Geschichte(n), die niemand braucht (38)


 

Nochmal ein kleines Vorwort in eigener Sache: Geschichten und Namen sind frei erfunden. Alles kann so passiert sein, muss aber nicht.
Ich freue mich über jeden, der sich unterhalten fühlt und vielleicht etwas nachdenklich wird. Aber ich freue mich auch über sachliche Kritik, möchte jedoch nicht in endlose Diskussionen über vergangene Zeiten verstrickt werden. Dazu ist mir meine Zeit zu schade, denn schließlich möchte ich mir ja weiter Geschichten ausdenken. Also, wer es nicht mag, der sollte es einfach wegklicken und fertig!

Jede Transportfliegerstaffel hatte auch ihren eigenen Fallschirmrettungsdienst. Am Standort Stausberg waren das ein Berufsunteroffizier und zwei Unteroffiziere auf Zeit. Die drei warteten und packten die Rettungs- und Übungsfallschirme der Staffel. Für jedes Flugzeug waren das 2 Sitzfallschirme für die Piloten, einen für den Mechaniker oder Sprunglehrer und eine stattliche Anzahl von Rundkappen- und Rechteckschirmen für Trainingssprünge.

Da wir häufig mit Berufsfallschirmspringern arbeiteten, machte es zunächst Lust und wurde später zum Bedürfnis, selbst zu springen, um wenigstens ein Stückchen dieses rauschähnlichen Gefühls zu bekommen, das über die Gesichter der Profis huschte, wenn sie aus der Anna sprangen. Jeder von uns hat gerne hinten im Bauch des Doppeldeckers an der offenen Tür gestanden, den Sitzfallschirm in den Kniekehlen hängend, um den Springern nachzuschauen, die sich zuerst auf den Rücken drehten um dem Flieger zuzuwinken. Lange nach dem letzten zog man die flatternden Aufzugsleinen der Anfänger herein und schloss die Tür. Erst dann wusste der Erste Flugzeugführer, dass sein Zweiter nicht aus lauter Lust hinterhergesprungen ist.

Jede Woche trafen sich die Sprungwilligen mit Zeit dafür auf dem Strausberger Flugplatz und der Oberfeldwebel Breisprecher verteilte Schirme und mündliche Sprungaufträge. Ab und zu verstauchte sich jemand mal irgendeine Extremität und unser regelmäßiger Sprungbetrieb wurde für einige Wochen durch Verbot unterbrochen, um dann mit Rekordbeteiligung und doppelt so vielen Sprüngen wieder aufgenommen zu werden.

Einsteigen Genossen Offiziere! Quelle: http://home.snafu.de

Der Fallschirmrettungsdienst organisierte auch die Seenotrettung. Man unterschied dabei zwischen Retten und gerettet werden. Unsere Aufgaben beim Retten beschränkten sich dabei auf das Auffinden des Notsenders und das punktgenaue Abwerfen der Rettungsinsel. Bei guter Sicht erfolgte der Abwurf aus 10 Meter Höhe über dem Dorfteich eines der Nachbardörfer des Flugplatzes. Unsere Jungs vom Fallschirmrettungsdienst hatten die nicht ganz den Dienstvorschriften entsprechende, aber äußerst zweckmäßige Anzugsordnung Badehose, Schwimmweste und Motorradhelm gewählt und waren mit zwei Schlauchboten aus dem Fundus der Jagdfliegerkräfte auf die Mitte der Tümpels gepaddelt. Dort stellten sie ein Häuflein aus der Seenot zu rettender Menschen dar und piepten mit ihrem Notsender auf der Übungsfrequenz herum. War man entsprechend nahe, konnte der zu rettende seinen Notsender mittels eines Schalters auf Sprache umschalten und mit der Besatzung in Funkkontakt treten. So konnte das letzte Stück der Ananäherung akustisch und optisch beobachtet und verbal abgesprochen werden. Die Flugzeugbesatzungen hatten vom Küchenbullen 3 handelübliche Kunststoffbeutel mit je einem Liter homogenisierter Milch bekommen. Dieser nur aus einfacher Polyäthylenfolie bestehende Milchbeutel wurde aus der offenen Tür des Flugzeuges Richtung Schlauchboot geschleudert. Da das milchhaltige Geschoß mit satten 180 Stundenkilometer auftraf, zerplatze der Folienmantel und gab die 3,6 prozentige Milch frei. Weiße Flecken im Wasser oder derbe Flüche im Funk signalisierten die Treffergenauigkeit. Springerhelme und Schwimmwesten schützten unsere Wassermannschaft vor Verletzungen.

Der zweite Teil der Seenotrettungsausbildung bestand im selber gerettet werden. Spielplatz dafür: die Seenotrettungsausbildungsbasis der Luftstreitkräfte/Luftverteidigung am Ostufer des Tollensesees bei Neubrandenburg. Von Strausberg flog man standesgemäß mit einer AN-2 nach Trollenhagen. Die Besatzung und 10 weitere Piloten auf den hintern Sitzen. Der Unsinn war natürlich vorprogrammiert, es fragte sich nur wie. Diesmal hatte ich mir eine Schwerpunktverlagerung während des Fluges ausgedacht: die AN 2 besitzt ein Schott zu hinteren Teil des Rumpfes. Im Schott integriert ist eine winzige Tür. Durchschreitet man diese, gelangt man linker Hand zu der Bordtoilette, einem iimerartigen Gebilde mit Klobrille. Geradeaus führt ein schmaler Laufsteg Richtung Seitenleitwerk zu den Bordakkus. Der Rumpf wird nach hinten immer schmaler, doch man kann eigentlich noch halbwegs vernünftig stehen und sich mit den Händen an den Metallspanten abstützen. Einer nach dem anderen verschwand also ganz langsam Richtung Toilette, um sich dann auf dem Laufsteg zu platzieren. Wir achteten darauf, dass die beiden Piloten nicht nach hinten schauten und das Flugzeug immer schön mit den elektrischen Antrieben austrimmten. Irgendwann war das Trimmruder am Höhenruder gegen seinen Anschlag gefahren und der Pilot musste nun drücken um nicht zu steigen. Wir schlossen die hintere Tür bis auf einen Spalt, durch den alle das Cockpit sehen konnten. Da irgendetwas anders als sonst war, blickten die Piloten nach hinten und sahen niemanden. Alle weg! Erster Flugzeugführer: „Verflucht noch mal, was soll denn das?“ Im nächsten Augenblick rannten alle vor zum Cockpit. Die beiden Piloten zogen jetzt mit all ihrer Kraft, jeder an seiner Steuersäule, weil durch das nach vorn verlagerte Gewicht die Anna dem Erdboden entgegenstürzte. Schallendes Gelächter drang durch die dicken Polster unter die Kopfhörer der Piloten. Einer der Spaßvögel beschloss das Ende des Spaßes und damit auch des Sturzfluges, indem er den Trimmer des Höhenruders wieder in normale Bereiche fuhr. Erster Flugzeugführer: „Ihr setzt euch sofort hin und schnallt euch an, aber alle!“

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