Geschichte(n), die niemand braucht (24)

 

Man beachte das Staurohr vorn über dem Nummernschild

Nach sechs Monaten besitze ich eine alte Rennpappe mit neuem Outfit. Auslöser für die große Reparatur war ein Urlaub mit Mieze. Wir fahren übers Wochenende zu seinen Eltern nach Staßfurt. Irgendwann ist, von Dresden kommend, die Autobahn Dresden Leipzig zu Ende und wir fahren durch Halle an der Saale. Auf einer der zweispurigen Durchfahrtsstraßen sehen wir von Weiten einen Betrunkenen herumtorkeln. Wir unterschätzen seine Reaktionsfähigkeit und streifen ihn mit dem rechten Außenspiegel, worauf er zu Boden geht. Nachdem ich eine Vollbremsung eingeleitet habe, räumen wir den Verletzten von der Straße und wollen die Polizei in der nahen Kneipe anrufen. Der Wirt hatte seinen betrunkenen Gast gerade auf die Straße entlassen und wollte keine Polizei. Es kommt zu Handgreiflichkeiten, wir packen den Verletzten in unser Auto, wo er munter weiter randaliert bis er begreift, dass wir ihn in ein Krankenhaus fahren wollen. Er zeigt uns den Weg und biete uns freundlicherweise an, dass er die Treppe runtergefallen sei, wegen seiner Verletzungen. Da wir nicht vor den Militärstaatsanwalt enden wollen, gehen wir drauf ein und verschwinden schleunigst. Abends ist im Nachbardorf von Staßfurt Tanz. Wir fahren zu zweit hin und, reichlich angetütert, zu neunt im Trabant zurück. Zum Glück passiert nichts. Dafür bekommen wir auf der Rückfahrt nach Kamenz innerhalb einer Stunde dreißig Zentimeter Neuschnee, sehen die Autobahn nicht mehr und fahren gegen eine Warnbake. Dabei reißt der Auspuffkrümmer samt Heizung ab, im Auto stinkt es nach Abgas und es wird bitter kalt, der Motor brüllt laut und säuft Unmengen Benzin. Total fertig erreichen wir Kamenz und verstecken den Schaden am Auto unter einer Decke. Es vergehen Tage voller Angst und Ungewissheit. Was wurde aus unserem Unfallopfer? Gebrochene Hand? Wir haben es nie erfahren und es bleibt unser beider Geheimnis.

Mit dem Einzug des Frühlings begann ich wieder mit dem Segelflug. Der Flugbetrieb der GST fand am Wochenende auf unserem Militärflugplatz statt. Ich konnte ohne Ausgang zu beantragen zum Flugsport gehen. Dort hatten wir unsere Zivilkleidung und besuchten abends die einschlägigen Tanzveranstaltungen auf den Dörfern. Die Grundorganisation Otto Leopold der GST ist der Rest des einstigen Armeesportclubs Segelflug der OHS, dessen Macher sich mit der militärischen Führung überworfen haben. Es gibt eine Halle mit Werkstatt für den Winter in der Stadt und eine Halle am Flugplatzrand, die im Winter zur Unterstellung von Mähdreschern dient, für den Sommer. Das kleine Häufchen besteht aus Offizieren, OS, dem Leiter der GO und drei Mädels. Da außer den Mädels alle einen Luftfahrerschein besitzen, wird neben der Schulung sehr viel thermisch geflogen. Dabei benutzen wir den militärischen Luftraum und haben nie Probleme mit unseren Flugsicherungsfreigaben. Oberstleutnant Manfred Nabel ist mit 45 Jahren unser ältester Segelfluglehrer und im Hauptberuf für sämtliche Küchen am Standort Kamenz verantwortlich. Unsere Versorgung mit Speisen und nicht alkoholischen Getränken wird durch seinen Befehl rund um die Uhr sichergestellt. Die dadurch freiwerdenden Mittel investieren wir in Bier. Das wird uns aber freundlicher Weise vom volkseigenen Handel als Butter quittiert. Manfreds langer Arm reicht auch bis zu den beiden Dieselheizaggregaten samt Treibstoff, die wir benötigen, um die Winterhalle mit Aufenthaltsraum und Werkstatt zu heizen. Flugbenzin für die Schleppmaschine bekommen wir direkt vom Tanklastfahrzeug der Staffel. Die Grundorganisation verfügt über eine Planstelle der GST für den Flugplatzleiter. Etwa in der Zeit meines Eintrittes wir sie erstmals besetzt. Von nun an planen wir Winterbauprogramm, Flugbetrieb, Eratzteile usw. nicht mehr selbst. Siggi hat diese Stelle als erster inne, kann sich gegenüber dem Militär nicht durchsetzen und wird nach kurzer Zeit durch Lutz ersetzt. Segelflugpolitisch haben wir ein Jahr republikweiter Flugsperre hinter uns und beginnen mit neuen Gesetzen. Dem Flugleiter wird die volle Verantwortung für alles zum Flugbetrieb gehörende aufgebürdet. Dazu gehört die ständige Kontrolle aller Flugzeuge in der Luft. Aus diesem Grund teilt sich der Luftraum über dem Flugplatz in vier Flugräume. Raum 1: 000 Grad bis 090 Grad, Raum 2: 090Grad bis 180 Grad usw., Raum 2 erhält zusätzlich eine Zone für Gefahreneinweisungen und Kunstflug. Während die Zone eine ortsfeste Tonne bildet, können die Räume, je nach meteorologischer Sicht, im Radius variieren. Laut Anweisung des Zentralvorstandes nähen die Mädels farbige Armbinden und beschriften diese mit den Kennzeichen unserer Segelflugzeuge. Die Binden kommen zusammen mit Windmesser, Signalpistole mit Leuchtmunition und Fernglas in den Einsatzkoffer des Flugleiters und wir beschließen, dass sie da gut aufgehoben sind. Hier in Kamenz siegt die Vernunft, während in Suhl einige Flugleiter das Beobachtertheater aufführen lassen. Da niemand der anwesenden Offiziersschüler so richtig Ausgang hat, besuchen wir abends die Kamenzer Nahkampfdielen nicht, sondern bleiben unter uns oder fahren mit dem GST-Laster weiter weg auf die Dörfer. Zur Zubereitung der traditionellen Gerichte: Heiße Kamenzer mit Senf und Brot und Karlsbader Schnitte benutzen wir in der Winterhalle das Wärmeaustrittsrohr unseres Dieselaggregats, um die Speisen entsprechend zu temperieren. Dazu ein kühles Bier, fertig ist das Abendbrot. Wir sitzen, in dicke Webpelze aus alten Fliegerkombinationen eingehüllt in unseren Gartenstühlen hinter der Stadthalle, trinken Erfurter Exportbier und erzählen uns Geschichten von unseren Heimatflugplätzen.

Piloten sind meist einsam. Das muss doch nicht sein! Schaut mal hier:

MÄNNERTHEMEN

Die wichtigsten Männerprobleme und -themen:

  • Männlichkeit stärken
  • Frauen natürlich anziehen
  • Solides Selbstwertgefühl entwickeln
  • Lebensvision finden
  • Ausstrahlung verbessern
  • Frauen verstehen
  • Aus der Matrix ausbrechen
  • Emotional gesunde Beziehungen führen