Geschichte(n), die niemand braucht (37)


 

Um den Leistungsstand seiner Mannen aus nächster Nähe selber zu erkunden, veranstaltete die Staffel sogenannte Kommandeursflugtage, an denen der Alte höchstpersönlich teilnahm.

Hauptsächlich wurde dann nachts geflogen, da die Flugzeuge ja andere Aufgaben erfüllten. Als Jahreszeit wählte man den Sommer: die Nächte waren warm und kurz und die Stammkneipe am anderen Ende des Flugplatzes hatte auch noch nach unserer Flugschicht, um vier Uhr früh, kaltes Bier und warmes Essen. Die Strecken zur Kneipe und zu jedem Piloten nach Hause fuhr der staffeleigene Bus mit den gelbgetönten Dachscheiben – ein Hauch kaiserlicher Aeroclub!
Der Küchenbulle (Jargon für den Verpflegungsoffizier der Staffel) des Fliegertechnischen Bataillons, war während der Schicht persönlich anwesend und teilte Essenbeutel, die sogenannte Bordverpflegung aus. Der Inhalt bestand aus einer Brühpolnischen (Wurst), einem gekochten Ei, Apfel oder Banane und einem doppelten (Konsum-) Brötchen. Das Obst wurde gegessen und der Rest über der Volksrepublik Polen abgeschmißen. Teils aus Jux, teils aus einem Gemisch irgendwo zwischen Mitleid, Nichtwissen um und Nichtverstehen der politischen Entwicklung (Solidarnosc) bei unseren Nachbarn. Rausschmeißen ging bei der Anna ganz einfach: Schiebefenster auf und weg damit. Aufpassen, dass die Flugkarte keinen Abgang macht und der Solidarnosc in die Hände fällt…

Klappsitze hoch und man konnte auf dem Korkboden schlafen

Spannend und sehnsüchtig erwartete die gesamte Staffel jedes Jahr die Flugtaktische Übung. Teilnahme aller war Pflicht. Luft- und Bodentruppen der VS-14 flogen bzw. fuhren dann drei Tage aus. Die fliegenden Besatzungen hielten sich fast ununterbrochen in der Luft auf. Wir durchpflügten das Luftmeer über unserer kleinen Republik in 50 Meter Flughöhe, das sonore Summen unseres 1000 PS Sternmotors vor den Nasen. Geschlafen wurde in den Unterkünften von GST-Flugplätzen unterwegs. Wir jungen Offiziere mussten Bier mit Wassereimern aus der nächsten Kneipe herbeischleppen und dann wurde getagt und alte Kamellen aufgewärmt. Vom kleinen Leutnant bis zum Kommandeur teilten sich alle die stickigen Schlafräume mit den doppelstöckigen, durchgelegenen Betten der Sommerunterkünfte der Gesellschaft für Sport und Technik.

Unausgeschlafen kratzten wir uns dann früh die Barthaare aus dem Gesicht und betraten das mit einem weißen Fallschirm ausgekleidete Speisezelt, welches der Küchenbulle nachts hatte aufstellen lassen. Kaffee und ein kräftiges Frühstück weckten die Lebensgeister und machte neugierig auf die Tagesaufgabe.

Arbeiten an der Z-43 im Hangar von Strausberg, Quelle: http://home.snafu.de

Unser Zauberer in der schwarzen Uniform des technischen Personals wechselten einmal ein Triebwerk an der Antonov 2 auf einem Feldflugplatz ohne Gebäude, Strom, Wasser. Eine technische und logistische Meisterleistung. Unsere Flugstrecken planten wir dann so, dass wir mehrmals täglich bei unseren Technikern vorbeiflogen, um sie anzuspornen. Einen Neunzylinder Stern von all seinen Aggregaten zu trennen, mit Winden in eine Kiste zu hieven und den neuen anschließend zu montieren, zu testen und damit wegzufliegen, hatte in der Republik auch noch keiner gemacht. Zwei leidenschaftliche technische Offiziere und eine handvoll Unteroffiziere brachten das zu Wege. Es war übrigens kein Triebwerksausfall, sondern ein turnusmäßiger Wechsel nach Ablauf der Laufzeit bis zur Überholung.

 

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