Geschichte(n), die niemand braucht (39)


 

In Trollenhagen, dem nord-östlich von Neubrandenburg gelegenem Fliegerhorst, angekommen, erwartete uns schon ein LKW Typ W-50. Unter seiner grünen Plane verschwanden wir auf der Ladefläche, die mit vier Bänken versehen war. Die hinter Plane wurde mit Riemchen am Planengestell befestigt und gab so rückwärts die Sicht auf Straße, Stadt und Landschaft frei.

Die Seenotrettungsausbildungsbasis bestand aus 3 großen Standard-NVA-Baumwollstoffzelten, die sich eng an die Laubbäume des schmalen Ufers schmiegten, einem Steg, daran angelegt ein außenbordgetriebenes Schlauchboot und ein fünf Meter hoher Turm, von dem aus ein Stahlseil nach ca. 30 Metern ins Wasser führte. Auf dem Seil lief eine Rolle und darunter hing das Gurtsystem eines Rettungsfallschirmes. Legte man es an, war es wie ein Sitz. Sinn des Trainingsgerätes war der Ausstieg aus dem Gurt eines Fallschirmes vor dem Aufsetzen auf dem Wasser. Tat man das nicht, konnte einen Wind und Schirm kilometerweit übers Wasser zerren. War man ermüdet oder verletzt, bestand dabei die Gefahr des Untertauchens und Ertrinkens. Als Vorbeugung wurde diese Phase trainiert: in fünf Meter Höhe anschnallen, Rolle los, das Wasser kommt näher, linke Hand ergreift den rechten Hauptgurt, rechte Hand öffnet das Zentralschloss, in einem Meter Höhe loslassen und ins Wasser springen. Dann schwimmen zur Rettungsinsel und Reinklettern. Im Prinzip ist eine Rettungsinsel eine Art überdachtes Schlauchboot mit dem Nötigsten um ein paar Tage zu überleben. Entsprechen dick sind die luftgefüllten Wülste, die man beim Einsteigen überwinden muss. Zusätzlich kann man den Boden der Insel mit Luft füllen um so die Tragfähigkeit zu erhöhen. Ist erst ein in Seenot geratener an Bord und der Boden schon aufgepumpt, wurde das ganze instabil und neigte zur Drehung um 180 Grad. Dies Übung war heute dran. Ich habe es überlebt weil ein Fliegerkamerad mich am Schopf gepackt und aus dem Wasser gezerrt hat – auch Teil dieser Übung.

Teil zwei der vorbereitenden Aufgaben war der Schlepp im Gurt hinter dem Schlauchboot. Dabei wurde die Drehung auf den Rücken und der Ausstieg aus dem Schirm trainiert. Zur Belohnung durfte man dann noch ein Rotfeuer abfackeln, welches dann den Rettungshubschrauber Mi 8 anlockte. Der Unteroffizier an der Tür bediente die Winde und dirigierte die Piloten. War der riesige Hubschrauber über einen, bestand die Luft nur noch aus Wind und Wassertröpfchen. Dazwischen kam dann die Schlaufe vorn am Seil herab: erfassen, um den Rücken schlingen und die Arme hängen lassen. Der Hubschrauberpilot zieht an, die Höhe wächst, die Winde arbeitet, ich hänge am Ausleger und kann den Techniker im Inneren des Hubschraubers sehen, er erfasst die Schlaufe und schwenkt mich am Ausleger herein. Ich sitze auf dem Boden des Helis und bin fasziniert von den Vibrationen der riesigen Rotorblätter und dem ohrenbetäubenden Kreischen der beiden Turbinen. Russische Gewalt. Ich bin froh, dass ich da wieder rausspringen darf, auch wenn´s ins kalte Wasser ist.

Der Wind frischt auf, der Hubi dreht ab und wir dürfen nicht mit dem Schirm rausspringen. Wir heizen den Kanonenofen im Zelt an, vertilgen unsere diesmal nicht abgeworfenen Verpflegungsbeutel dazu ein Bier, das der Fahrer in der Zwischenzeit aus irgendeinem Dorfkonsum besorgt hat. Abends geht der Flieger zurück nach Berlin, ein schöner Tag geht zu Ende.

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