigabe, da der Verband für die Flugüberwachung ja auch nur ein Ziel darstelle. Der Effekt: drei Mal 1200 Liter verbrannt. Zeitweise waren wir so gut im Training, dass wir eine halbe Spannweite vom anderen entfernt, stundenlang wie angenagelt auf derselben Position steuern konnten.

Drei Flugzeuge bilden eine Kette; Kettenkeil: einer vorn, je einer links und rechts hinten. Oberstleutnant Rudi Kahl führte an einem wettermäßig durchwachsenen Frühlingstag eine solche Formation. Raini und Elmo links hinten und Urmel mit meiner Wenigkeit rechts hinten. Der Weg unseres Führenden, mit 6000 Flugstunden auf der Anna der erfahrenste AN-2 Pilot, der die großen russischen Röhrenverstärker der Bordsprechanlage immer voll aufregelte, weil er fast taub war, verlief direkt durch eine Nebelbank. „Dicht zusammenbleiben!“, kommandierte er per Funk. Wolfgang und ich sahen nur noch schemenhaft das führende Flugzeug, die linke Position war völlig im Grau des Nebels verschwunden. Wolfgang stierte durch das Grau auf die Tragfläche, ich beobachtete den künstlichen Horizont. Die Minuten kamen uns vor wie Stunden, bis es von oben langsam heller wurde, die linke Position wieder sichtbar wurde und der ganze Spuk vorbei war. Beide Geführte funkten bissige Bemerkungen zum Führenden, die mit lautem „He?!“ quittiert wurden, was so viel wie nicht verstanden hieß. Mit Erreichen des fünfzigsten Lebensjahres hat er planmäßig seinen Dienst quittiert und irgendeinen Schreibtischjob im Ministerium angenommen. Motsen Meier hat seinen Posten dann übernommen. Damit waren wir sechs Piloten unter 30 Lebensjahren mit insgesamt über 6000 Flugstunden.

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