Geschichte(n), die niemand braucht (34)


 

Strausberg,
Sitz des Ministeriums für nationale Verteidigung der Deutschen Demokratischen Republik, hatte natürlich einen eigenen Flugplatz mit einer Verbindungsfliegerstaffel, die den Namen „VS-14“ trug. Das sollte für die nächsten Jahre meine fliegerische Heimat werden. Von hier aus konnten die Militärs der Stäbe kraft ihrer Wassersuppe zu den ihnen unterstellten Einheiten fliegen und am gleichen Tag zurückkommen. Die Staffel war quasi eine Art Lufttaxiunternehmen. Je nach Bedarf wurden viersitzige Flugzeuge für einfache Wetterbedingungen (ZLIN-43), schwierige Wetterbedingungen (AN-14, Bienchen), die zehnsitzige Allwetter-AN-2 oder die schnellere zweimotorige L-410 vorgehalten.

Zlin Z-43 („Z“) im Diest der VS-14, Quelle: http://home.snafu.de 
Antonov AN-2 („Anna“) im Dienste der VS-14, Quelle: http://home.snafu.de
Antonov AN-14 („Bienchen“) im Dienste der VS-14, Quelle: http://home.snafu.de
LET L-410 („L“) im Dienst der VS-14, Quelle: http://home.snafu.de

Eine Besatzung hielt sich rund um die Uhr am Flugplatz auf und war immer bereit, unter allen Wetterbedingungen und innerhalb von 10 Minuten zu starten, vorausgesetzt, dass man irgendwo sinnvoller Weise auch wieder landen konnte. Dieser Dienst wurde „Einsatzbesatzung“ genannt, dauerte 24, am Wochenende 48 Stunden und fügte sich als Teil in das Systems für Such- und Rettungsdienst über dem Territorium der DDR ein. Die Antonovs der Staffel konnten mit ihrer Bordausrüstung Sender auf der Notfrequenz 121,5 MHz anpeilen und den Standort bestimmen. Für die schnelle Versorgung der in Not geratenen trainierte die Staffel regelmäßig den exakten Abwurf von Hilfspaketen.

Für den Flugzeugtyp AN-2 gab es im Laufe seiner langen Geschichte in den bewaffneten Organen der DDR (seit 1949) verschiedene Einsatzvarianten. Eine davon bestand im Absprühen von Absprühen von Flüssigkeiten oder Aerosolen. Die dazu notwendige Anlage war einfach zu montieren und eine davon im Besitz der VS-14. Der nach unten trichterförmige Behälter fasste 1200 Liter, stand auf der linken Seite im Rumpf und die Besatzung schob sich Richtung Cockpit mit dem Oberkörper quer zur Flugrichtung an ihm vorbei.  Ein Flügelrad mit Pumpe wurde unter dem Rumpf hinter dem Ölkühler angeschraubt und die Sprühdüsen hingen mit der Leitung an Beschlägen unter der unteren Tragfläche. Im Flug löste dr Copilot mittels Hebel an der Mittelkonsole die Bremse des Flügelrades, der Fahrtwind versetzte selbiges in Bewegung und die Pumpe baute Druck auf, welcher den Inhalt des Behälters Richtung Düsen beförderte. Die „Landwirtschaftsvariante“ diente der NVA zur Imitation der chemischen Kriegsführung. Unser Chemiemaupel (Chemischer Offizier) mischte für jeden Einsatz ein Gebräu aus Wasser und roter Textilfarbe, das so mancher Soldat auf seine Uniform bekommen hat.

Eine andere große Aufgabe dieser Staffel  bestand in der Sicherstellung verschiedener Aufgaben des Ministeriums für Staatssicherheit. Zum einen waren das Flüge zur Fallschirmsprungausbildung mit sogenannten Aufklärern. Bei den Sprungschülern handelte es sich um richtig bieder anmutende Leute aus dem ganz normalen Leben, denen keiner ansah, was sie in Wahrheit für Qualifikationslehrgänge besuchten. Die Wirklichkeit bestand hier  auf der Fallschirmsprungbasis  des Genossen Erich Mielke (Ich liebe euch doch alle!) aus einer Agentenausbildung alla James Bond. Ich habe Frauen im Minirock unter der Sprungkombi mit einem Kinderwagen voll mit Maschinenpistolen und Handgranaten aus der Anna springen sehen…

Zum anderen flogen wir Absetzflüge für die Fallschirmsprungnationalmannschaft der DDR inklusive deren Nachwuchskader, die fast ausschließlich aus Mitgliedern der Sport Club Dynamo Hoppegarten bestand. Wo in der DDR Dynamo drauf stand war Staatssicherheit drin.

Dann gab es noch die Fernaukflärer der Landstreitkräfte, die ebenfalls die Rote Jahne zum Training nutzten.

Die Basis für beide Aktivitäten befand sich auf dem Flugplatz Rote Jahne, nordöstlich von Eilenburg. Dorthin kommandierte die Staffel jeweils für zwei Wochen ein oder zwei Annas mit Flugzeugführern und Technikern.

Zuweilen arbeiteten wir auch mit der Elitetruppe unter den Fallschirmjägern: die persönliche Palastwache von Armeegeneral Heinz Hoffmann. Die Jungs sprangen aus 70 Metern über Grund aus der Anna und landeten mit dem Entfaltungsstoss ihres Fallschirms.

Ein durchschnittlicher Flugzeugführer dieser Staffel flog um die 50 Flugstunden jeden Monat. Als junger Leutnant in der Staffel angekommen, lernte ich drei Genossen so um das fünfzigste Lebensjahr kennen, die 5000, 7000 und 10000 Flugstunden AN-2 hinter sich hatten. Unglaublich!

Später, als ich schon nicht mehr in Strausberg Dienst tat, empfand ich im Nachhinein das Leben dort als sehr beschaulich. Es hatte noch irgendwie was vom kaiserlichen Aeroclub Strausberg. Dort, wo schon das exerzierende Preußen an der Übertragung dieser Bewegungsart auf die Luftfahrt das erste Mal scheiterte, hatte auch die preußische Armee sozialistischen Typus kaum eine Chance. Die Flieger von Strausberg waren ein sonderbares, verschworenes Völkchen. Man hatte herrliche Seen direkt vor der Haustüre, mit der S-Bahn war man in weniger als 30 Minuten mitten in Berlin. Flogen in wir des Nachts und hatten Übungen in Platznähe zu absolvieren, sahen wir die das unendliche Lichtermeer dieser riesigen, geteilten Stadt vor uns ausgebreitet.

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