Geschichte(n), die niemand braucht (52)

 

Segelfliegen als Freizeitbeschäftigung ist wesentlich einfacher als der Aufbau fester Beziehungen. Wie steht es damit am Standort Strausberg. In der Halle des Flugplatzes Strausberg standen zwischen den Militärmaschinen Segelflugzeuge. Neugierig suchte ich nach den Leuten, die zu den Maschinen gehörten und fand deren Sitz in einem heruntergekommenen, einstöckigen Backsteingebäude am Rande des Flugfeldes. Der harte Kern bestand aus einem Oberstleutnant aus dem Ministerium, dem Chef der ministeriumseigenen Druckerei, einem Fähnrich vom Flugplatz Marxwalde, der für das nicht technische Drumherum der dortigen Jagdfliegerstaffel zuständig war und stets seine beiden bildhübschen Stieftöchter dabei hatte, einem Schreiberling, der Chefredakteur einer Hobby- und Bastlerzeitung war, dem Sohn des Präsidenten des Aeroclubs der DDR, der seinen Dienst als Unteroffizier im fliegertechnischen Bataillon meiner Einheit versah, dem technischen Leiter des Clubs, der eigentlich viel zu groß und zu breit für Segelflugzeuge war und dem Mädchen Katrin. Es war Liebe auf den ersten Blick. Sofort suchten wir die Nähe zueinander. Der große breite hörte auf den Namen Lutz und war am Tage unseres Kennenlernens auf dem ehemaligen Flugplatz Altglietzen im Oderbruch außen gelandet. Katrin und ich spannten einen militärischen Kleinbus Typ UAZ vor den Transportanhänger des Segelflugzeuges und machten uns auf den Weg. „Passt auf den Sand auf!“, rief man uns hinterher. Was für Sand? Altglietzen ist so was wie eine große Sandgrube mit Landebahn und See – sehr romantisch. Das Segelfluggelände wurde 1979 im Zuge des Militärputsches innerhalb der GST stillgelegt. Ehemalige Segelflieger pachteten daraufhin das Gelände mit Gebäude und See und gestalteten ihre Freizeit dort. Ich hatte keinerlei Erfahrungen mit Sand und kannte mich eigentlich auch nicht so sehr mit den Möglichkeiten dieses militärischen Kleinbusses aus. Das robuste Gerät war für das große Bruderland mit seinen vielen Klimazonen gebaut und sogar auch mit Allrad und diversen Vorgelegen (Untersetzungsgetriebe) ausgestattet. Die Bedienmöglichkeiten erschlossen sich dem Fahrer durch eine Vielzahl von Hebeln, die man in der richtigen Reihenfolge und im Stand, teilweise mit ausgeschalteten Motor und nach Möglichkeit noch vor der Sandgrube hätte wählen müssen. Ich befand mich allerdings schon mitten in der Sandgrube. Lutz hatte das kommen sehen und rannte mir entgegen – was für ein Hüne, dachte ich. Gerade aus dem See kommend, glänzte seine nasse, kaffeebraune Haut in der Sonne, während sein Vollbart im Rhythmus seiner Schritte Wassertröpfchen versprühte. „Allrad rein, nicht stehen bleiben!“, rief er. „Welcher Hebel, verdammt noch mal?“ frage ich zurück.  „Komm, lass rollen und steigt aus und schieb.“ Kommandierte er und schob sich hinters Lenkrad, hantierte an den Hebeln herum bis alle Räder drehten. Zentimeter für Zentimeter kroch die Fuhre durch den knöcheltiefen Sand, einen flachen Hügel hinauf zum Landefeld. Vor unseren Augen erstreckte sich ein riesiges Flugfeld aus Sand, durch Flecken aus verdorrtem Gras unterbrochen. An den schnurgeraden Fahrspuren Richtung Horizont konnte man erkennen, dass irgendwann hier mal Segelflugbetrieb mit einer Schleppwinde stattgefunden hatte. Wir demontierten den Flieger und verstauten alles im Hänger. Zeit zum Baden, die Hitze flimmert über dem Land. Katrin und ich nahmen uns Zeit füreinander. Sie war gerade 18 geworden, sah allerdings eher wie 16 aus. Ich war 22 – passt. Wir umspielten uns im lauwarmen Wasser des kleinen Sees, schauten uns in die Augen und vergaßen die Welt um uns herum. Die Sonne stand tief, als uns die Bewohner des Hauses am See zum Abendbrot riefen. Da saßen wir nun glücklich nebeneinander in altmodischen Liegestühlen schauten uns in die Augen und lauschten den Geschichten der „Ureinwohner“ dieses kleinen Paradieses. Der Fliegerclub sei nie wohlhabend gewesen, man habe sich dieses schöne Gebäude selber gebaut und sehe nicht ein, dass es jemand anders nutzt oder es verfällt. Also habe man das Fliegen schweren Herzens aufgegeben und nun geniest man das Leben. Das Haus war 25 Meter lang, hatte 10 Türen zur gemeinsamen Terrasse mit Seeblick und hinter den Türen 10 minikleine Zimmer. Wasser gab es am See, Strom braucht man nicht. Katrin und ich schliefen in getrennten Zimmern. Von uns hat keiner geschlafen: einerseits wollten wir zueinander, andererseits nicht gleich mit der Tür ins Haus fallen, es sollte länger dauern mit uns. Nach dem Frühstück zuckelten wir mit dem Gefährt zurück nach Strausberg. Katrin nahm mich kurzerhand mit nach Hause und erklärte ihrer Mutter, dass sie mit mir in einem Bett schlafen werde. Umständlich errichteten wir eine Doppelbettcouch. Was heißt hier eine. Nein, die Couch schlechthin. Alle in der Republik kannten das Teil: der Sitz wird angehoben und vom Grundkörper weggezogen, dabei die eisernen Füße nach unten geklappt. Um zwei Scharniere dreht sich ein zweites Teil, welches im Ausgangszustand mit dem Poster nach unten im Korpus verborgen war. Klapp – wie ein Taschenmesser entsteht die Liegefläche. Jetzt nur noch die Rückenlehne entnehmen, deren Fuß ausklappen und in das noch vorhandene Loch stellen. Wenn das mal hält. Gute Nacht Mutter. Gute Nacht mein Kind.

Geschichte(n), die niemand braucht (51)

 

Die Sache lässt mich nicht los und so verfasse ich zwei weitere Seiten in jenem Buch:

Was ist nur los mit mir? Ich habe mich kolossal gehen gelassen, mich wieder angesteckt an dieser dämlichen, ungesunden Hektik in dieser gottverdammten Dienststelle. Und ich habe das autogene Training vernachlässigt, regelmäßig Bier getrunken, unregelmäßig Sport getrieben und mich wenig um die Organisation meiner Freizeit gekümmert, die ich sinnvoller nutzen muss. Zurzeit verbringe ich meine Zeit, das heißt die objektiv vorhandene Zeit, die ich hier in der Wohnmaschine in der Nähe des Telefons verbringe, damit, mich zu ärgern, dass ich hierbleiben muss. Somit bleibt mir a: die Betäubung durch Alkohol, b: die Betäubung durch Musik oder c: die Betäubung durch Literatur. Ich weis, dass ich letztere beiden einseitig angehe. Jedenfalls muss mein Leben sinnerfüllter werden. Ich werde meine Isolation durchbrechen. Ich brauche Licht, Luft und Freunde.

Manchen Menschen ist es gegeben, andere zu führen, zu leiten – ich meine nicht alle die das in der Realität wirklich tun, sondern in dem Falle die, die dazu berufen sind, die das Talent zum Alpha-Tierchen haben oder wie auch immer man es nennen mag. Sie haben mir (anscheinend) etwas ganz Wesentliches voraus: sie sind so fest gefügt in ihrer Persönlichkeit, dass sie nur einen Bruchteil der ihnen zur Verfügung stehenden Zeit und Aufmerksamkeit darauf verwenden müssen, ihre innere Ruhe zu finden. Oder kann man das auch geschickt schauspielern? Man kann es nicht wirklich. Jedes Mal, wenn ich Anette treffe, versuche ich es. Sie ist zur Zeit in einer üblen Stimmung und versucht es vor mir zu verbergen. Und ich reagiere wie ein Trampel. In ihrem schwarzen Mantel wirkt sie so alt. Ist sie schön? Liebe ich sie? Ich mag sie. Ja, ich muss meine Gefühle dieses Mal gründlich ausloten. Ich möchte nicht, dass sich gewisse Fehler in meinem Leben wiederholen und mich zu guter Letzt zu einem gefühllosen Etwas, oder dem Gegenteil davon, werden lassen. Ich bin wieder an dem Punkt angelangt, an dem sich das große Gefühl mit dem Alltag trifft und mich bis jetzt jedes Mal zum Abdrehen brachte um mich nicht festlegen zu müssen und die vermeintliche Freiheit wieder alleine für mich zu haben. Freiheit, die keine ist und sich jedes Mal als große Einsamkeit entpuppt. Das gab es doch schon mal! Hatte ich mich nicht beinahe schon mal dazu aufgeschwungen – nein entschlossen, ein Leben an der Seite einer Frau zu führen, die mich nicht verstand und die ich darum nicht hätte lieben können? Ich habe Angst davor, dass ich nochmal enttäuscht werde. Ich weis es nicht und nicht wissen führt zur Angst, und das ist schlimm und macht traurig. Anette ist dabei, einen Schlussstrich unter sechs Jahre ihres Lebens zu ziehen. Den Grund kenne ich und den Anlass dazu auch. Es ist mir auch egal, was andere Leute von mir denken. Mache ich alles nur mechanisch oder ist es mir wirklich ein Bedürfnis? Nein, ich will nichts bereuen, keine Sekunde. Die Zeit, die ich mit ihr zusammen bin, will ich genießen, endlich leben lernen, gezwungen werden zu meinem Glück. Eigentlich ist es ja egal, an welchen Ort wir miteinander zum Leben hingehen. Trotzdem darf ich nicht so viele Kompromisse eingehen, hat sie gesagt. Unser Leben muss uns beiden Spaß machen und wir müssen es gemeinsam einrichten. Zusammenleben bedeutet mehr zu Kennen als das Sonntagsgesicht des anderen. Ich muss sie richtig kennen lernen, ihre Umwelt, Ansichten, Bedürfnisse. Ich glaube, nur so kann man sich ein Bild machen über den anderen Menschen und nur so baut sich ein echtes Gefühl auf. Ich bin wirklich immer bei der Erscheinung stehen geblieben, ohne das Wesen jemals kennen gelernt zu haben. Nur das Wesen, das ist es, die Seele, die man lieben muss, alles andere ist Quatsch. Schönheit ist vergänglich, nur bleibende Werte sind real. Ich möchte nicht mit Lügen und Kompromissen leben, ich möchte zur Seele vordringen und echte Beziehungen zu meinem Partner haben. Mich zwingt ja auch niemand, ich kann also ganz frei von Zwangsvorstellungen an unsere Beziehung herangehen. Ich will – jetzt will ich. Sie ist meine Chance. Sie ist es, die mich beflügelt, über mich hinauszuwachsen, wieder durchzublicken, Wurzeln zu haben, mit beiden Beinen auf dem Boden zu stehen. Wie schön, wenn da jemand ist, den man gern hat. Bin ich mir nun selbst böse, weil ein anderer mich mehr liebt, als ich mich selbst? Fehlt mir die Erfahrung für eine ernst- und dauerhafte Beziehung, oder warum bin ich so komisch? Die anderen sagen, ich sei in letzter Zeit ausgeglichener.

Die Kommandierung nach Eilenburg bringt mich auf andere Gedanken. Wir arbeiten mit den jungen, Fallschirm springenden Damen des Sport Clubs Dynamo. Ich sehe dort so viele schöne Mädels und plötzlich möchte ich gerade mal wieder keine feste Bindung. Das oberflächliche Sein hat mich wieder und ich tätige einen feigen Anruf, durch den ich alles, was zwischen Anette und mir war, mit einem Schlag beende.

 

Ein Presseartikel

Segelflugliga Runde 11

Neuenahrer Segelflieger holen Rundensieg in der Landesklasse

Der Sieg in Runde 11 der Segelflugliga in der Landesklasse Rheinland-Pfalz ging am vergangenen Wochenende mit großem Vorsprung an die Piloten vom Luftsportverein Bad Neuenahr-Ahrweiler e.V. (LSV). Dietmar Spranger (99km/h), Jürgen Koch (101 kmh) und Peter Metzen (97 km/h) segelten im Team von der Bengener Heide hinauf ins Bergische Land mit Bergneustadt als nördlichste Wende, durchflogen den Segelflugkorridor zwischen den Lufträumen der Flughäfen Köln/Bonn und Düsseldorf und zogen ihre Bahn durch Belgien bis an die französische Grenze und zurück zur Bengener Heide. 525 Kilometer in 6 Stunden konnten die drei Segelflieger in ihren Flugbüchern vermerken.
Für die Geschwindigkeitswertung werden die besten 2 1/2 Stunden des Fluges herangezogen. Da sich die Segelflugzeuge in ihren Leistungen unterscheiden, man jedoch die Pilotenleistung bewerten will, werden die realen Ergebnisse mit Faktoren multipliziert, die sich aus der sogenannten Indexliste des Deutschen Aero Clubs e.V. ergeben. Die Rechnerei erledigt www.onlinecontest.org.
Noch vor ein paar Jahren mussten Start, Landung und die Wendepunkte auf der Flugstrecke durch Fotos dokumentiert werden, die sogar noch von einer zentralen Luftbildstelle freigegeben wurden und dann durch einen Sportzeugen bewertet wurden. Zusätzlich dokumentierte ein Barograph die Flughöhe über der Zeit auf einem Stück berußten Papier. Die Auswertung hat damals schon etwas gedauert. Heute werden die Flüge immer von unseren Kollisionswarnsystemen aufgezeichnet und das Hochladen ins Internet ist ein Kinderspiel geworden. Die Auswertung eines Flugtages steht heute, wenn der letzte seinen Flug hochgeladen hat. Jeder kann nachsehen, wie gut er heute war und wie andere geflogen sind. Diese Transparenz ermöglicht ein hohes Maß an Sicherheit und das Lernen voneinander.
Doch zurück zur Segelflugliga: Die Segelfluggruppe Wershofen e.V. (SFG) landete in der 11. Runde auf Platz 4 der Landesklasse RP. Gerhard Krautwig (103 km/h), Thomas Hoffmann (75 km/h) und Norbert Peter (62 km/h) punkteten für die Eifeladler.
Die Tabelle sieht nach Runde 11 folgendermaßen aus: Den Paradiesvögeln aus Ludwigshafen Dannstadt ist der Gesamtsieg wohl jetzt schon nicht mehr zu nehmen. Der LSV hat wetterbedingt volle zwei Runden ausgesetzt und steht auf Rang 4. Durch kontinuierliche Leistungen für den Rest der Saison wäre noch Rang 3 möglich, jedoch steht die Urlaubszeit noch aus und erfahrungsgemäß herrscht da stets Pilotenmangel.
Die SFG behauptet sich aktuell mit Rang 9 im ersten Drittel der Landesklasse RP.
Auch wenn die Segelflieger oft den ganzen Tag unterwegs sind, gibt es immer die Möglichkeit den Luftsport hautnah zu erleben. Die Vereine freuen sich über Besucher und über künftige Piloten, die diesen wunderschönen Sport mit uns teilen wollen. Kommen Sie vorbei!

Geschichte(n), die niemand braucht (50)


Neugierig steuere ich meinen Trabbi durch das ostberliner Verkehrsgewusel zum Centrumwarenhaus. Um die Rolltreppe sind schon verschiedene Damen versammelt, um den neuen Schwarm von Anette zu begutachten. Sie sieht mich, fängt an zu rennen und springt einfach auf mich zu. Unter Aufbietung all meiner Kraft fange ich das verrückte Huhn auf. Während ich sie auf meinen Armen halte, küsst sie mich. Wir bekommen spontanen Beifall und verdrücken uns, bummeln durch das herbstliche Berlin. Mit der Dämmerung kommt die Kälte, es zieht uns in ein Kaffeehaus. Anettes Gesicht sieht im Kerzenlicht entspannt, glücklich und zufrieden aus. Unsere Füße spielen unter dem Tisch miteinander. Dieses Mädel muss verrückt nach mir sein. Sie erzählt mir, dass sie bereit ist, alles aufzugeben um mit mir zusammen zu sein. Liebe auf den ersten Blick? Ich verhalte mich, wie ein selbstgefälliges Arschloch und lasse es geschehen, wissend das aus uns nichts wird. In dieser Jahreszeit ohne Bleibe, ihr verständnisloses Elternhaus und mein Geiz, der die Investition in ein Hotelzimmer verhindert, erlauben uns keinen spontanen Sex. Wir sind erwachsen und da wird das man fällt nicht mit der Tür ins Haus Prinzip als Start für eine ernsthafte Beziehung gewertet. Also besucht sie mich am Wochenende in meinem Ledigenwohnheim. Damenbesuch ist nicht erwünscht, sagt man ihr an der Rezeption, ich gebe ihnen 30 Minuten. Sie öffnet meine Zimmertür, sieht mich überrascht, schubst mich auf´s Bett, springt auf mich und überhäuft mich mit Küssen. Nebenbei strampelt sie irgendwie Mantel, Pullover und Bluse von sich, dreht ihren BH weg und zeigt mir ihre Brüste: Na, wie findest du sie. Kann man anfassen und Küssen. Ihre Hand greift mir prüfend in den Schritt: Ich werde dich jetzt vergewaltigen, und beginnt meine Hose zu öffnen. In diesem Moment klopft es und die Dame von der Rezeption steht vor der Tür. Sind die bescheuert hier, sagt Anette leise zu mir und laut Richtung Tür: wir kommen ja schon. Sie zieht sich maulend an und wir verlassen das Haus, vertreiben unsere Zeit am See mit unendlichen Knutschereien. Sie sagt: Du weißt nicht, was du verpasst hast. Ich erzähle von meinem Dienst, wie oft ich unterwegs bin und dass ich hier wieder weg möchte. Meine Zweifel lässt sie nicht zu: Thomas, ich liebe dich so sehr. In einem Monat wollte ich heiraten, habe gestern alles abgesagt. Ich lade sie zum Essen ein und bringe sie spät zu S-Bahn. Ich erzähle ihr beim Abschied von meiner bevorstehenden zweiwöchigen Kommandierung nach Eilenburg. Danach schreibe ich folgende Sätze in mein geheimes Tagebuch: Ich glaube, dass ich Anette schon ganz gut kenne und eigentlich bin ich es, der Angst vor der Entfaltung und Erweiterung unserer Beziehung hat, lebe im Klinsch mit meinen ganzen Vorurteilen und Komplexen bzw. mit dem Geflecht davon. Ich habe verdammte Lust neu anzufangen, aber erst noch den Gedanken von eben zu Ende bringen: Seit ich sie kenne, betrachte ich mir viel öfter andere Mädchen und versuche, sie als Grund zu nehmen, mich nicht fester zu binden. Ich muss aufpassen, dass ich nicht was anfange aus Mitleid oder so und dann im gefühllosen Raum ende. Darum versuche ich mir immer wieder über meine Gefühle zu ihr klar zu werden. Im Gegensatz zu früher regiert mich mehr die Vernunft als das Gefühl. Ist es nun Ausdruck dessen, dass mein Gefühle zu ihr nicht stark genug ist oder kennzeichnet es einen neuen positiven Charakterzug an mir? Ich weis es nicht, also denke ich, im Punkto Zusammenleben mit anderen Menschen muss ich noch viel lernen. Ich empfand ihre Worte über Prüfung während der kommenden beiden Wochen hart, aber nach dem Durchdenken des Problems, finde ich es schön, dass sie mir die Freiheit lässt, zu gehen.

Mein ganz persönlicher Beitrag für meine Leser:

Mehr Geld?!  spardocheinfach.online

kostet euch nichts und hilft den ganzen Alltagskram einfach zu optimieren. Da bleibt mehr Geld und vor allem mehr Zeit für die wirklich wichtigen Dinge im Leben. Schaut´s euch einfach an.
Vergleichen lohnt sich!

Geschichte(n), die niemand braucht (49)


Das Mädel ging mir nicht aus dem Kopf. Selber hatte es mich gar nicht so erwischt. Durch mein Beischlafverhältnis zu Anett, das ich als angenehm empfand, weil’s es eben keinen Tiefgang hatte und keinerlei Verpflichtungen auferlegte, erwartete ich bei mir keinen Knall mehr. Aber die hatte sich verknallt, war bereit alles stehen und liegen zu lassen, nach ein paar Blicken, einem Tanz…eine chemische Reaktion? Das war es, sie war so verknallt, dass sie mich mit hinein riss in den Mahlstrom, den sie selbst erzeugte. So in Gedanken zog ich meine Fliegerkombi an, holte meine Waffe und die Flugtasche und fuhr mit dem Fahrrad zu Dienst auf dem Flugplatz. Dort bezog ich mein Feldbett und ging mit meinem Besatzungskommandanten zum Meteorologen um die Wettervorhersage für das Wochenende zu studieren. Lothar, der Meteorologe vom Dienst stammte aus Dresden und sächselte auch nach 10 Jahren Berlin wie ihm der Schnabel gewachsen war. Rainer, der Ex-Kosmonautenschwiegersohn, jener Mensch, welcher die meisten, hier verwendeten Spitznahmen verteilt hatte, nannte ihn „Lothar das linkselbische Ruderbeen“. Lothar verkündete: „Es wird schön, den Rest können wir uns sparen und du Leutnant wirst in 5 Minuten wieder angerufen und dieses Mal gehst du selber ran, damit das ein Ende hat. Weiß der Geier, woher die Damen immer diese Nummer bekommen“. Zum Netz des Deutschen Wetterdienstes gehörend, hatte die Meteorologie einen öffentlich direkt anwählbaren Telefonanschluß. Es klingelte und ich ging ran: „Hallo, ich bin so durcheinander, wann können wir uns sehen?“ fragt sie. „Am Wochenende schlafe ich neben dem Flugzeug.“, antworte ich. „Ich beneide es jetzt schon“. „Gut, Montag Mittag in Centrum. Ich hol Dich von Arbeit ab. Wo? aha 3. Etage neben der Rolltreppe“.

 

Mein ganz persönlicher Beitrag für meine Leser:

Mehr Geld?!  spardocheinfach.online

kostet euch nichts und hilft den ganzen Alltagskram einfach zu optimieren. Da bleibt mehr Geld und vor allem mehr Zeit für die wirklich wichtigen Dinge im Leben. Schaut´s euch einfach an.
Vergleichen lohnt sich!

Geschichte(n), die niemand braucht (48)


In allen Einheiten der NVA gab es eine Planstelle im Offiziersrang, deren Inhaber sich mit Kultur beschäftigte, der Kulturmaupel. Nun ist Kultur ein großer Begriff. Die allseitig gebildete sozialistische Persönlichkeit zeichnet sich unter anderen durch ein gesteigertes Interesse an Kunst und Kultur aus. Dem hohen Anspruch folgend, kümmerte sich unser Kulturmaupel um das in solch einer kleinen Einheit Machbare. Dazu gehörten Gespräche oder Buchlesungen innerhalb der Kaserne und Konzertbesuche außerhalb und die Patenbrigade. Das waren die Mädels vom Centrumwarenhaus in Berlin, dem Kaufhaus des Ostens.

Quelle: Jim Cooper https://www.flickr.com/photos/eastgermanpics/

Da die Bürger der Republik in diesem Schaufenster des Ostens nicht nur für sich selber einkauften, sondern zusätzlich noch ganze Listen von Freunden und Verwandten abarbeiteten und dann noch Waren zum Tausch mitnahmen, räumten die fleißigen Mädels jeden Morgen ihr Kaufhaus voll. Jeden Samstag listete man das Inventar um einigermaßen den Überblick zu behalten. Und da kamen wir ins Spiel, denn das konnten wir auch und den Mädels war es recht, wenn sie mal weniger hart arbeiten mussten. Dafür traf man sich einmal wöchentlich nach der Arbeit zu einem gemeinsamen Vergnügen. Beide Seiten handelten das dann noch als Veranstaltung der Freien Deutschen Jugend (FDJ) ab. Zunächst blieben die jungen Piloten von dieser Veranstaltung ausgeschlossen, da nach persönlicher Einschätzung des Kulturmaupels, die anderen Genossen nicht mehr so gut bei den Mädels landeten wenn wir auftraten. Ich war der Erste und sollte auch der letzte bleiben. Eines Tages sprach der Kulturmaupel zu mir: „Geh´ doch mal mit, die wollen mal einen richtigen Flieger in Uniform sehen.“ „Was?“, fragte ich zurück, „Ihr geht da immer in Uniform hin?“ „Ja natürlich, die ziehen ja auch ihr FDJ-Hemd an.“ Besorgt fragte ich zurück: „Und da fahrt ihr mit der S-Bahn bis ins Stadtzentrum und habt keine Angst, dass ihr verprügelt werdet?“ „Nein man, wir fahren immer zusammen, da traut sich keiner an uns ran.“ Dazu muss man wissen, dass Uniformierte nicht sehr beliebt waren in der Hauptstadt der Deutschen Demokratischen Republik. Wir zogen also unsere besten Uniformstücke an und machten uns auf dem Weg. Eine Feier war angesetzt: Auszeichnung der besten Kollektive und Verkäuferinnen in Beisein der Pateneinheit mit anschließendem Tanzvergnügen. Wir saßen an einer riesigen Tafel in Form eines U. Eine Wand des hellen, nüchternen Raumes bestand aus Glas und gab die Sicht auf die Hauptstadt frei. Meine Augen durchstreiften den Raum, ich musterte die anwesenden Personen. Alle waren jünger als 30, aufgeweckt und typische Berlinerinnen. Sie waren in dem Bewusstsein Hauptstädter zu sein aufgewachsen in einer Zeit, da der kalte Krieg durch friedliche Annäherung ersetzt wurde. Man arbeitete und lebte in einer anderen Welt als der Rest der Republik. Ich sah in zwei lustige, ausgelassene Frauengesichter, die zu mir schauten, miteinander tuschelten, lachten und wieder zu mir schauten. Ich ging zu ihnen und forderte mein Mitlachen ein. Wir haben über die unmoderne Uniform gelacht… schaute mir in die Augen und rief: „Nee, ick muss ma uff Toilette!“, sprang auf und rannte los. „Was ist mit der los?“, fragte ich ihre Freundin. „Is verlobt, die Göre, Verlobter is jerade bei der Fahne und dann kommst du und machst ihr schöne Ogen.“  „Aber, ich will doch gar nichts von ihr.“, entgegne ich. „Aber sie von dir mein Lieber. Und wenn de se schlecht behandelst, bekommstes mit meiner Wenigkeit zu tun, also mach se glücklich!“ spricht sie mitten in mein verdutztes Gesicht. Ich wusste nichts zu entgegnen. Da rennt man in der Weltgeschichte rum und hält Ausschau nach der Traumfrau und in Wirklichkeit reicht ein einziger Blick. Als sie wiederkam, sah ich, dass sie geweint hatte. Ihr Make Up war notdürftig in Ordnung gebracht. „Ich kann nichts dafür.“, sage ich und sie entgegnet: „Nein, du bist nicht schuld. Zieh bitte diese Jacke aus und dann tanz mit mir.“ Sie umschlang mich, als wären wir schon eine halbe Ewigkeit zusammen, schluchzte und atmete schwer. Durch meine graue und ihre blaue Bluse spürte ich ihre Brüste. Im Rhythmus der Musik rieben sich unsere Körper aneinander. Wir waren erregt. „Das darf nicht sein!“, presste sie den Tränen nahe heraus, riss sich los und rannte aus dem Raum. Ihre Freundin hatte mir Namen und Telefon auf eine Streichholzschachtel geschrieben und im hinterher rennen zugeworfen. „Ruf morgen an, ick kümmer mich.“ Das Fest war am zu Ende gehen und wir traten den Rückzug an. „Wir helfen am Samstag wieder bei der Inventur, willste mit?“ fragt der Kulturmaupel. „Hab Einsatzbesatzung, von Samstag früh bis Montag früh“. „Dann haste ja Montag und Dienstag frei. Sozusagen. Willste die scharfe Braut wiedersehen. Weis nicht, die hat ´nen Macker, der ist Soldat. Woll´n nach der Asche heiraten. Mach was du denkst“. Sagts und lässt mich stehen.

 

Mein ganz persönlicher Beitrag für meine Leser:

Mehr Geld?!  spardocheinfach.online

kostet euch nichts und hilft den ganzen Alltagskram einfach zu optimieren. Da bleibt mehr Geld und vor allem mehr Zeit für die wirklich wichtigen Dinge im Leben. Schaut´s euch einfach an.
Vergleichen lohnt sich!

Geschichte(n), die niemand braucht (47)


Ich vergaß die Geschichte irgendwann wieder, da ich ja mit niemanden darüber reden konnte und sich auch keiner rührte. Das Zimmer suchte ich dann eigentlich nur noch zum Schlafen auf. Beim Umherstreifen im Wohnheim hörte ich laute Musik. In der Hoffnung auf Zerstreuung oder besser: Mädels, suchte ich die Quelle des Geräusches. Im Keller gab es eine Art Gemeinschaftsraum mit Plattenspieler und Boxen, tanzenden und sitzenden. Die Stimmung war eher gelangweilt. Die Mädels waren nicht besonders hübsch, aber es gab Alkohol: die Mädels wurden interessanter, die Stimmung ausgelassener. Ein genehmigter Heimabend hat irgendwann ein vorgeschriebenes Ende und bis dahin muss man für die Nacht verbandelt sein. Also nahm ich, was ich kriegen konnte, denn ich wollte Sex. Sie auch. Wir schlossen uns in ihrem Zimmer ein und begannen uns gegenseitig auszuziehen. Sie setzte sich einfach auf mich und das Beben kam. Als Köchin in einer der besseren Küchen des Ministeriums, versorgte sie mich fortan mit Leckereien und mit Sex. Ich empfand das als keine feste Beziehung, nur als guten und regelmäßigen Sex gegen die Wohnheimlangeweile. Es dauerte nicht lange, da wollte mich Anett ihren Eltern vorstellen. Ich war nicht bereit für eine feste Bindung mit ihr und suchte nach Ausflüchten, übernahm Dienste und ging auf Kommandierungen. Anett realisierte die Situation sehr schnell und schmiss sich an den nächst besten netten Kerl aus dem Wohnheim, unseren Verpflegungsoffizier, dem Küchenmaupel.

Kelmo hielt sich fern von unserem gemeinsamen Zimmer, hatte wohl doch so was wie ein schlechtes Gewissen wegen des Abhörskandals. Die Langeweile hatte mich zurück.

Mein ganz persönlicher Beitrag für meine Leser:

Mehr Geld?!  spardocheinfach.online

kostet euch nichts und hilft den ganzen Alltagskram einfach zu optimieren. Da bleibt mehr Geld und vor allem mehr Zeit für die wirklich wichtigen Dinge im Leben. Schaut´s euch einfach an.
Vergleichen lohnt sich!

Geschichte(n), die niemand braucht (46)


Der Standort Strausberg hatte eigentlich einiges zu bieten. Nur zwei Gehminuten vom Wohnheim gab es den Straussee, ein kristallklares Gewässer, das einfach zum Schwimmen einlud. Berlin mit all seinen Annehmlichkeiten erreichte man bequem mit der S-Bahn.

Dispatcher beim Sonnenbad auf dem Tower, der beim Bild oben im Hintergrund steht

Gestört hat mich eigentlich nur die Abwesenheit einer eigenen Wohnungstür. Ein solides Brett vor dem Loch in der Wand von meiner Wohnung, hinter der sich mein eigenes Leben abspielen könnte. Fast meine gesamte Dienstzeit habe ich in sogenannten Ledigenwohnheimen zugebracht. Im Sommer hat mir das nichts ausgemacht, da war ich Segelfliegen. Im Winter war´s einfach nur nervig. Die kleine Fliegereinheit am Standort Strausberg unterhielt kein eigenes Wohnheim. Daher bewohnten Kelmo und ich ein Zimmer im Wohnheim des Ministeriums für nationale Verteidigung. Kelmo litt an ständigen geruchsstarken Ausdünstungen, Anwesende dann bald auch. Außerdem war er ein Freund des zuständigen Genossen der Abteilung 2000, wie sich die Staatssicherheitsleute in der Armee nannten. Kelmo ist dann auch die Treppe nach oben gefallen und hat eine richtig vorbildliche Fliegerkarriere gemacht. Doch zunächst haben wir zusammengewohnt. Irgendwann hatte ich die Idee, einen kleinen russischen Fernseher anzuschaffen, um wieder alle Programme dieser Welt zu empfangen, wie ich es von da gewohnt war, wo ich aufgewachsen bin. Kaufen konnte man ein solches Teil bei unserer russischen Pateneinheit. Als Sieger im Zweiten Weltkrieg hatte die Sowjetarmee auch einen Flugplatz nordöstlich von Berlin mit dem Namen Werneuchen besetzt. Dieser Flugplatz ist wohl auf Grund seiner strategischen Lage zu Berlin nicht der verständlichen Zerstörungswut der Sowjetarmee zum Opfer gefallen. Die sowjetische Führung stattete, als Reaktion auf das Potsdamer Abkommen, diesen Flugplatz mit allem aus, was man für notwendig hielt um die kapitalistische Enklave Westberlin innerhalb weniger Minuten in Schutt und Asche zu legen. Es herrschte Kalter Krieg. Offizielle Politik zwischen der Sowjetunion und der DDR war die brüderliche Freundschaft, nur das zunächst der Sieger dem neuen Bruder alles weggenommen hatte. Aber es musste ein Bollwerk her gegen den Kapitalismus und die neuen deutschen Brüder waren klug und fleißig, ihre Führer hörig. Mann durfte sie nicht durch den Kapitalismus verblenden lassen, der den Westen Deutschlands mit Hilfe des Marschall-Planes aufbaute. Also ließ man sie machen, lieferte Stahl, Öl und Waffen und bildete ihre Führer aus. So kam die russische Sprache in die Streitkräfte der DDR und es entstanden Kontakte und Freundschaften. Das Verhältnis zwischen den Verbündeten Streitkräften wurde immer bewusst kühl gehalten. Man war die Besatzungsarmee und der kleine Bruder hatte seine Spielzeuge, sollte sich im kalten Krieg mit seinem Gegenüber herumärgern, schließlich hatten die ja die gleiche Sprache. Nichtsdestotrotz hielten ein paar persönliche Freundschaften. Eine solche, durch regelmäßigen gemeinsamen Genus großer Mengen Wodka gepflegte, bestand zwischen dem Staffelsteuermann der VS 14 und seinem russischen Kollegen in Werneuchen. Sie war nicht ohne Folgen für uns: Einmal monatlich fand sich der russische Militärhandel aus Werneuchen im Lageraum unserer Einheit ein. Das Unternehmen war streng geheim, Bargeld in ausreichender Menge war bereitzuhalten. Die russischen Verkäuferinnen boten alles feil, was uns der volkseigene Handel vorenthielt: Jeans, Kaffeemaschinen usw., alles aus DDR-Produktion. Der Handel in der DDR war staatlich gelenkt und hatte bei der Versorgung eine Prioritätenliste zu beachten. Ganz oben standen die Gruppe der sowjetischen Streitkräfte in der DDR. Schön für uns. Wollte man einen kleinen Fernseher, musste man beim Steuermann eine Bestellung abgeben. Die Lieferung erfolge relativ zügig, da die Pateneinheit Moskau direkt unterstand und der Kommandeur einmal wöchentlich mit einem Jagdflugzeug zum Rapport flog. Bei dieser Gelegenheit konnte man schon mal einen kleinen Televisor oder ein paar seltene Fische, lebend in einer Plastiktüte auf dem Schoß, ab und zu mal mit Sauerstoff aus der Maske versorgt, für seine Freunde mitbringen. Den Zierfischladen steuerte unser russischer Freund mit seiner MIG-25 übrigens in Leningrad an. Mein kleiner russischer Fernseher ist wohl auch so ähnlich in die DDR gelangt.

Da aus dem Zimmer in der 6. Etage des Wohnheims, welches Kelmo und ich bewohnten, eine quasi optische Verbindung nach ganz Berlin bestand, quoll der kleine Flimmerkasten vor Programmen über. Man durfte es halt nicht laut machen, wegen der Lauscher. Das der schon im Telefon neben dem Fernseher saß, wusste ich zu dem Zeitpunkt allerdings noch nicht. Da ich öfter mit Freunden in anderen Einheiten telefonierte, nutzte ich mein Telefon auch. Vermittelt wurde über die Zentrale des Ministeriums, also wurde auch mitgehört. Also ließ man es bei Andeutungen, sprach nicht über Dienstliches und benutzte oft die Floskel: „Nicht am Telefon“. Als aufmerksamer Mensch wunderte ich mich eines Tages über das Gewicht des Hörers. Ich nahm das Telefon hoch, betrachtete es von allen Seiten – es war wie immer, nur der Hörer…Schraubgewinde aus Kunststoff…also runter mit dem Deckel: unter der Sprechmuschel lag tatsächlich eine Wanze. Das Gewicht kam von der eigenen Batterie des Teiles. Kelmo war duschen: das musste er wissen. Die Dusche war auf dem Gang, ein paar Türen weiter. Ich rief: „He Kelmo, die hören uns ab!“ „Mach keine Witze!“ kam es aus der Dusche. Ich erwiderte: „Doch, komm mit, ich hab das Ding gefunden.“ Kelmo riss die Elektronik aus der Sprechmuschel und legte sie Neben das Telefon, schraubte der Hörer zu und legte auf. Der Apparat klingelte, die Rezeption verlangte mich, es sei Besuch für mich das. Ich eilte zum Fahrstuhl und fuhr hinunter. Die Dame hinterm Tresen verkündete, dass der Besuch verschwunden sei und ich fuhr wieder hoch. Kelmo duschte wieder, die Wanze war auch verschwunden. Was war so wichtig an mir, dass man mich abhören musste und wer tat das? Ich durfte gar keinen Besuch empfangen in meiner Hälfte der 5 mal 2 Meter, die Anrufe wurden schon abgehört, blieb nur das Fernsehen: was für ein Aufwand für den Ton des Westfernsehens. Es war Militärangehörigen verboten, Sender des kapitalistischen Auslandes zu empfangen, aber jeder tat es. Wollte man mir einen Strich daraus drehen? Und was war mit Kelmo? Der war doch ein Freund von denen.

Mein ganz persönlicher Beitrag für meine Leser:

Mehr Geld?!  spardocheinfach.online

kostet euch nichts und hilft den ganzen Alltagskram einfach zu optimieren. Da bleibt mehr Geld und vor allem mehr Zeit für die wirklich wichtigen Dinge im Leben. Schaut´s euch einfach an.
Vergleichen lohnt sich!

Geschichte(n), die niemand braucht (45)


 

Lachend und kopfschüttelnd nahm der Werkspilot die beiden Flugzeuge in Empfang und sagte: „Ihr Deutschen, was macht ihr nur mit den Flugzeugen? Wenig fliegen, nur schrauben und putzen!“ In der Tat war der Zustand der grün/braunen Viersitzer besser als neu. Das lag aber nicht am wenig fliegen, sondern einfach an der Tatsache, dass diese Maschinen von den Technikern geliebt wurden. Anders als bei der russischen AN-2, die für Polargebiet und Wüste, Autonomie abseits von Pisten und Hangars gebaut wurde, bestand die „Z“ aus filigranen Teilen, Geräten und Aggregaten, eben aus einer anderen Zeit. Duraluminium und Luftfahrtstähle nach der strengen englischen Norm inspirierten die brillanten tschechischen Ingenieure zu vollendetem Leichtmetallflugzeugbau. Der Hauptholm des Flügels ist luftdicht und mit Stickstoff bedruckt. Das Manometer auf der Mittelkonsole zeigte 2,3 Kilopond pro Quadratzentimeter, ein Beweis für die Dichtheit des Holms und damit für dessen Unversehrtheit. Jeder noch so kleine Haarriss würden den Stickstoff entweichen lassen und sich damit verraten. Ein Trimmrad ermöglichte genauste Einstellung jeder Geschwindigkeit, der Gasgriff am Gerätebrett mit seiner Feststellschraube exakte Ladedruckeinstellung. Die automatische Verstellluftschraube passt auf genial einfache Weise die Blatteinstellung der Fluggeschwindigkeit an und die Einspritzanlage lässt nicht einmal den Gedanken an Vergaservereisung aufkommen. Effektive Ruder, großzügige Instrumentierung, Supersicht, einfachstes Handling, angemessener Komfort und Robustheit haben diese Flugzeuge beliebt gemacht.

Kommen Sie in zwei Wochen wieder, wir machen die Testflüge und gut. Wir fuhren mit dem Bus nach KUNOVICE, Produktionsstandort für L-410 und L-39, und von dort brummten wir als Passagiere einer unserer L-410 nach Hause.

Urmel flog wegen der Teilnahme an den Testflügen zwei Tage früher nach Otrokovice. Als wir ankamen, hatte er Räuberzivil (Jeans und Lederjacke) an und war bester Laune. Der Werkspilot hatte ihm das komplette Kunstflugprogramm der Nationalmannschaft auf unseren Flugzeugen vorgeführt und Urmel berichtete uns begeistert was da alles geht mit so einer Z-43. Die Maschinen waren noch so wie wir sie gebracht hatten, also bestens. Sicherlich hatten sie neue Kerzen reingeschraubt und das Öl gewechselt…

Wir bezogen unser Hotel, verkleideten uns ebenfalls und kauften ein: Gläser für Wein, Bier und Schnaps, Karaffen und einige Kästen Bier. Genug um die hinteren Sitze bis unters Glasdach zu beladen. Die viersitzige Z-43 hatte das gleiche Triebwerk wie ihre zweisitzige Schwester, die Z-42, ein Walter Reihenmotor mit 180 PS. Für 4 Sitze etwas wenig. Um die Abhebegeschwindigkeit wieder runter auf das Niveau der Z-42 zu bekommen, erhöhte man die Spannweite, was gleichzeitig Platz für Zusatztanks geschaffen schaffte. Unser waren voll und der Flieger wog das, was er maximal wiegen durfte. Der Zollbeamte lächelte über Bier und Glas, drückte seinen Stempel auf die Ausfuhrpapiere und wünschte einen angenehmen Flug. Einen letzten Außencheck, Probelauf, aufstellen als Paar auf der Piste, Bremse voll, Leistung Maximal, Turbolader zuschalten und ab geht’s. Der Walter-Motor hatte genau für diesen Zweck einen zuschaltbaren Turbolader. Die Betriebszeit war während der Lebenszeit des Triebwerkes auf nur wenige Stunden limitiert und musste extra in der TW-Dokumentation vermerkt werden. Der sonore Sound des Walters wird ein wenig härter, die Luftschraube überdreht etwas bis die automatische Verstellung wieder abregelt und ein paar PS mehr sind mobilisiert. Der Startlauf erschien von der Beschleunigung trotz maximaler Beladung daher normal. Nach dem Einfahren der Startklappe und dem Aufholen von 180 Stundenkilometer Reisegeschwindigkeit schalteten wir den Lader wieder ab. Das höhere Gewicht wurde nun durch etwas mehr Triebwerksleistung und dadurch höheren Benzinverbrauch kompensiert. Ständig umeinander tanzend zogen wir unsere Bahn Richtung NNW. Der Dispatcher im Turm von Otrokovice hatte einen geraden Strich auf unsere Flugkarte gezeichnet und gestikuliert, dass wir so nach Hause fliegen sollen. Darum haben wir den Heimweg genossen, ohne Feinnavigation, einfach nur grob nach den großen markanten Merkmalen der wunderschönen Landschaft. 50 Meter über Grund und ein ausreichend motorisierte Flugzeug sind ein Riesenspaß. Durch entsprechenden Leistungsüberschuss kann man die Höhe dem Relief der Landschaft anpassen und hat immer das berauschende Gefühl der Geschwindigkeit, alles rennt vorbei, Leute winken, Traktoristen springen vom Bock, Liebende bedecken die nackten Körper und drohen schelmisch nach oben, wenn man die zweite Schleife über ihnen zieht.

Hinterhermsdorf ist der Einflugpunkt in den eigenen Luftraum, auf 500 Meter steigen und den ZGS informieren. Komisch, denke ich, dass man auf dieser Frequenz überall gehört wird und immer eine Antwort in angemessener Lautstärke bekommt. Der Rest der Strecke findet auf unserm Standardstreckennetz statt und endet in Strausberg auf den Backsteinvorfeld aus der Kaiserzeit. Ich hole meinen Trabi vom Parkplatz und wir laden die Beute um. Wir bieten Urmel Soforthilfe beim Austrinken des Bieres an, der lehnt dankend ab. Wir sollen nächste Woche kommen, dann gibt’s das Bier zum Geburtstag. Wir haben dann aber doch Berliner Pilsner getrunken, weil das tschechische Bier nicht pasteurisiert war und einfach schlecht geworden ist.

Mein ganz persönlicher Beitrag für meine Leser:

Mehr Geld?!  spardocheinfach.online

kostet euch nichts und hilft den ganzen Alltagskram einfach zu optimieren. Da bleibt mehr Geld und vor allem mehr Zeit für die wirklich wichtigen Dinge im Leben. Schaut´s euch einfach an.
Vergleichen lohnt sich!

Geschichte(n), die niemand braucht (44)


Ein Spezialauftrag führte mich ins slowakische Otrokovice. Dort ist die Flugzeugwerft der ZLIN-Flugzeuge beheimatet. Dort waren die beiden ZLIN-43 unserer Staffel geboren und die quasi aeronautische Variante ihrer Geburtsurkunde verlangte eine Begutachtung durch die Eltern im Geburtshaus, zu gut deutsch: Flugzeug muss zum Hersteller.

Ein Flugzeug wird wartungstechnisch in die Flugzeugzelle (sprich: Zelle) und das Flugzeugtriebwerk (sprich: Triebwerk) unterteilt. Diese beiden großen Baugruppen haben je eine geplante Lebensdauer, die in Betriebsstunden seit der Inbetriebnahme ausgedrückt wird. Der Hersteller legt fest, wann, in welchem Umfang und durch wen Kontrollen oder Austausch von Teilen durchgeführt werden muss. Da es auch ausgesprochene Wenignutzer gibt, legt der Hersteller beispielsweise eine Kontrolle nach 500 Flugstunden oder 5 Jahren fest.

Unsere ZLIN-Babys waren 5 Jahre bei uns und hatten Sehnsucht nach Mama und Papa.

Hauptmann Wolfgang Eltner, die Urmulung oder kurz Urmel genannt, war mein Erster (Besatzungskommandant). Weil er zuverlässig, fleißig, schlau und loyal war, zählte er zu den engsten Freunden des Staffelsteuermanns, dem Dicken oder auch Oberst genannt. Diese Freundschaft hatte nicht nur Vorteile, sie verschaffte einem auch eine ganze Menge Arbeit. Durch diese Arbeit wiederum gewann man allerlei Einblicke und Kenntnisse, wodurch man dann wiederum zu noch qualifizierteren Arbeiten herangezogen wurde. Flüge ins Ausland, im Grenzsperrstreifen oder über See waren solche Aufgaben. Geplant wurde das alles im Raum zwischen dem Staffelsteuermann und dem Kommandeur, dem sogenannten Lagezentrum. Eigentlich war das die Wirkungsstätte eines Stabschefes, doch diese Posten waren stets durch Nieten besetzt. Es war eine Art seitliche Arabeske, auf die man jemanden schieben konnte, der nicht von selber gehen wollte und nichts mehr anstellen sollte. Die Flieger selber hatten ihre Befehlsstruktur, die Techniker und die Flugplatzleute die ihre, der Chef des Stabes erhielt eigentlich erst reale Macht, wenn alle anderen aus dem Stab den Flieger bestiegen hatten. Bis dahin herrschte er über ein paar Wachsoldaten, Unteroffiziere vom Turm und der Meteorologie, vielleicht die Sekretärin. Grüß ihn und dann lass ihn stehen, hatte mir ein Fliegerkollege beim ersten Rundgang durch die Staffel empfohlen.

Jedenfalls war es üblich, die Einsatzplanung ohne Stabschef zu machen. Dazu gab es drei riesige grüne Metalltafeln mit gelben Strichen darauf. Die X-Achsen bildete die Zeit, Y-Achse waren Personal, Flugzeuge und Aufgaben. Die Kettenkommandeure waren verantwortlich für das fliegende Personal und pflegten die Tafel des Personalbestandes der Flieger und deren Verfügbarkeit und pflegten die entsprechende Tafel. Der Leiter des Fliegeringenieurdienstes war verantwortlich für die Bereitstellung der nötigen Flugzeuge, Warte und Ingenieure und hielt seine Tafel auf dem laufenden, Staffelsteuermann, Stellvertreter des Kommandeurs für fliegerische Ausbildung und der Kommandeur selber pflegten die Aufgabentafel und ordneten den Aufgaben Technik und Personal zu. Diese Zuordnung wurden von allen anderen registriert und ihrerseits in Dienstpläne und Aufgabenstellungen umgesetzt. War alles in Sack und Tüten, befahl der Stabschef seinen Schreibsoldaten zu den Tafeln, der dann das Buch des Stabschefs führte. Ich hatte niemals einen Stabschef zum Freund.

Ein Grundantrieb, sich Leute zu unterstellen, ist die eigene Faulheit. Man lässt die eigene Arbeit von anderen tun und gewährt ihnen dafür gewisse Vorteile. Dadurch kamen Urmel und ich zu einem Flug nach Otrokovice. Genaugenommen waren das sogar 4 Flüge. Der erste führte in 50 Meter Flughöhe in die Berge der Slowakai. 50 Meter über Grund galt in der DDR als sicher, da alle anderen höher fliegen, kein Radar das Flugzeug erfasste und darum auch keine Führung oder Leitung durch Gefechtsstände notwendig war. Heute wird die Sicherheit verschieden interpretiert und durch Gesetzlichkeiten festgelegt: in Italien gelten für UL-Flugzeuge Flughöhen unterhalb 50 Meter über Grund, in Deutschland dagegen 150 Meter über Grund oder Wasser als Mindestsicherheitsflughöhe.

Unsere befohlene Flughöhe war 50 Meter GND, abmelden beim Zentralen Gefechtsstand der Gruppe der sowjetischen Streitkräfte in Deutschland beim Ausflug aus dem Luftraum der Deutschen Demokratischen Republik. Ich besorgte mir über den Steuermannsdienst der Streitkräfte eine 200000er Karte der gesamten Strecke und eine Navigationskarte 1:500000 vom Nachbarland. Die genaue Strecke war nicht vorgegeben, man hatte uns nur zu verstehen gegeben, dass man uns eigentlich nicht auf dem Radar sehen wollte. Wir suchten eine Streckenführung heraus, die weitab der bekannten militärischen Einrichtungen der Nachbarn verlief, lieferten den Navigationsplan dafür ab, die Strecke wurde bestätigt und galt als befohlene Route. Die eigentliche navigatorische Vorbereitung erforderte besondere Sorgfalt. Entlang der befohlenen Flugstrecke musste die Koppelnavigation bis ins kleinste Detail geplant werden, da aus 50 Meter Flughöhe höchstens die nächsten zwei Kilometer zu sehen waren. Die erwarteten Orientierungsmerkmale zeichnete ich schematisch auf ein Blatt Papier auf, versah sie mit Entfernungen und Zeiten absolut und vom jeweils letzten Wendepunkt, schrieb Funkfrequenzen und Kennungen daneben. Vervollständigt wurde der Plan mit einer Liste von Tätigkeiten bei Orientierungsverlust und den dazugehörigen Auffanglinien. In der extrem geringen Flughöhe gab es keine zuverlässige Anzeige von Peilungen zu Funkfeuern. Ebenso Funkkontakt zu den Flugplätzen hat auf der Strecke war relativ unwahrscheinlich, da wir die Landessprache nicht kannten, englisch nicht üblich war und in russischer Sprache hat seit dem Desaster von 1968 keiner mehr geantwortet.

So rasten wir mit unseren 180 Stundenkilometern über die herrliche Landschaft. Da es zwei Maschinen waren, wechselten wir uns in der Führung ab und so kam jeder in den Genuss der Optik einer vorbeisausenden Landschaft. Auf die Minute genau im Plan schwebten wir über die Asphaltpiste des Werksflugplatzes in Otrokovice ein..

Mein ganz persönlicher Beitrag für meine Leser:

Mehr Geld?!

 spardocheinfach.online

kostet euch nichts und hilft den ganzen Alltagskram einfach zu optimieren. Da bleibt mehr Geld und vor allem mehr Zeit für die wirklich wichtigen Dinge im Leben. Schaut´s euch einfach an. Holt euch die passenden Tarife!

Geschichte(n), die niemand braucht (43)


 

Der Militärputsch in der Gesellschaft für Sport und Technik… wie immer: alles frei erfunden.

Die Gefechtsdienstvorschrift der US-Army beschrieb eines Tages die Luft-Land-Schlacht, die Kombination von Luft- und Landstreitkräften. Da die USA eigentlich immer was am Kochen hatten, unterstellte man, dass die neuen Vorschrift auf den Erfahrungen der Konflikte basierte und darum gut sein müsse. Das musste jetzt die kleine NVA auch haben: Front- und Armeefliegerkräfte. Da man keine neue Division aufbauen durfte, wurde ein Stab geschaffen und Teile schon vorhandener fliegender Einheiten unterstellt: Transport- und Kampfhubschrauber, Transport- und Verbindungsflugzeuge und Jagdbomber. Zusätzlich beschaffte man neue Technik und bildete junge Piloten und Führungskräfte aus.

Das Jahr 1978 betrachte ich persönlich als den Höhepunkt der Entspannungspolitik zwischen Ost und West. Man redete miteinander, besuchte sich gegenseitig im Weltraum und ein Oberschüler wurde nicht mehr von der Penne geschmissen, wenn er zu Hause ein Beatles-Poster über dem Bett kleben hatte. Keiner von uns wollte eine Uniform anziehen.

In der Gesellschaft für Sport und Technik, Abteilung Segelflug, hatten sich zivile Strukturen entwickelt, die demokratisch funktionierten. Wie bei jedem Sport im Arbeiter- und Bauernstaat wurde für das Fliegen nichts bezahlt. Die Flugzeuge waren Volkseigentum und wurden von den Nutzer gepflegt wie die eigenen. Einigen war die Republik zu klein oder sie hielten den Versuch des Verzichts auf das Privateigentum an den Produktionsmitteln für gescheitert und sahen sich darum gezwungen, die Republik mit dem Sportflugzeug durch die Luft zu verlassen. Fanden die Herrschenden der DDR nicht gut. Daraufhin wurde 1979 die Sportfliegerei komplett eingestellt. Die Sportflieger sind allesamt potentielle Republikflüchtige (Analogie zu heute: alles potentielle Terroristen). Also wurden Kaderorgane gebildet, die für jeden eine Akte anlegten.

Was sollte nun werden? Ganz einfach! Die NVA braucht jede Menge Piloten für ihre ehrgeizigen Pläne der Front- und Armeefliegerkräfte. Die GST soll die Vorausbildung machen. Und das bitteschön effektiv und mit militärischem Drill. Dazu brauchte man die Bezirksausbildungszentren (BAZ) wo alles unter Kasernenbedingungen ablief. Die kleinen Segelflugplätze mit den vielen Sportfliegern waren verzichtbar, unnütz und potentiell gefährlich. Sie wurden geschlossen, die Flugzeuge an den BAZ´s  zusammengezogen. Die sauber geflogene Platzrunde, hochgezogene Fahrtkurve, Trudeln und Steilkreise waren die neuen Ausbildungsinhalte. Streckenflüge waren zunächst verboten und später nur unter gewaltigen Einschränkungen möglich. Die Segelflugausbildung als vormilitärische Ausbildung fand die Fortsetzung durch die Motorflugausbildung auf der ZLIN-42. Danach war man vorgereift für die L-39 und die MIG-21.
Diese Entwicklung setzte die demokratischen Strukturen in der Gesellschaft für Sport und Technik außer Kraft. Alle entscheidenden Planstellen, von ganz oben bis auf Flugplatzebene, wurden von Militärs besetzt. Motorfluglehrer für die BAZ´s entnahm man einem Zug Offiziersschüler. Parallel dazu erarbeiteten Militärs neue Ausbildungsvorschriften für Segel- und Motorflug, die durchsetzt waren von Ideologie mit dem Ziel: „Sie müssen für unsere Ideen brennen!“

Die Verlierer: mehr als die Hälfte der bis dahin bestehenden Fluggelände geschlossen und viele von ihrem Staat enttäuschte Motor- und Segelflieger, die ohne Begründung und ohne Perspektive des Flugplatzes verwiesen wurden und, wenn die Wende nicht gekommen wäre, auch nie wieder in ihrem Leben einen Flugplatz in der DDR betreten hätten, denn die BAZ´s waren mit Stacheldraht eingezäunt und standen unter Bewachung der Deutschen Volkspolizei. Wer nicht auf der Kaderliste stand, kam nicht rein.

Das nannten wir den Militärputsch in der GST.

Mein ganz persönlicher Beitrag für meine Leser:

Mehr Geld?!  spardocheinfach.online

kostet euch nichts und hilft den ganzen Alltagskram einfach zu optimieren. Da bleibt mehr Geld und vor allem mehr Zeit für die wirklich wichtigen Dinge im Leben. Schaut´s euch einfach an.
Holt euch die passenden Tarife!

Geschichte(n), die niemand braucht (42)


 

Kein Tag verging ohne kräftig gelacht zu haben. Es gibt Menschen, deren Naturell ist einfach fröhlich zu sein. Und das ist ansteckend. Meine neue Crew hatte immer einen Spaß auf Lager. Sobald uns eine Atempause vergönnt war, musste man damit rechnen, dass es passierte. Während des Essens einer Nachschicht gab es in Aluminium Assietten gebackenen Auflauf. Das Aluminium erwies sich als stärker als Haushaltsfolie, lies sich gut verformen und reflektierte das Licht wie ein Spiegel. Scheinwerfer…Reini und mir kam derselbe Gedanke: „Zwei Stück, sauber, nach der Schicht bitte!“, bestellten wir beim Koch. Der Flugleiter, Kolja fragte schon besorgt: Na Jungs, kein Spaß heute? Wenn der wüsste… Kolja und der Oberst waren mit dem Zastava (Personenkraftwagen aus Jugoslawien) vom Oberst zur Dienststelle gekommen. Nach Schichtende schlichen wir zu diesem Wagen und verblendeten die Scheinwerfer mit dem Aluminium. Es passte perfekt unter die Scheinwerferverkleidung. Das Auto parkte unter einer Peitschenmastlampe, fahles Neonlicht erleuchtete den kleinen Parkplatz neben dem Fahrradschuppen, wo wir unterdessen Position bezogen hatten. Da Kamen auch schon Kolja und der Oberst um die Ecke: „Kolja, heute passiert nichts mehr, waren auch schon mal besser drauf die Jungs. Die wissen doch dass ich immer für einen guten Spaß zu haben bin. Na ja, fahren wir heim.“ Sie bestiegen das Auto, starteten den Motor, schalteten das Licht ein. Brav leuchteten die Lampen am Heck. Das Auto setzte sich langsam in Bewegung, verließ den Lichtkegel der Peitschenmastlampen und hielt an. Türen klappten. Der Oberst: „Kolja guck dir das an, der ganze vordere Strang ist ausgefallen.“ Kolja: „Hinten geht alles!“ Oberst: „Ich schalte noch mal.“ Kolja: „Nichts, mach mal die Klappe auf.“ Kolja öffnet die Motorhaube: „Innen ist es hell, kommt nur nichts raus. Das gibt’s doch nicht. Hier ist Alufolie davor, vom Abendbrot. Darum haben die gelacht und waren so schnell weg.“ Oberst: „Kolja, ich sage dir, die sind noch alle da. Haste deine Taschenlampe dabei?“ Kolja bejaht und der Oberst fordert: „Leuchte mal in den Fahrradschuppen: ah da, brauchst dir keinen merken, sind alle dabei gewesen!“

Am nächsten Morgen saß bei unserer Ankunft der Dicke (Oberst) schon mit Zigarette, Kaffee und der obligatorischen Abnehmpille im Frühstücksraum: „Das war einsame Spitze, der Spaß Gestern Abend, fast so gut wie der vor 20 Jahren auf meinem alten Segelflugplatz in Burg. Setzt euch hin, ich erzähle.!“ Und schon plapperte der Oberst in seinem Magdeburger Dialekt drauf los: „Ich hatte schon als Jugendlicher diese Figur, darum wurde ich damals schon Oberst genannt. Weil ich so dick war und mich so langsam bewegte. Grund genug für meine Kumpels, mich mal schneller zu sehen. Sie wammsten in die Holzbrille des Plumpsklos 2 Kupfernägel rein, tüterten 2 Drähte drum und befestigten die am Bandgenerator vom Sprengzubehör. Sie warteten, bis ich zu meinem Morgengeschäft Platz genommen hatte und kurbelten kräftig. Als der Strom meinen Hintern erreichte, sprang ich mit lautem Geschrei auf, riss dabei die Bretterbude um und stand im Freien.“ Wir konnten nicht mehr vor Lachen und hatten im Oberst doch das ideale Opfer für weitere Scherze gefunden.

Mein ganz persönlicher Beitrag für meine Leser:

Mehr Geld?!  spardocheinfach.online

kostet euch nichts und hilft den ganzen Alltagskram einfach zu optimieren. Da bleibt mehr Geld und vor allem mehr Zeit für die wirklich wichtigen Dinge im Leben. Schaut´s euch einfach an.
Holt euch die passenden Tarife!

Geschichte(n), die niemand braucht (41)


 

Das Personal einer Staffel wurde durch einen Stellenplan bestimmt. Drei Besatzungen bildeten eine Kette, eine Besatzung bestand aus einem ersten, dem zweiten Flugzeugführer und dem Flugzeugwart. Der erste Flugzeugführer unterschied sich vom zweiten durch seine Ausbildung zum Besatzungskommandanten, höhere Dienstbezüge, bessere Beförderungsmöglichkeiten im Dienstgrad, er durfte links sitzen und der Bestimmer sein. Jeder Zweite wollte natürlich gerne Erster werden, wenn aber keiner der ersten in den Stab befördert, weggelobt oder auf andere Art aus dem Stellenplan der Einheit verschwand, gab es keine freien Planstellen und damit keine Aufstiegschancen. Es blieb die Versetzung in eine der zwei Einheiten, die auch Annas hatten oder als Fluglehrer an die Offiziershochschule. Ich entschied mich für die letztere Möglichkeit, weil diese die größten Chancen auf mehr Wissen, mehr Fliegen und größere Herausforderungen bot.

Doch bis zu meiner Versetzung nach Kamenz, dem Grab meiner Jugend und Basis der Transportfliegerausbildung, sollte es noch etwas dauern und außerdem standen für unsere kleine Besatzung noch einige interessante Flugaufgaben an.

Als Neuling in Strausberg wird man immer erst 2 Monate beäugt, ob man Fisch oder Fleisch oder keins von beiden ist. Für viele war ich keins von beiden: parteilos, gute Leistungen und eigene Meinung – nicht einzuordnen der Mann. Diese Einarbeitungszeit hing mit dem Anfang des so genannten Ausbildungsjahres zusammen. Ende Oktober begann es, die Karten wurde neu gemischt. Wir Neuen bekamen unseren Besatzungskommandeur. Meiner hieß Hauptmann Timma, Spitznahme Seppl. Seppl befehligte schon mal eine Kette, bis zu dem Tag da er die Anna als Segelflugzeug benutzte. Ich bekam ihn frisch degradiert und stinke sauer. Die Erziehung, die er für sich als angemessen empfand, nahm er an mir vor. Ich hatte das schönste Flugvorbereitungsbuch, die sauberste Flugkarte und die genialsten Anflugschemata der gesamten Luftstreitkräfte, führte das politische Gespräch mit meinen Flugzeugwarten, war scharf auf jeden Einsatz und wurde mit meinem Kommandanten zweimal beste Besatzung im Ausbildungsjahr – mehr ging nicht. Wir sind umhergezogen mit unserer Anna, tage-, manchmal wochenlang, das Flugzeug, 2 Piloten, ein Wart und 3 Fahrräder, die im Rumpf bequem Platz hatten. Seppl kannte nahezu alle Schwimmbäder zwischen Thüringen und der Ostsee, das war sein Hobby. Geredet hat er nie mehr als notwendig. Aber es war auch mein Leben. Ich wollte die Scheidung und äußerte das auch. Ein Vorgesetzter hatte Verständnis für mein Ansinnen und man versetzte mich in Kette Nr. 3, zu Urmel. Den Beweis für mein Können brauchte ich nicht erneut antreten, wer von Seppl weg will kann nur ok sein.

Mein ganz persönlicher Beitrag für meine Leser:

Mehr Geld?!  spardocheinfach.online

kostet euch nichts und hilft den ganzen Alltagskram einfach zu optimieren. Da bleibt mehr Geld und vor allem mehr Zeit für die wirklich wichtigen Dinge im Leben. Schaut´s euch einfach an.
Holt euch die passenden Tarife!

Geschichte(n), die niemand braucht (40)


 

Überall in der sozialistischen Gesellschaft versuchten wirklich schlaue Menschen die Planwirtschaft zu verwirklichen. Also plante man im Stab der Staffel für die Flugaufgaben eines Jahres den Verbrauch von Kraft- und Schmierstoffen ein Jahr im Voraus und gab die Zahlen den Volkswirten bekannt. Die rechneten die Forderungen der gesamten Volkswirtschaft zusammen und bestellten bei der petrolchemischen Industrie, die ihrerseits bei den Leuten am Ende der Pipeline Bescheid sagten. Naja, ganz so einfach wird es nicht gewesen sein mit dem transferablen Rubel… jedenfalls wurde der Kraftstoff dann tatsächlich so geliefert, wie man den Verbrauch vorgesehen hatte. Er musste weg. Und die Schleppflugzeuge der Gesellschaft für Sport und Technik, die sich auch aus dem großen Tanker bedienten, verbrauchten auch nur einen verschwindend geringen Teil.

Nun gab es andere schlaue Menschen, die meinten, man könne durch bewusstes, kraftstoffsparendes Fliegen der Volkswirtschaft wertvolle Ressourcen zurückzugeben, damit es uns allen dadurch etwas besser ginge, weil ja mehr zum Verteilen da wäre.

Die Kunst der Führung einer Staffel bestand nun aber darin, dass man all das Geplante und auch das Unvorhergesehene sicherstellen musste und dabei noch die gesamte vorhergesehene Menge an Treib- und Schmierstoffen aufbrauchte, um im nächsten Planjahr nicht etwa mit weniger auskommen zu müssen. Sparsamer fliegen hieß also unterm Stich wirklich mehr fliegen. Das Planjahr bei den Streitkräften ging schon im Herbst zu Ende. Wollte man den Sprit mit absoluter Sicherheit vernichten, waren Rechnereien schon im Sommer angesagt. Die vielen schönen Sommertage und -nächte durften nicht ungenutzt verstreichen. Also schauten die Stabsoffiziere in die Tankbücher, stellten den Überbestand fest und ordneten Aufgaben an: lange Flüge mit viel Verbrauch. 50 Meter Flughöhe, 200 km/h und 5 Stunden Flugzeit gleich 1200 Liter Kraftstoff weniger, so einfach war das. Der Sternmotor gurgelte das niedrigoktanige, hoch bleihaltige, viel zu fette Gemisch klaglos durch seinen riesigen Hubraum in Richtung Auspuff. Da für einen Großteil des Kraftstoffes kein Sauerstoff mehr im Gemisch war, verdampfte dieser Teil bei der Verbrennung, entzog dem Prozess Wärme und hielt die Zylinderkopftemperatur niedrig. Um uns selber in der Navigation zu trainieren, meldeten wir Flüge in uns weniger bekannte Gebiete unserer kleinen Republik an und flogen in Formation. Dafür brauchte man nur eine Freigabe, da der Verband für die Flugüberwachung ja auch nur ein Ziel darstelle. Der Effekt: drei Mal 1200 Liter verbrannt. Zeitweise waren wir so gut im Training, dass wir eine halbe Spannweite vom anderen entfernt, stundenlang wie angenagelt auf derselben Position steuern konnten.

Drei Flugzeuge bilden eine Kette; Kettenkeil: einer vorn, je einer links und rechts hinten. Oberstleutnant Rudi Kahl führte an einem wettermäßig durchwachsenen Frühlingstag eine solche Formation. Raini und Elmo links hinten und Urmel mit meiner Wenigkeit rechts hinten. Der Weg unseres Führenden, mit 6000 Flugstunden auf der Anna der erfahrenste AN-2 Pilot, der die großen russischen Röhrenverstärker der Bordsprechanlage immer voll aufregelte, weil er fast taub war, verlief direkt durch eine Nebelbank. „Dicht zusammenbleiben!“, kommandierte er per Funk. Wolfgang und ich sahen nur noch schemenhaft das führende Flugzeug, die linke Position war völlig im Grau des Nebels verschwunden. Wolfgang stierte durch das Grau auf die Tragfläche, ich beobachtete den künstlichen Horizont. Die Minuten kamen uns vor wie Stunden, bis es von oben langsam heller wurde, die linke Position wieder sichtbar wurde und der ganze Spuk vorbei war. Beide Geführte funkten bissige Bemerkungen zum Führenden, die mit lautem „He?!“ quittiert wurden, was so viel wie nicht verstanden hieß. Mit Erreichen des fünfzigsten Lebensjahres hat er planmäßig seinen Dienst quittiert und irgendeinen Schreibtischjob im Ministerium angenommen. Motsen Meier hat seinen Posten dann übernommen. Damit waren wir sechs Piloten unter 30 Lebensjahren mit insgesamt über 6000 Flugstunden.

Mein ganz persönlicher Beitrag für meine Leser:

Mehr Geld?!  spardocheinfach.online

kostet euch nichts und hilft den ganzen Alltagskram einfach zu optimieren. Da bleibt mehr Geld und vor allem mehr Zeit für die wirklich wichtigen Dinge im Leben. Schaut´s euch einfach an.
Holt euch die passenden Tarife!

Geschichte(n), die niemand braucht (39)


 

In Trollenhagen, dem nord-östlich von Neubrandenburg gelegenem Fliegerhorst, angekommen, erwartete uns schon ein LKW Typ W-50. Unter seiner grünen Plane verschwanden wir auf der Ladefläche, die mit vier Bänken versehen war. Die hinter Plane wurde mit Riemchen am Planengestell befestigt und gab so rückwärts die Sicht auf Straße, Stadt und Landschaft frei.

Die Seenotrettungsausbildungsbasis bestand aus 3 großen Standard-NVA-Baumwollstoffzelten, die sich eng an die Laubbäume des schmalen Ufers schmiegten, einem Steg, daran angelegt ein außenbordgetriebenes Schlauchboot und ein fünf Meter hoher Turm, von dem aus ein Stahlseil nach ca. 30 Metern ins Wasser führte. Auf dem Seil lief eine Rolle und darunter hing das Gurtsystem eines Rettungsfallschirmes. Legte man es an, war es wie ein Sitz. Sinn des Trainingsgerätes war der Ausstieg aus dem Gurt eines Fallschirmes vor dem Aufsetzen auf dem Wasser. Tat man das nicht, konnte einen Wind und Schirm kilometerweit übers Wasser zerren. War man ermüdet oder verletzt, bestand dabei die Gefahr des Untertauchens und Ertrinkens. Als Vorbeugung wurde diese Phase trainiert: in fünf Meter Höhe anschnallen, Rolle los, das Wasser kommt näher, linke Hand ergreift den rechten Hauptgurt, rechte Hand öffnet das Zentralschloss, in einem Meter Höhe loslassen und ins Wasser springen. Dann schwimmen zur Rettungsinsel und Reinklettern. Im Prinzip ist eine Rettungsinsel eine Art überdachtes Schlauchboot mit dem Nötigsten um ein paar Tage zu überleben. Entsprechen dick sind die luftgefüllten Wülste, die man beim Einsteigen überwinden muss. Zusätzlich kann man den Boden der Insel mit Luft füllen um so die Tragfähigkeit zu erhöhen. Ist erst ein in Seenot geratener an Bord und der Boden schon aufgepumpt, wurde das ganze instabil und neigte zur Drehung um 180 Grad. Dies Übung war heute dran. Ich habe es überlebt weil ein Fliegerkamerad mich am Schopf gepackt und aus dem Wasser gezerrt hat – auch Teil dieser Übung.

Teil zwei der vorbereitenden Aufgaben war der Schlepp im Gurt hinter dem Schlauchboot. Dabei wurde die Drehung auf den Rücken und der Ausstieg aus dem Schirm trainiert. Zur Belohnung durfte man dann noch ein Rotfeuer abfackeln, welches dann den Rettungshubschrauber Mi 8 anlockte. Der Unteroffizier an der Tür bediente die Winde und dirigierte die Piloten. War der riesige Hubschrauber über einen, bestand die Luft nur noch aus Wind und Wassertröpfchen. Dazwischen kam dann die Schlaufe vorn am Seil herab: erfassen, um den Rücken schlingen und die Arme hängen lassen. Der Hubschrauberpilot zieht an, die Höhe wächst, die Winde arbeitet, ich hänge am Ausleger und kann den Techniker im Inneren des Hubschraubers sehen, er erfasst die Schlaufe und schwenkt mich am Ausleger herein. Ich sitze auf dem Boden des Helis und bin fasziniert von den Vibrationen der riesigen Rotorblätter und dem ohrenbetäubenden Kreischen der beiden Turbinen. Russische Gewalt. Ich bin froh, dass ich da wieder rausspringen darf, auch wenn´s ins kalte Wasser ist.

Der Wind frischt auf, der Hubi dreht ab und wir dürfen nicht mit dem Schirm rausspringen. Wir heizen den Kanonenofen im Zelt an, vertilgen unsere diesmal nicht abgeworfenen Verpflegungsbeutel dazu ein Bier, das der Fahrer in der Zwischenzeit aus irgendeinem Dorfkonsum besorgt hat. Abends geht der Flieger zurück nach Berlin, ein schöner Tag geht zu Ende.

Mein ganz persönlicher Beitrag für meine Leser:

Mehr Geld?!  spardocheinfach.online

kostet euch nichts und hilft den ganzen Alltagskram einfach zu optimieren. Da bleibt mehr Geld und vor allem mehr Zeit für die wirklich wichtigen Dinge im Leben. Schaut´s euch einfach an.
Holt euch die passenden Tarife!

Geschichte(n), die niemand braucht (38)


 

Nochmal ein kleines Vorwort in eigener Sache: Geschichten und Namen sind frei erfunden. Alles kann so passiert sein, muss aber nicht.
Ich freue mich über jeden, der sich unterhalten fühlt und vielleicht etwas nachdenklich wird. Aber ich freue mich auch über sachliche Kritik, möchte jedoch nicht in endlose Diskussionen über vergangene Zeiten verstrickt werden. Dazu ist mir meine Zeit zu schade, denn schließlich möchte ich mir ja weiter Geschichten ausdenken. Also, wer es nicht mag, der sollte es einfach wegklicken und fertig!

Jede Transportfliegerstaffel hatte auch ihren eigenen Fallschirmrettungsdienst. Am Standort Stausberg waren das ein Berufsunteroffizier und zwei Unteroffiziere auf Zeit. Die drei warteten und packten die Rettungs- und Übungsfallschirme der Staffel. Für jedes Flugzeug waren das 2 Sitzfallschirme für die Piloten, einen für den Mechaniker oder Sprunglehrer und eine stattliche Anzahl von Rundkappen- und Rechteckschirmen für Trainingssprünge.

Da wir häufig mit Berufsfallschirmspringern arbeiteten, machte es zunächst Lust und wurde später zum Bedürfnis, selbst zu springen, um wenigstens ein Stückchen dieses rauschähnlichen Gefühls zu bekommen, das über die Gesichter der Profis huschte, wenn sie aus der Anna sprangen. Jeder von uns hat gerne hinten im Bauch des Doppeldeckers an der offenen Tür gestanden, den Sitzfallschirm in den Kniekehlen hängend, um den Springern nachzuschauen, die sich zuerst auf den Rücken drehten um dem Flieger zuzuwinken. Lange nach dem letzten zog man die flatternden Aufzugsleinen der Anfänger herein und schloss die Tür. Erst dann wusste der Erste Flugzeugführer, dass sein Zweiter nicht aus lauter Lust hinterhergesprungen ist.

Jede Woche trafen sich die Sprungwilligen mit Zeit dafür auf dem Strausberger Flugplatz und der Oberfeldwebel Breisprecher verteilte Schirme und mündliche Sprungaufträge. Ab und zu verstauchte sich jemand mal irgendeine Extremität und unser regelmäßiger Sprungbetrieb wurde für einige Wochen durch Verbot unterbrochen, um dann mit Rekordbeteiligung und doppelt so vielen Sprüngen wieder aufgenommen zu werden.

Einsteigen Genossen Offiziere! Quelle: http://home.snafu.de

Der Fallschirmrettungsdienst organisierte auch die Seenotrettung. Man unterschied dabei zwischen Retten und gerettet werden. Unsere Aufgaben beim Retten beschränkten sich dabei auf das Auffinden des Notsenders und das punktgenaue Abwerfen der Rettungsinsel. Bei guter Sicht erfolgte der Abwurf aus 10 Meter Höhe über dem Dorfteich eines der Nachbardörfer des Flugplatzes. Unsere Jungs vom Fallschirmrettungsdienst hatten die nicht ganz den Dienstvorschriften entsprechende, aber äußerst zweckmäßige Anzugsordnung Badehose, Schwimmweste und Motorradhelm gewählt und waren mit zwei Schlauchboten aus dem Fundus der Jagdfliegerkräfte auf die Mitte der Tümpels gepaddelt. Dort stellten sie ein Häuflein aus der Seenot zu rettender Menschen dar und piepten mit ihrem Notsender auf der Übungsfrequenz herum. War man entsprechend nahe, konnte der zu rettende seinen Notsender mittels eines Schalters auf Sprache umschalten und mit der Besatzung in Funkkontakt treten. So konnte das letzte Stück der Ananäherung akustisch und optisch beobachtet und verbal abgesprochen werden. Die Flugzeugbesatzungen hatten vom Küchenbullen 3 handelübliche Kunststoffbeutel mit je einem Liter homogenisierter Milch bekommen. Dieser nur aus einfacher Polyäthylenfolie bestehende Milchbeutel wurde aus der offenen Tür des Flugzeuges Richtung Schlauchboot geschleudert. Da das milchhaltige Geschoß mit satten 180 Stundenkilometer auftraf, zerplatze der Folienmantel und gab die 3,6 prozentige Milch frei. Weiße Flecken im Wasser oder derbe Flüche im Funk signalisierten die Treffergenauigkeit. Springerhelme und Schwimmwesten schützten unsere Wassermannschaft vor Verletzungen.

Der zweite Teil der Seenotrettungsausbildung bestand im selber gerettet werden. Spielplatz dafür: die Seenotrettungsausbildungsbasis der Luftstreitkräfte/Luftverteidigung am Ostufer des Tollensesees bei Neubrandenburg. Von Strausberg flog man standesgemäß mit einer AN-2 nach Trollenhagen. Die Besatzung und 10 weitere Piloten auf den hintern Sitzen. Der Unsinn war natürlich vorprogrammiert, es fragte sich nur wie. Diesmal hatte ich mir eine Schwerpunktverlagerung während des Fluges ausgedacht: die AN 2 besitzt ein Schott zu hinteren Teil des Rumpfes. Im Schott integriert ist eine winzige Tür. Durchschreitet man diese, gelangt man linker Hand zu der Bordtoilette, einem iimerartigen Gebilde mit Klobrille. Geradeaus führt ein schmaler Laufsteg Richtung Seitenleitwerk zu den Bordakkus. Der Rumpf wird nach hinten immer schmaler, doch man kann eigentlich noch halbwegs vernünftig stehen und sich mit den Händen an den Metallspanten abstützen. Einer nach dem anderen verschwand also ganz langsam Richtung Toilette, um sich dann auf dem Laufsteg zu platzieren. Wir achteten darauf, dass die beiden Piloten nicht nach hinten schauten und das Flugzeug immer schön mit den elektrischen Antrieben austrimmten. Irgendwann war das Trimmruder am Höhenruder gegen seinen Anschlag gefahren und der Pilot musste nun drücken um nicht zu steigen. Wir schlossen die hintere Tür bis auf einen Spalt, durch den alle das Cockpit sehen konnten. Da irgendetwas anders als sonst war, blickten die Piloten nach hinten und sahen niemanden. Alle weg! Erster Flugzeugführer: „Verflucht noch mal, was soll denn das?“ Im nächsten Augenblick rannten alle vor zum Cockpit. Die beiden Piloten zogen jetzt mit all ihrer Kraft, jeder an seiner Steuersäule, weil durch das nach vorn verlagerte Gewicht die Anna dem Erdboden entgegenstürzte. Schallendes Gelächter drang durch die dicken Polster unter die Kopfhörer der Piloten. Einer der Spaßvögel beschloss das Ende des Spaßes und damit auch des Sturzfluges, indem er den Trimmer des Höhenruders wieder in normale Bereiche fuhr. Erster Flugzeugführer: „Ihr setzt euch sofort hin und schnallt euch an, aber alle!“

Mehr Geld?!  spardocheinfach.online

kostet euch nichts und hilft den ganzen Alltagskram einfach zu optimieren. Da bleibt mehr Geld und vor allem mehr Zeit für die wirklich wichtigen Dinge im Leben. Schaut´s euch einfach an.
Holt euch die passenden Tarife!

Geschichte(n), die niemand braucht (37)


 

Um den Leistungsstand seiner Mannen aus nächster Nähe selber zu erkunden, veranstaltete die Staffel sogenannte Kommandeursflugtage, an denen der Alte höchstpersönlich teilnahm.

Hauptsächlich wurde dann nachts geflogen, da die Flugzeuge ja andere Aufgaben erfüllten. Als Jahreszeit wählte man den Sommer: die Nächte waren warm und kurz und die Stammkneipe am anderen Ende des Flugplatzes hatte auch noch nach unserer Flugschicht, um vier Uhr früh, kaltes Bier und warmes Essen. Die Strecken zur Kneipe und zu jedem Piloten nach Hause fuhr der staffeleigene Bus mit den gelbgetönten Dachscheiben – ein Hauch kaiserlicher Aeroclub!
Der Küchenbulle (Jargon für den Verpflegungsoffizier der Staffel) des Fliegertechnischen Bataillons, war während der Schicht persönlich anwesend und teilte Essenbeutel, die sogenannte Bordverpflegung aus. Der Inhalt bestand aus einer Brühpolnischen (Wurst), einem gekochten Ei, Apfel oder Banane und einem doppelten (Konsum-) Brötchen. Das Obst wurde gegessen und der Rest über der Volksrepublik Polen abgeschmißen. Teils aus Jux, teils aus einem Gemisch irgendwo zwischen Mitleid, Nichtwissen um und Nichtverstehen der politischen Entwicklung (Solidarnosc) bei unseren Nachbarn. Rausschmeißen ging bei der Anna ganz einfach: Schiebefenster auf und weg damit. Aufpassen, dass die Flugkarte keinen Abgang macht und der Solidarnosc in die Hände fällt…

Klappsitze hoch und man konnte auf dem Korkboden schlafen

Spannend und sehnsüchtig erwartete die gesamte Staffel jedes Jahr die Flugtaktische Übung. Teilnahme aller war Pflicht. Luft- und Bodentruppen der VS-14 flogen bzw. fuhren dann drei Tage aus. Die fliegenden Besatzungen hielten sich fast ununterbrochen in der Luft auf. Wir durchpflügten das Luftmeer über unserer kleinen Republik in 50 Meter Flughöhe, das sonore Summen unseres 1000 PS Sternmotors vor den Nasen. Geschlafen wurde in den Unterkünften von GST-Flugplätzen unterwegs. Wir jungen Offiziere mussten Bier mit Wassereimern aus der nächsten Kneipe herbeischleppen und dann wurde getagt und alte Kamellen aufgewärmt. Vom kleinen Leutnant bis zum Kommandeur teilten sich alle die stickigen Schlafräume mit den doppelstöckigen, durchgelegenen Betten der Sommerunterkünfte der Gesellschaft für Sport und Technik.

Unausgeschlafen kratzten wir uns dann früh die Barthaare aus dem Gesicht und betraten das mit einem weißen Fallschirm ausgekleidete Speisezelt, welches der Küchenbulle nachts hatte aufstellen lassen. Kaffee und ein kräftiges Frühstück weckten die Lebensgeister und machte neugierig auf die Tagesaufgabe.

Arbeiten an der Z-43 im Hangar von Strausberg, Quelle: http://home.snafu.de

Unser Zauberer in der schwarzen Uniform des technischen Personals wechselten einmal ein Triebwerk an der Antonov 2 auf einem Feldflugplatz ohne Gebäude, Strom, Wasser. Eine technische und logistische Meisterleistung. Unsere Flugstrecken planten wir dann so, dass wir mehrmals täglich bei unseren Technikern vorbeiflogen, um sie anzuspornen. Einen Neunzylinder Stern von all seinen Aggregaten zu trennen, mit Winden in eine Kiste zu hieven und den neuen anschließend zu montieren, zu testen und damit wegzufliegen, hatte in der Republik auch noch keiner gemacht. Zwei leidenschaftliche technische Offiziere und eine handvoll Unteroffiziere brachten das zu Wege. Es war übrigens kein Triebwerksausfall, sondern ein turnusmäßiger Wechsel nach Ablauf der Laufzeit bis zur Überholung.

 

Mehr Geld?!  spardocheinfach.online

kostet euch nichts und hilft den ganzen Alltagskram einfach zu optimieren. Da bleibt mehr Geld und vor allem mehr Zeit für die wirklich wichtigen Dinge im Leben. Schaut´s euch einfach an.
Holt euch die passenden Tarife!

Geschichte(n), die niemand braucht (36)


 

Meine Liebe zum Segelflug wird mich bis zum letzten Atemzug begleiten. Wer einmal richtig segelgeflogen ist, den lässt es nicht mehr los. Es ist wie eine Sucht: die Segelflug-Sucht. Piloten, die den Segelflug nie richtig erlernt bzw. erlebt haben, und davon kenne ich eine Menge, lassen irgendwann die Finger davon, setzen sich in ein Ultraleicht, einen Motorsegler oder eine Cessna und werden so glücklich. Wer es jedoch geschafft hat, so sehr mit dem Segelflugzeug eins zu werden, dass er es als Bestandteil seines Körpers regelrecht fühlt und mit den weißen Schwingen hinein in die Natur lauscht, die Auf- und Abwinde, den Wind die Wolken spürt und versteht, der wird Segelfliegen nie wieder sein lassen können. So geht es mir. Darum renne ich, kaum in meiner neuen Einheit angekommen zum Kommandeur und verlange seine Zustimmung zu meiner Leidenschaft. Die brauche ich um bei den Strausberger Segelfliegern mitzumischen. Bis ich an meinem Dienstort wirklich das erste Mal in einem Segelflugzeug sitzen durfte, sollte noch gut ein Jahr vergehen, denn ich war ja kaderbestätigt für den Bezirk Suhl und nicht für den Bezirk Frankfurt/Oder. An meinem Kommandeur lag es nicht. Aber ich durfte schon mal mitmachen: Segelflugzeuge reparieren, mobile Halle aufbauen, Flugbetrieb organisieren und am Schleppflugzeug schrauben.

Segelflugzeuge auf dem Militärflugplatz Strausberg, im Hintergrund die Funkmessstation

Ich schaute also zu wie „Zivilisten“ mit dem Segelflugzeug flogen, an einem Ort, für den ich einen Dienstausweis hatte. Hatten die Angst, dass ich nach Westberlin flüchtete?

Mein ganz persönlicher Beitrag für meine Leser:

Mehr Geld?!  spardocheinfach.online

kostet euch nichts und hilft den ganzen Alltagskram einfach zu optimieren. Da bleibt mehr Geld und vor allem mehr Zeit für die wirklich wichtigen Dinge im Leben. Schaut´s euch einfach an.
Holt euch die passenden Tarife!

Geschichte(n), die niemand braucht (35)


 

Die Strenge des Kommandeurs, Oberstleutnant Zorn, liebevoll der Zornochse, wegen seiner Sturheit und dem Gegenteil von Entschlussfreudigkeit, genannt, und der anderen Vorgesetzten waren den Belangen der Dienststelle Strausberg perfekt angepasst und im Nachhinein betrachtet, brillant gespielt. Hatte jeder seine Rolle so dicht an den Zentren der Macht verstanden, galt es nicht aufzufallen und seinen Job zu tun. Ging das dann doch mal schief, wurde mit strenger Miene, vor versammelter Mannschaft bestraft und das Leben ging weiter. Das hat auch mich mal genauso getroffen. Irgendeines windigen Tages wurde ich als zweiter Flugzeugführer auf dem Bienchen (AN-14) eingesetzt. „Du sollst nur navigieren!“, sagt Hauptmann Organiskus (Oku), der die Rolle des ersten Flugzeugführers übernahm. Oku, ein ewiger Junggeselle, dem sein Freund Lothar die Jette, einzige Frau im Ledigenwohnheim zu der Zeit, weggeschnappt hatte und der ewig an seinem Haus irgendwo in der Nähe von Leipzig rumbastelte, erklärte mir kurz den technischen Aspekt der Aufgabe.

Antonov AN-14 („Bienchen“) im Dienste der VS-14, Quelle: http://home.snafu.de

Da stand es, das Bienchen: den kurzen, gedrungenen Rumpf und bestiegen wir durch eine Klappe am Heck. Vor dem doppelten Seitenleitwerk hingen links und rechts je ein neunzylindriger Sternmotor. Der M14 Ableger entwickelte um die 300 PS und wurde mit Druckluft gestartet. Die Luft übernahm die Rolle der explodierenden Gase und drückte die Kolben hinter dem oberen Todpunkt nach unten. Hatte man gut eingespritzt und von Hand durchgedreht, zündete sofort einer der Zylinder und der Stern war bereit, sein Eigenleben zu entfalten. Lief der linke, so drückte dessen Kompressor wieder neue Luft in das Anlasssystem und der rechte konnte gestartet werden. Die Heizung des Vogels funktionierte nicht besonders, unser Passagier wusste das und saß im Wintermantel auf einem der Sitze in der kleinen Gastkabine. Irgendein Stabsheini, knurrte Oku, mach die Cockpittür zu, den lassen wir frieren.

Es ging heute nach Drewitz, einem Flugplatz nahe der Grenze zur Volksrepublik Polen. Das Landesystem, so nannten wir ein großes Rechteck über Grund, dass sich an 2 Funkfeuern ausrichtete, führte teilweise über polnisches Hoheitsgebiet. Das war normal und erlaubt. Nicht erlaubt war der Einflug in polnisches Gebiet östlich Frankfurt Oder, den wir auf dem Rückweg zurecht franzten. Wir wussten, das Funkfeuer von Drehwitz hatte nach Norden riesige Abweichungen und meldeten Protest über die Freigabe an, die da lautete: Abflug Drehwitz mit 2500 m nach Standarddruck bis Frankfurt Oder, dann direkt nach Strausberg. Unser Hinweis auf die ungenaue Navigationsausrüstung wurde abgeschmettert und es ging los. Der Meteorologe sprach von Westwind oberhalb 2000 m von 100 Km/h und mehr. Also hielten wir die Nase ordentlich in den Wind, flogen nach künstlichem Horizont und waren 30 Minuten auf 320 Grad und 60 Minuten auf 270 Grad, obwohl die Streckenabschnitte die gleiche Länge hatten. Das Ganze endete mit einem Antreten vor dem Flugzeug, Meldung durch Oku an unseren Passagier und einem kräftigen Anschiss durch selbigen. Natürlich hat er die Unregelmäßigkeit weitergemeldet, wir auch und so stellte sich der Dicke (unser Staffelsteuermann) schützend vor seine Jungs: „Mit der vorhandenen Navigationsausrüstung geht es nicht besser!“ Die Sache war vom Tisch.

Mein ganz persönlicher Beitrag für meine Leser:

Mehr Geld?!  spardocheinfach.online

kostet euch nichts und hilft den ganzen Alltagskram einfach zu optimieren. Da bleibt mehr Geld und vor allem mehr Zeit für die wirklich wichtigen Dinge im Leben. Schaut´s euch einfach an.
Holt euch die passenden Tarife!

Geschichte(n), die niemand braucht (34)


 

Strausberg,
Sitz des Ministeriums für nationale Verteidigung der Deutschen Demokratischen Republik, hatte natürlich einen eigenen Flugplatz mit einer Verbindungsfliegerstaffel, die den Namen „VS-14“ trug. Das sollte für die nächsten Jahre meine fliegerische Heimat werden. Von hier aus konnten die Militärs der Stäbe kraft ihrer Wassersuppe zu den ihnen unterstellten Einheiten fliegen und am gleichen Tag zurückkommen. Die Staffel war quasi eine Art Lufttaxiunternehmen. Je nach Bedarf wurden viersitzige Flugzeuge für einfache Wetterbedingungen (ZLIN-43), schwierige Wetterbedingungen (AN-14, Bienchen), die zehnsitzige Allwetter-AN-2 oder die schnellere zweimotorige L-410 vorgehalten.

Zlin Z-43 („Z“) im Diest der VS-14, Quelle: http://home.snafu.de 
Antonov AN-2 („Anna“) im Dienste der VS-14, Quelle: http://home.snafu.de
Antonov AN-14 („Bienchen“) im Dienste der VS-14, Quelle: http://home.snafu.de
LET L-410 („L“) im Dienst der VS-14, Quelle: http://home.snafu.de

Eine Besatzung hielt sich rund um die Uhr am Flugplatz auf und war immer bereit, unter allen Wetterbedingungen und innerhalb von 10 Minuten zu starten, vorausgesetzt, dass man irgendwo sinnvoller Weise auch wieder landen konnte. Dieser Dienst wurde „Einsatzbesatzung“ genannt, dauerte 24, am Wochenende 48 Stunden und fügte sich als Teil in das Systems für Such- und Rettungsdienst über dem Territorium der DDR ein. Die Antonovs der Staffel konnten mit ihrer Bordausrüstung Sender auf der Notfrequenz 121,5 MHz anpeilen und den Standort bestimmen. Für die schnelle Versorgung der in Not geratenen trainierte die Staffel regelmäßig den exakten Abwurf von Hilfspaketen.

Für den Flugzeugtyp AN-2 gab es im Laufe seiner langen Geschichte in den bewaffneten Organen der DDR (seit 1949) verschiedene Einsatzvarianten. Eine davon bestand im Absprühen von Absprühen von Flüssigkeiten oder Aerosolen. Die dazu notwendige Anlage war einfach zu montieren und eine davon im Besitz der VS-14. Der nach unten trichterförmige Behälter fasste 1200 Liter, stand auf der linken Seite im Rumpf und die Besatzung schob sich Richtung Cockpit mit dem Oberkörper quer zur Flugrichtung an ihm vorbei.  Ein Flügelrad mit Pumpe wurde unter dem Rumpf hinter dem Ölkühler angeschraubt und die Sprühdüsen hingen mit der Leitung an Beschlägen unter der unteren Tragfläche. Im Flug löste dr Copilot mittels Hebel an der Mittelkonsole die Bremse des Flügelrades, der Fahrtwind versetzte selbiges in Bewegung und die Pumpe baute Druck auf, welcher den Inhalt des Behälters Richtung Düsen beförderte. Die „Landwirtschaftsvariante“ diente der NVA zur Imitation der chemischen Kriegsführung. Unser Chemiemaupel (Chemischer Offizier) mischte für jeden Einsatz ein Gebräu aus Wasser und roter Textilfarbe, das so mancher Soldat auf seine Uniform bekommen hat.

Eine andere große Aufgabe dieser Staffel  bestand in der Sicherstellung verschiedener Aufgaben des Ministeriums für Staatssicherheit. Zum einen waren das Flüge zur Fallschirmsprungausbildung mit sogenannten Aufklärern. Bei den Sprungschülern handelte es sich um richtig bieder anmutende Leute aus dem ganz normalen Leben, denen keiner ansah, was sie in Wahrheit für Qualifikationslehrgänge besuchten. Die Wirklichkeit bestand hier  auf der Fallschirmsprungbasis  des Genossen Erich Mielke (Ich liebe euch doch alle!) aus einer Agentenausbildung alla James Bond. Ich habe Frauen im Minirock unter der Sprungkombi mit einem Kinderwagen voll mit Maschinenpistolen und Handgranaten aus der Anna springen sehen…

Zum anderen flogen wir Absetzflüge für die Fallschirmsprungnationalmannschaft der DDR inklusive deren Nachwuchskader, die fast ausschließlich aus Mitgliedern der Sport Club Dynamo Hoppegarten bestand. Wo in der DDR Dynamo drauf stand war Staatssicherheit drin.

Dann gab es noch die Fernaukflärer der Landstreitkräfte, die ebenfalls die Rote Jahne zum Training nutzten.

Die Basis für beide Aktivitäten befand sich auf dem Flugplatz Rote Jahne, nordöstlich von Eilenburg. Dorthin kommandierte die Staffel jeweils für zwei Wochen ein oder zwei Annas mit Flugzeugführern und Technikern.

Zuweilen arbeiteten wir auch mit der Elitetruppe unter den Fallschirmjägern: die persönliche Palastwache von Armeegeneral Heinz Hoffmann. Die Jungs sprangen aus 70 Metern über Grund aus der Anna und landeten mit dem Entfaltungsstoss ihres Fallschirms.

Ein durchschnittlicher Flugzeugführer dieser Staffel flog um die 50 Flugstunden jeden Monat. Als junger Leutnant in der Staffel angekommen, lernte ich drei Genossen so um das fünfzigste Lebensjahr kennen, die 5000, 7000 und 10000 Flugstunden AN-2 hinter sich hatten. Unglaublich!

Später, als ich schon nicht mehr in Strausberg Dienst tat, empfand ich im Nachhinein das Leben dort als sehr beschaulich. Es hatte noch irgendwie was vom kaiserlichen Aeroclub Strausberg. Dort, wo schon das exerzierende Preußen an der Übertragung dieser Bewegungsart auf die Luftfahrt das erste Mal scheiterte, hatte auch die preußische Armee sozialistischen Typus kaum eine Chance. Die Flieger von Strausberg waren ein sonderbares, verschworenes Völkchen. Man hatte herrliche Seen direkt vor der Haustüre, mit der S-Bahn war man in weniger als 30 Minuten mitten in Berlin. Flogen in wir des Nachts und hatten Übungen in Platznähe zu absolvieren, sahen wir die das unendliche Lichtermeer dieser riesigen, geteilten Stadt vor uns ausgebreitet.

Mein ganz persönlicher Beitrag für meine Leser:

Mehr Geld?!  spardocheinfach.online

kostet euch nichts und hilft den ganzen Alltagskram einfach zu optimieren. Da bleibt mehr Geld und vor allem mehr Zeit für die wirklich wichtigen Dinge im Leben. Schaut´s euch einfach an.
Holt euch die passenden Tarife!

Geschichte(n), die niemand braucht (33)


 

Nach langer Zeit gibt es mal wieder was vom Flugschreiber zu lesen. Ich war viel mit dem Dienstflugzeug als Co quer durch Europa unterwegs, aber weder der Captain noch der Dienstherr wollen darüber im www lesen. Darum geht es, wie gewohnt, mit den alten Geschichten weiter.
Parallel dazu entstand in den letzten Monaten ein Kochbuch, dass es aber nicht elektronisch, sondern ausschließlich  in robuster, küchentauglicher Form geben wird. Darauf könnt ihr euch freuen!
Dann habe ich ein Projekt begonnen, dass die finanzielle Belastung meiner Familie enorm gesenkt hat. Dabei habe ich soviel Sparpotential gefunden, dass ich euch das nicht vorenthalten will und die besten Vergleichsrechner für alles mögliche auf eine meiner Seiten zusammengefasst habe:

SPAR DOCH EINFACH bzw. spardocheinfach.online

kostet euch nichts und hilft den ganzen Alltagskram einfach zu optimieren. Da bleibt mehr Geld und vor allem mehr Zeit für die wirklich wichtigen Dinge im Leben. Schaut´s euch einfach an.

Und nun weiter im Text:

Der Urlaub mit Segelfliegern, die zwei Wochen zum Bootfahren gingen, wird mir für immer in Erinnerung bleiben. Jetzt, viele Jahre und eine Republik später, denke ich, dass diese Erlebnisse, Gespräche und Gefühle charakterbildend für mich waren. Nach drei Jahren Gehirnwäsche an der Offiziershochschule der LSK/LV Franz Mehring in Bautzen und Kamenz unter normalen Menschen zu sein, tat einfach so so sehr gut. Meine neuen Urlaubsbekanntschaften waren alles Segelflieger vom Flugplatz Alkersleben. Wie bei allen Flugsportgruppen (Grundorganisationen) hatten auch die Alkerslebener herbe Einschnitte durch den Militärputsch hinnehmen müssen. Segelflieger, die einfach nur Verwandte im anderen Teil Deutschlands hatten, galten in den Augen der Ex-Generäle und neuen Chefs der Gesellschaft für Sport und Technik (GST) als unzuverlässige Personen, weil man damit rechnen musste, dass sie über kurz oder lang die Republik (mit dem Segelflugzeug) verlassen würden. Ohne Begründung versagte man tausenden den Zugang zu Flugplätzen und machte etwa die Hälfte der Gelände einfach dicht. Das verbliebene Personal sollte die gestraffte vormilitärische Ausbildung im Segelflug stemmen. Zu wesentlichen Inhalten gehörten nun auch Marschieren, Sturmbahn (wurden neu errichtet) und Schießen. Und ja, geflogen wurde auch noch, aber mehr so Flugexerzieren in Platzrunde und Zone. Übungen, die geradewegs ins Cockpit von Militärmaschinen führten. Gleichschaltung, Überwachung, Uniformen, Haarschnitt, Rasur, Stiefelputz, Gehorsamkeit, den eigenen Willen brechen, Kanonenfutter für die wahnwitzige Idee eines möglichen militärischen Sieges über den Imperialismus. Das fanden die ehrenamtlichen Ausbilder dann nicht mehr witzig und fuhren einfach zusammen in den Urlaub, während der Bezirkschef für fliegerische Ausbildung mit den Berufsoffiziersbewerbern der fliegerischen Laufbahnausbildung in Alkersleben auf dem Flugplatz warteten. Sie hatten ihn gewarnt.
Meine neuen Freunde hatten sich bei der Böötchensparte der GST mit Segelschiffchen eingedeckt und sogar Erlaubnisscheine dafür erworben (natürlich nicht für Ostseeküste und offene Gewässer… weil Fluchtgefahr). Und so widmeten wir uns auf dem schönen Rätzsee in Mecklenburg (damals noch ohne Vorpommern) dem nautischen Handwerk: Wende, Halse, Kentern, Schleusen… alles dabei.

Ein paar Erinnerungsfotos aus dieser Zeit!

Mehr Geld?!  spardocheinfach.online

kostet euch nichts und hilft den ganzen Alltagskram einfach zu optimieren. Da bleibt mehr Geld und vor allem mehr Zeit für die wirklich wichtigen Dinge im Leben. Schaut´s euch einfach an.
Holt euch die passenden Tarife!

Geschichte(n), die niemand braucht (32)

 

Heute berichte ich über einen wirklich schönen Flieger den ich mir gerne gekauft hätte, wenn ich nicht schon von Flugzeugen umzingelt wäre…
Sie ist also noch zu haben:  die RF3
Jupp und ich sind gestern nach Saint-Avold in der Nähe von Saarbrücken geflogen und haben uns das Schätzchen angeschaut.
Zugegeben, ein Vögelchen aus dem letzten Jahrtausend, aber die Schönheit,  Power und 8 Liter pro Stunde Verbrauch sprechen für sich.
Die F-CMTE ist eine etwas aufgebohrte Version: Treibstoff für 880 km und 1,4 l Hubraum machen den Unterschied.

Geschichte(n), die niemand braucht (31)


 

Mit dem Gefühl, dass man mich reingelegt hat, schlendere ich über den Flugplatz zum Segelflug. Meine Kameraden sind alle Militärs, bei denen kann ich mich unmöglich ausheulen, wieder reingefallen. Das sind abgebrühte Leute, denke ich und fange mit den Bieren an. Das Leben geht weiter. Für Marxismus-Leninismus lerne ich nicht mehr. Für dir Armee reicht ein gut oder ein befriedigend. Mein Prüfungsthema ist die politische Schulung von Soldaten und Unteroffizieren. Da muss ich gefehlt haben, denke ich. Und wenn ich anwesend gewesen wäre, als das in einer Vorlesung behandelt wurde, hätte ich in dem Bewusstsein weggehört, dass ich nie politische Schulung durchführen müsste. Der FDJ-Sekretär unserer Staffel fungiert als Aufsicht im Vorbereitungsraum, geht von Mann zu Mann und schaut über die Schultern, wie es läuft. Er sieht mein Thema und erkennt mein Dilemma. Im Raum existiert eine Schrankwand mit Büchern. Er fischt das militärische Handbuch heraus, blättert ein wenig, verdeckt den Blick der anderen zu mir mit seinem Körper und legt mir das aufgeschlagene Buch hin. Innerhalb von zwei Minuten habe ich alles im Kurzzeitgedächtnis, nicke, er stellt das Buch unauffällig zurück, nach 10 weiteren Minuten ist mein Vortrag fertig, ich bestehe mit gut und bedanke mich bei meinem Helfer. Während die IF-ler ihre, nicht mehr benötigten Bekleidungs- und Ausrüstungsgegenstände abgeben, bekomme ich welche dazu: meine Ausstattung als Offizier. Alle fahren am Tag nach der Ernennungsfeier nach Hause, Elmo und ich müssen warten, bis uns unser neuer Brötchengeber mit dem Flugzeug abholt, mehr wissen wir nicht. Die Ernennung der Offiziere ist jährlich das größte Ereignis im kleinen Garnisonsstädtchen Kamenz. Im Stadion der Garnison findet eine riesige Parade statt, anschließend bekommen die werdenden Offiziersschüler ihre neuen Schulterstücke und den Ehrendolch angehängt. Dann treffen sich Angehörige, Ausbilder und die jungen Leutnants in den Kneipen und begießen das Ereignis. Da es nicht genügend Hotelzimmer gibt, müssen auch Kasernenbetten zur Beherbergung des Angehörigentrosses reichen. Wir trainieren eine Woche lang, jeden Tag vier Stunden unter dem scharfen Blick von Oberst Reifgerste, auch Schleifgerste genannt, der auf einem Podest stehen, das Exerzieren seiner Truppen beobachtet. Keine ungeschickte Bewegung entgeht ihm. Sofort donnert er einen entsprechenden Kommentar durch sein Megafon. Am Ende des letzten Trainings im Stadion lässt er sich zu einem Lob hinreißen: „Genossen, das war gut!“ Das T von gut hallt wie ein Pistolenschuss über die, inzwischen installierte Lautsprecheranlage des Stadions, er scheint den Klang zu genießen, hält kurz inne, fährt dann mit versöhnlicher Stimme fort: „Wir sehen uns morgen zu ihrer Ernennung, sie können wegtreten“. Während alle irgendwie irgendwo irgendwelchen Zapfhähnen entgegeneilen, haben Uli, Bernd und ich etwas anderes im Sinn. Wir sind aktive Segelflieger. Auf uns wartet eine alte Tradition: Segelflieger, die zum Leutnant ernannt werden, absolvieren unmittelbar nach der Ernennung den so genannten Leutnantsflug. Gleich hinter dem Stadion befindet sich die Segelflughalle Stadt, wo schon die Kameraden warten um die Zeremonie vorzubereiten. Der Plan ist schnell aufgestellt, die Helfer eingeteilt, der Sekt im Kühlschrank verstaut. Nun geht es ans Abschied nehmen. Übermorgen werden wir, außer Uli, der als Fluglehrer an der Schule bleibt, in alle Winde zerstreut. Während wir Jungs uns mit derben Sprüchen wie: Unkraut vergeht nicht oder: schlechten Menschen geht’s immer gut, über die Situation retten, heulen die beiden Mädels immer wieder. Wir waren wie eine Familie für einander. Ein paar Bier später schleichen Uli und ich zum letzten Mal als Offiziersschüler durch das KDL. In unserer Baracke ist noch lange nicht Schluss. Der Alte hat das Alkoholverbot aufgehoben und ein paar Kästen Bier hingestellt. Es geht hoch her: wir hätten in der Segelflughalle pennen sollen, sagt Uli. „Leute, wir wollen morgen fliegen, begrüßt er die anderen, seid nicht böse, aber wir schlafen noch ein wenig“. Der Tag der Tage sieht uns, nach einem kräftigen Frühstück, in ganz guter Form. Auch das preußische Säbelgerassel klappt gut, Schleifgerste ist zufrieden, die Zuschauer begeistert. Ich vergesse vor lauter Leutnantflug das Gruppenfoto unseres Zuges und fahre mit meinen Leuten schnurstracks zum Segelflug. Stolz drehen alle ihre Runde und trinken anschließend Sekt. Die Feier bleibt steif, jeder hat mit seinen Angehörigen zu tun und lötet sich mehr oder weniger zu. Nach dem Rauschausschlafen verbleibt bei mir eine Katerstimmung, welche ich erst sieben Jahre später loswerden sollte. Meine Eltern nehmen etwas unnötigen Ballast mit nach Hause, die wichtigen Dinge für meinen neuen Dienstort sind im Seesack, den Rest und die Urlaubssachen fährt Uli in meinem Auto nach Strausberg. Von dort düst er zu unserem Urlaubssee nach Mecklenburg, wird zweimal wegen überhöhter Geschwindigkeit gestoppt, weil meine Rennpappe mit viel zu großen Rädern läuft. Für Elmo und mich beginnt das Warten auf unseren Flieger. Für eine Verbindungsfliegerstaffel ist es eine Frage der Ehre, ihre neuen Leute mit dem Flugzeug abzuholen. Es herrscht zwei Tage nicht fliegbares Wetter und wir hocken den ganzen Tag beim Flugleiter auf dem Turm, erbetteln uns einen Kaffee nach dem anderen und spielen Offiziersskat. Dann fällt endlich unsere ANNA aus der geschlossenen Wolkendecke, wir steigen ein und werden in Strausberg eingeflogen. Dort wartet bereits Uli. Wir erklären unserem neuen Kommandeur, dass er uns in drei Wochen wiedersieht, weil unser Jahresurlaub noch Teil der Ausbildung ist. Bevor er eine Chance zum überlegen hat, sind wir verschwunden. Was ich bis jetzt von meiner neuen Einheit gesehen habe, ist nicht gerade berauschend. Ich freue mich auf den Urlaub und Uli, dass er nicht mehr fahren muss.

Mehr Geld?!  spardocheinfach.online

kostet euch nichts und hilft den ganzen Alltagskram einfach zu optimieren. Da bleibt mehr Geld und vor allem mehr Zeit für die wirklich wichtigen Dinge im Leben. Schaut´s euch einfach an.
Holt euch die passenden Tarife!

Geschichte(n), die niemand braucht (30)

 

Am nächsten Tag verlegen wir endgültig nach Kamenz, um die fliegerische Hauptprüfung, einen Streckenflug, vorzubereiten. Dazu fliegen wir mehrere lange Strecken mit mehr als fünf Stunden Flugzeit und Zwischenlandungen auf anderen Plätzen. Die Flughöhe beträgt fünfzig Meter über Grund oder Wasser, etwa alle 10 Minuten kommt ein neuer Wendepunkt, neuen Kurs einnehmen, Stoppuhr drücken, Eintragung im Bordjournal vornehmen, Feinnavigation nach Karte halten, Funkverkehr mit den entsprechenden Stellen führen, dann die Zwischenlandung, Verbindungsaufnahme mit dem Flugleiter, Landebedingungen und Platzdruck quittieren und notieren, Einflug in die Platzrunde, Landung, Abstellen, Melden beim Flugleiter, Essen in der Kantine mit Essenmarken aus Kamenz, die offensichtlich republikweit gelten. Das wird also mein Leben, denke ich, wenn ich Pech habe. Unser Fluglehrer erläutert uns irgendwann unsere Einsatzmöglichkeiten bei den Streitkräften und wir dürfen einen Standortwunsch äußern. Neubrandenburg, sage ich und denke, wenn schon Armee, dann Dienst in einer kleinen Kette und einer schönen Landschaft. Die anderen Möglichkeiten sind: eine Kette AN 2 in Cottbus, eine Staffel AN 2/L 410 in Strausberg, Fluglehrer in Kamenz, Regierungsstaffel Marxwalde TU 134/IL 62 oder Interflug Berlin/Schönefeld. Der Einsatzort eines jeden wird bis fast zur letzten Minute geheim gehalten, um keinen Neid und daraus resultierende Unruhen innerhalb des Kollektives entstehen zu lassen. Wir sind alle gut trainiert und sehen mehr oder weniger gelassen der fliegerischen Hauptprüfung entgegen. Als Prüfer reisen erfahrene Piloten aus dem Kommando LSK/LV und der Strausberger Staffel an. Am Morgen vor der Prüfung stellt man uns die Prüfer vor und gibt die Aufteilung der Offiziersschüler zu Prüfung bekannt. Danach erfolg die Aufgabenstellung und Flugvorbereitung. Mein Prüfer ist ein untersetzter, schwergewichtiger Oberstleutnant aus Strausberg. Nach 30 Minuten Vorbereitungszeit auf den bevorstehenden Streckenflug, gehen wir gemeinsam zum Flugzeug. „Genosse Oberstleutnant, Offiziersschüler Marr bereit zur fliegerischen Hauptprüfung“, melde ich mich korrekt vor dem Flugzeug. „Genosse Offiziersschüler, tun sie so, als wäre ich nicht da“, antwortet er und besteigt die Maschine. Zusammen mit dem Flugzeugwart führe ich die Außenkontrollen durch, unterschreibe in seinem Übernahme-/ Übergabebuch, er schüttelt mir die Hand, wünscht mir viel Glück und verspricht, beide Daumen zu drücken. Ich steige die eine Stufe der eingehängten Minileiter hinauf, betreten die Passagierkabine, der Wart reicht mir die Leiter herauf, die ich im hinteren, durch eine Wand mit Tür, abgetrennten Teil des Flugzeuges festzurre und gehe mit leicht eingezogenem Kopf zu meinem Platz im Cockpit, lege Checkliste, Flugkarte, Bordjournal und Kniebrett bereit und frage: „Genosse Oberstleutnant, gestatten sie, dass ich Platz nehme?“ „Ziehen sie ihre Jacke aus und setzen sie sich“. „Genosse Oberstleutnant, es ist uns verboten, die Jacke im Flugzeug abzulegen“.“ Jetzt ziehen sie schon ihre Jacke aus, heute ist eine Ausnahme“. „Danke, Genosse Oberstleutnant“. „Und hören sie endlich auf, mich mit dem Dienstgrad anzusprechen, es ist doch außer mir niemand da, wenn sie also was sagen, dann kann ja nur ich gemeint sein“. „Jawohl, Gen.., Verzeihung“. Beim Platz nehmen ordne ich Karte und Liste links von mir auf dem Panel an, schnalle das Kniebrett um den rechten Oberschenkel, öffne dessen Deckel und sage: „Freund-Feind-Kennung die ganze Zeit auf 6“. „Sechs eingestellt“, antwortet er. Kniebrett zu und Checkliste hoch und nach Liste arbeiten um keine Bewertungspunkte zu verlieren, denke ich und schaue wie beiläufig auf seinen Bewertungsbogen. Er bemerkt das und kommentiert: „Ich habe ihnen soeben volle Punkzahl für die Nutzung der Checkliste gegeben, jetzt pack das Ding endlich weg und zeig mir, was du kannst“. Wie bei hunderten Flügen zuvor lasse ich das Triebwerk an, rolle zum Start, fliege meine Strecke und lande. Beim Abfangen lässt sich die Steuersäule nicht ganz durchziehen, ich blicke kurz nach rechts und sehe das Steuerhorn am Bauch meines Prüfers anstoßen. Er bemerkt meinen Blick, zieht seinen Bauch ein, ich kann das Höhenruder ganz nach hinten bewegen, die Maschine setzt weich auf. „Wenn der Moment gekommen ist, ziehe ich meinen Bauch schon ein“, bemerkt er, wir lachen miteinander, er hilft beim Abstellen, füllt den Rest seiner Liste aus, wir verlassen das Flugzeug. Ich nehme Grundhaltung an, die rechte Hand an die Schläfe zum militärischen Gruß: „Genosse Oberstleutnant, Offiziersschüler Marr meldet sich vom Flug zurück“. „Es gibt nichts auszusetzen, Genosse Marr, ich bewerte den Flug mit sehr Gut“. Er schüttelt mir die Hand, der Flugzeugwart ebenfalls. Parteisekretär mit Blumenstrauß und Fotograf eilen für ein offizielles Foto herbei, es muss schnell gehen, denn die Welle gelandeter Flugzeuge rollt heran. Bei meinem Prüfer meldet sich der nächste Anwärter. Am Abend erhalten wir feierlich unsere Spangen als Flugzeugführer Klasse 3, ein kleiner Umtrunk mit unseren Fluglehrern folgt. Ein paar Tage später erscheint eine AN 2 mit ziviler Bemalung. Die drei Herren in ihren Interfluguniformen wollen ihre Vertragsschüler besichtigen und bekommen dafür ein Zimmer im Stab der Schule. Gleichzeitig werde ich zum Staffelkommandeur bestellt. Anwesend sind mein Fluglehrer, mein Fachlehrer-Zugführer, der Parteisekretär der Staffel, der Kommandeur und ich. Ohne Umschweife trägt der Kommandeur sein Anliegen vor: „Genosse Marr, sie sind für den Einsatz bei der Interflug vorgesehen“. Mich durchströmt eine warme Welle der Freude und ich habe Mühe, dass nicht zu zeigen. „Während ihrer Ausbildung konnten wir uns davon überzeugen“, fährt er fort, „dass sie ein ausgezeichneter Flugzeugführer und Offizier werden. Solche Leute wie sie brauchen wir hier in den Luftstreitkräften. Leider gab es diesen Vorfall, den unerlaubten Mitflug eines Angehörigen des technischen Personals. Darum konnten sie nicht Parteimitglied werden. Nun, sie haben ihre Strafe verbüßt, der betreffende Vermerk in ihrer Kaderakte wurde gelöscht und trotzdem werden sie nachher die Genossen von der Interflug fragen, warum sie noch nicht Parteimitglied sind. Was wollen sie auf diese Frage antworten? Sagen sie die Wahrheit ist es mit ihrer Kariere bei der Interflug gleich vorbei. Man wird sie als nicht verlässlich einstufen, sie werden als Copilot von Schönefeld nach Erfurt fliegen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass sie das auf Dauer befriedigt. Ich biete ihnen die Chance hier in der Armee Karriere zu machen. Was sagen sie dazu?“ Mir entgleisen die Gesichtszüge, eine Welt bricht zusammen. Was wollen die von mir ? Ich beginne zaghaft: „Wenn ich für die Interflug vorgesehen bin, dann möchte ich auch gerne dort arbeiten. Ich habe Mist gebaut und dafür gebüßt, das kann mir keiner ein Leben lang vorhalten“. Der Kommandeur nickt seinem Parteisekretär zu. Die graue Eminenz, OSL Wolf beginnt mit seiner hohen, vom Zigarettenqualm verbrauchten Stimme zu sprechen: „Genosse Marr, lassen sie mich deutlicher sprechen als der Kommandeur. Bisher waren alle Offiziere Parteimitglieder. Sie sind nicht einmal Kandidat der Partei. Alle IF-Piloten sind auch Parteimitglieder. Die Genossen werden den Kommandeur also nachher fragen, warum der Offiziersschüler Marr nicht. Und er wird antworten, worauf sie am Gepäckband enden könnten und nicht im Cockpit einer 134, wie sie sich das vielleicht erträumt haben, verstehen sie?“ Ich schüttle, den Tränen nahe, meinen Kopf. Der Alte Wolf hat mich genau da, wo er mich haben wollte und nickte dem Kommandeur zu. „Genosse Marr“, hebt er mit väterlich-versöhnlicher Stimme an, „beraten sie sich mit ihrem Fluglehrer und geben sie mir ihre Entscheidung in 15 Minuten kund. Wenn sie bei den Streitkräften bleiben wollen, geben wir den Genossen von der Interflug Bescheid und der Fall ist für sie erledigt. Ihr Platz ist hier, glauben sie mir. Sie können jetzt gehen“. Ich bekomme gerade noch eine militärische Ehrenbezeigung hin, als ich den Raum verlasse. Mein Fluglehrer findet mich zusammengesunken auf der Bank vor unserer Unterkunftsbaracke. Er duzt mich um Vertrauen zu erwecken: „Was soll ich dir raten. Du wärest gerne zur IF gegangen?“ „Ja“, antworte ich, „die erpressen mich doch einfach. Mach das, was wir wollen oder wir schießen dich ab, ehe du aufsteigen konntest. Wenn ich hier nein sage und die IF-Leute sagen auch nein, dann kann ich doch immer noch bei der Armee bleiben. Darum verstehe ich das jetzt nicht“. Schubi erwidert: „Der Kommandeur hat deinen Vorfall staffelintern behandelt, weil ich mich für dich verwendet habe. Du bist zu gut, er sollte dich nicht rausschmeißen. Wenn der Fall jetzt wieder hochkommt, wird es für uns alle unangenehm, aber am schlimmsten für dich. Sie lassen dich nicht Offizier werden und damit besteigst du nie im Leben wieder irgendein Cockpit. Das wars dann. Sagst du nein zu IF, wird keiner Fragen stellen und du kannst alles werden, auch Fluglehrer“. „Nein danke“, entgegne ich, „ich habe wohl keine Wahl. Ich mag die Armee nicht, aber ich habe mich hier nicht drei Jahre abgeschunden um dann nie wieder zu fliegen. Und wenn sie das nun gar nicht stört mit der Parteimitgliedschaft?“ „Ich würde es nicht drauf ankommen lassen, an deiner Stelle. Also, du braucht nicht noch mal zum Alten rein, was soll ich ihm sagen?“ „Ich will mit Sicherheit Flugzeugführer werden, also sagen sie ihm nein zu IF“. „Glaub mir, du wirst es nicht bereuen“, Schubi klopft mir väterlich auf die Schultern. „Ich bereue es jetzt schon, Genosse Hauptmann“, rufe ich ihm hinterher und fühle mich elend. Warum ich? fragte ich mich, während die anderen IF-ler freudig von ihrem Einstellungsgespräch mit unterschriebenen Arbeitsverträgen kamen. „Was ist denn mit dir los?“ fragt Merlinger. „Sie haben mich erpresst“, antworte ich, „entweder sage ich nein zu IF oder sie rollen die alte Geschichte wieder auf und vermiesen mir alles“. „Das haben die wirklich gemacht?“ fragt er ungläubig. „Ja, aber ich möchte nicht mehr darüber sprechen“. „Schon klar, verstehe ich“. Er versteckt die Vertragsmappe von der IF hinter seinem Rücken und geht durch die offene Barackentür. Ich bin völlig leer, blinzele in die Sonne und versuche mir meine Zukunft nicht auszumalen, da steht der Kommandeur zwischen mir und der Sonne. „Bleiben sie sitzen. Ich habe mit Strausberg telefoniert, der Steuermann dort konnte sich noch gut an ihre Prüfung erinnern, man nimmt sie dort mit Kusshand. Das wollte ich ihnen nur sagen. Gehen sie ein bisschen Segelfliegen und trinken sie heute Abend ein paar gute Biere, dann sieht die Welt für sie wieder besser aus“, gibt mir die Hand und verschwindet.

Geschichte(n), die niemand braucht (29)

 

Abgelöst, weil im Urlaub wurde er von dem Hubschrauber Aerodynamiker schlechthin. Die Russen hätten diesen hochbegabten Menschen, welcher uns nun unterrichten sollte, am liebsten behalten, zeigten ihm allerdings zu viel, worauf der es vorzog, in die DDR zurückzukehren. Der OSL war als Experte mit der Roten Armee in Afghanistan, begutachtete den Einsatz von Kampfhubschrauber gegen Rebellen in den Bergen. Natürlich war das Thema im Unterricht. Dabei vergaß er völlig, wen er vor sich hatte, schrieb die Tafel voll mit hoch komplizierten Formeln und blickte anschließend entschuldigend in unsere verständnislosen Gesichter: „Genossen, euer Prüfungsstoff ist dagegen vergleichsweise primitiv. Habt ihr Fragen dazu? Nein, gut, ja Sie Genosse.“ „Genosse Oberstleutnant, Offiziersschüler Leierbein, was ist nun mit Afghanistan? Ist dort Krieg? Oder ist es wie 1968 in der CSSR?“ Er überlegt lange, bevor er antwortet: „Meine sowjetischen Genossen haben mich zum Stillschweigen verpflichtet, darum nur so viel: Das Volk Afghanistans hat sich für eine sozialistische Entwicklung entschieden und das Nachbarland, die Sowjetunion um militärische Hilfe im Kampf gegen die Konterrevolution gebeten. Die Sowjetarmee unterstützt die afghanischen Truppen mit gepanzerten Fahrzeugen, Kampfhubschraubern und Militärberatern, etwas mehr als seinerzeit in Vietnam“. „Warum waren sie da?“ hinterfragt Leierbein. „Ich besuchte zu dieser Zeit die Militärakademie in Moskau, wollte mich als technischer Führungsoffizier auf Kampfhubschrauber spezialisieren. Die Genossen dort unterbreiteten mir den Vorschlag, die Mi 24 im richtigen Kampfeinsatz zu begutachten. Ich stimmte sofort zu und wurde als Angehöriger der sowjetischen Luftstreitkräfte eingekleidet. Anschließend ging es mit Aeroflot nach Kasachstan zur Einweisung und weiter mit Transportmaschinen zum Einsatzflugplatz. Von dort aus direkt zu den Kampfeinsätzen. Mehr darf ich ihnen nicht sagen, außerdem ist die Unterrichtseinheit sowieso vorbei. Was soll ich zum nächsten Mal vorbereiten? Ja, sie Genosse.“ „Genosse Oberstleutnant, Offiziersschüler Preiss, Beladeplan der AN 2, Schwerpunktberechnung und Polare in Abhängigkeit der Landeklappenstellung und Vorflügel“. „Gut, würde mir ein Genosse bitte die Unterlagen ihres Flugzeugs zur Verfügung stellen. Danke. Auf wiedersehen“. OS Preiss im Befehlston: „Achtung“! Alle stehen auf, stramme Haltung, Hände an die Hosennaht, Blick frei gerade aus. Der OSL setz seine Schirmmütze auf, erhebt die rechte Hand zum militärischen Gruß und verlässt den Raum. „Rührt euch!“ kommandiert Preiss. Wir packen unsere Sachen und marschieren zur nächsten Konsultation. Die kommenden Prüfungen sind mündlich. Da die Themen feststehen, ist es eigentlich eine reine Fleißfrage, gut abzuschneiden. Meine alte Lernpatenschaft zu Uwe wird wieder aktiviert, er hat keinen blassen Dunst und Fracksausen. Wir lernen, bis er auch das herbeten kann, was er nicht versteht. Drei Tage vor den Prüfungen in 5 Fachgebieten, alle an einem Tag, sind wir fertig. Uwe verkündet, dass er mich für heute Abend zu seinem Polterabend nach Kamenz einlädt. „Man, wir haben in drei Tagen Prüfung, da kannst du dich doch nicht tagelang betrinken“, antworte ich. „Morgen ist Hochzeit und übermorgen erhole ich mich“. „Na gut“, sage ich, „übernachten wir in Kamenz?“ „Habe ich schon organisiert, werden mit dem Bus hingefahren und morgen Mittag mit dem öffentlichen Bus zurück“. „Super!“ sage ich einigermaßen begeistert, denn ich bin über jeden Tag froh, den ich nicht in diesem Bullenkloster hier verbringen muss. „Wir müssen allerdings Uniform Tragen, es kennen uns zu viele“. „Na gut“, nörgele ich. Uwe klopft mir auf die Schulter: „Und, danke man, für deine Hilfe und so…“ „Schon gut, musste doch auch lernen“, wehre ich ab. Wir packen Zahnbürste, Rasierzeug und Reserveschlüpfer ein, um 17 Uhr geht der Bus nach Kamenz. Frisch machen, Quartier beziehen und ab geht’s in den Plattenbaukeller von Uwes Schwiegereltern in Spee. Sein Vater hat wieder Pilsner Urquell gestiftet, dazu rockt Musik aus einem Gettoblaster und es gibt neben Uwes auch noch andere Frauen. Ich tanze mit einer abgefahrenen Dame mittleren Alters mit roten Haaren. Ihre großen Brüste werden von einem hautengen Sommerkleid gehalten und drohen durch die Ausgelassenheit meiner Tanzpartnerin herauszurutschen. Uwe zischt mir von hinten ins Ohr: „Lass deine Finger von der. Das ist die Frau von Oberst Kalbasa. Der zerfetzt dich in der Luft“. Mürrisch ziehe ich mich zum Bierfass zurück und betrachte gelangweilt das junge Gemüse. Alles Töchter von Offizieren, die mir eine entsicherte Handgranate in die Hose schieben würden, wenn ich auch nur in die Nähe ihrer Lieblinge käme. Später kommen die beiden jungen Segelflugschülerinnen, wir sitzen auf der Bank vor dem Haus und trinken Pils. Die Prüfungen laufen für mich wie am Schnürchen. Durch meine Lernhilfe für Uwe bin ich in der Lage, die Themen in freier Rede ohne Vorbereitungszeit abzuhandeln. Nur im Prüfungsfach Lufttaktik/Luftschießen bemängelt die Prüfungskommission meine unmilitärische Stimme und das lockere Auftreten. Als schwierigste Prüfung erweist sich jene für das Allgemeine Flugfunksprechzeugnis. Ich habe einen russischen Fachtext ins Englische zu übersetzen, ohne Vorbereitungszeit. Die russischen Schriftzeichen vor Augen, formuliere ich langsam die entsprechenden englischen Fachvokabeln. Sehr schön, lobt die Dame von der Post. Und nun erläutern sie uns mal den Inhalt des Textes. „Habe ich doch gerade!“, entfährt es mir, bevor der anwesende Fluglotse ergänzen kann: „Bitte in deutscher Sprache, die Kollegin hat bestimmt noch Fragen zum Inhalt.“ Ich beginne von vorn. Es hagelt nach jedem Satz Zwischenfragen. Ich antworte ausführlich, was dazu führt, dass die Dame ins Detail geht. Aber ich hatte einen guten Lehrer, welcher ebenfalls anwesend ist. Mit grinsendem Gesicht sitzt er neben der Dame und nickt aufmunternd in meine Richtung. Der vierte im Bunde der Prüfungskommission ist ein Militär, unser Hochschullehrer für Steuermannsdienst. Er wendet seinen Kopf der Postdame zu und sagt mit höflicher Stimme: „Ich möchte Sie darauf hinweisen, dass der Genosse zu diesem Thema seine Hausarbeit geschrieben hat. Seine Schrift liegt hier vor uns, wir verwenden es als Unterrichtsmaterial. Wir haben noch etliche Prüflinge vor uns und bitte sie, sich kurz zu fassen“. Ich denke: bin ich so schlecht oder was läuft hier. Alle nicken einander zu. „Genosse Offiziersschüler, verlassen sie bitte für einen Moment den Raum“. Erschrocken blicken die anderen drei Offiziersschüler, die sich im Raum vorbereiten müssen auf, denken, dass es bei mir schiefläuft. Ich grüße, verlasse den Raum. Nach ein paar endlosen Minuten kommt mein Steuermannsdienst Lehrer heraus, schließt die Tür. „Musstest du so vorlaut sein, sie hat das persönlich genommen, erwartet eine Entschuldigung. Er legt seine Hand auf meine Schulter, öffnet die Tür, schiebt mich hinein, ich salutiere, nehme die Schirmmütze ab: „Genosse Oberstleutnant, gestatten sie, dass ich spreche?“ „Bitte!“ „Ich möchte mich in aller Form für meine Bemerkung entschuldigen, es war nicht so gemeint. Wir haben die russischen Texte immer nur in Englische übersetzt und eigentlich auch in dieser Sprache gedacht, daher war ich etwas überrascht“. „Entschuldigung angenommen“, antwortet sie, „ihre Leistung bewerten wir mit sehr gut“. Ich kann es gar nicht fassen. „Herzlichen Glückwunsch, Herr Kollege“, sagt der Lotse und streckt mir seine Hand entgegen, ich schaue zum Oberstleutnant, er ist der ranghöchste Militär im Raum und muss mir Bewegungen erlauben. Er nickt, ich trete zum Tisch und bekomme die Hand geschüttelt. Dann darf ich den Raum verlassen, zeige im Rausgehen meinen Kameraden zwei gedrückte Daumen, um sie anzuspornen, schließe die Tür, springe an die Decke, denke: das wars. Fliegen kannst du, die Prüfung wird gut und diesen gesellschaftswissenschaftlichen Müll bekommst du auch in den Griff.

Geschichte(n), die niemand braucht (28)

 

Unser Zug verlegt für drei Wochen nach Bautzen. Von den Hochschullehrern werden wir wie angehende Offiziere behandelt: es geht korrekt, doch schon fast kollegial zu. Strategie und Taktik der Luftstreitkräfte ist das einzige Fach mit neuem Lehrstoff, der ganz und gar streng geheim ist. Während uns die Taktik der Waffengattungen schon im Wesentlichen geläufig ist, bleibt bei strategischem Teil doch einigen die Spucke weg. Beide Systeme sind so aufgerüstet, dass jeder den anderen mehr als einmal vernichten könnte. Das schreckt die Politiker, den Krieg als direktes Mittel der Politik zwischen den großen Blöcken einzusetzen und man existiert friedlich nebeneinander. Trotzdem denken die Hardliner unter den Militärs ernsthaft über die Machbarkeit und die Gewinnaussichten eines Nuklearkrieges nach und kommen zu drei möglichen Varianten eines Kriegsbeginnes. Die ersten beiden gehen davon aus, dass das imperialistische System beginnt und der Warschauer Pakt zurückschlägt, die dritte Variante ist der Erstschlag, eine Art finaler Rettungsschuss des sozialistischen Systems. Nach drei Tagen steht der Panzer mit dem roten Stern am Rhein, nach drei Wochen wirft man die letzten Kapitalisten in den Atlantik, Amerika ist nuklear ausradiert. Wir Offiziersschüler begreifen, dass wir zwar in einer winzig kleinen Armee eines noch winzigeren Staates dienen und dennoch Teil von Plänen sind, die in ihrer Gewalt, ihrer Wucht und Größe jenseits unserer Vorstellung liegen. Niemand stellt die Frage: was kommt danach, wenn wir gewonnen haben? Errichten dann ein paar verstrahlte Überlebende den Kommunismus auf einem kaputtem Planeten? Wir haben Klausewitz gelernt: Krieg ist die Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln und jeder von uns erkennt die Untauglichkeit dieses Lehrsatzes, aber wir sprechen nicht darüber. Die Angst vor der Konsequenz dieser Erkenntnis, die daraus resultierende Ohnmacht, absolut nichts tun zu können, den Männern mit den Roten Telefonen und den Schaltern für den Abschuss der Interkontinentalraketen ausgeliefert zu sein, lässt uns schweigen. Wir würden kleine Räder sein in der riesigen Maschinerie des Krieges, die das Vermögen der Völker verschlang und unseren Planeten an den Rand des Abgrundes rückte. Für einen Ausstieg war es längst zu spät. Und immerhin hatte jeder von uns die Chance auf ein „besseres“ Leben in der zivilen Luftfahrt. Und so führte unser Lehrer, ein nicht im Feld ergrauter Oberstleutnant, der von sich selbst und seinem Lehrstoff sehr überzeugt war, uns seine Weltuntergangsszenarien vor Augen. Als Ausgleich gab es etwas Naturwissenschaft: Aerodynamik. Wir vermissten unseren alten Lehrer, der sein Fachgebiet immer Dynamoerotik nannte und dessen lustige Einlagen im Unterricht. Einmal hatte er für jeden eine Möhre dabei und sagte: „Die Augen meiner Offiziersschüler scheinen heute Morgen nicht gesund zu sein, denn sie drohen dauernd zu zufallen. Hier Genosse Zughelfer, lassen sie das mal verteilen, Möhren sind gut für die Augen. Bei wem das nicht mehr hilft, der kann sich bei mir zwei Streichhölzer zum Hochstecken der Augenlider abholen“, sagte es und sprang mit einem Satz auf den Lehrertisch: „Sind jetzt alle wach oder müssen wir noch ein Morgenlied singen?“

Geschichte(n), die niemand braucht (25)

 

Die Militärs innerhalb der GST drücken von oben herab immer mehr ihrer Gepflogenheiten in die Grundorganisationen hinein. Viele unserer zivilen Kameraden wehren sich dagegen, indem sie den Flugbetrieb durch Abwesenheit boykottieren. Wir wollen zusammen mit den Kameraden des Flugplatzes Alkersleben unseren Sommerurlaub an einem See in Mecklenburg verbringen, zelten, baden, segeln, am Lagerfeuer Rotwein trinken und Knoblauchschnitten essen, die Seele baumeln lassen. Einige Mitglieder der Alkerslebener Grundorganisation hatten zu diesem Zweck Verbindung zu den Wassersportlern der GST aufgenommen, Kurse als Segelbootführer für Binnengewässer absoviert, Prüfungen abgelegt und entsprechende Boote angemietet. Alle erwarteten eine herrliche Zeit, alternativ zum Segelflug.

Meine ersten Segelflüge nach so langer Zeit gestalteten sich eher unprofessionell. Ich versuchte, den Doppelsitzer viel zu hoch abzufangen, weil ich diese Position aus der AN 2 kannte. Dank der Gutmütigkeit des Schuldoppelsitzers und der schnellen Reaktion meines Fluglehrers und Freundes Bernd, dem ich später auf tragische Weise die Frau ausspannen sollte, kamen wir nicht zu Schaden. Einige Flüge später hatte mich die geliebte Thermik wieder. Stundenlang erkundete ich nun die Gegend um Kamenz aus völlig neuer Perspektive, verfliege mich über dem Truppenübungsplatz der Sowjetarmee in Königsbrück und lande mit dem letzten Schwung wieder in Kamenz. Zum Glück hat es niemand bemerkt. Da keine Segelflugstrecken erlaubt sind, blättern wir im Ausbildungshandbuch, was wir sonst noch für unsere fliegerische Qualifikation tun könnten und finden den Doppelschlepp. Da unsere Schleppmaschine mit ihren 260 Pferdestärken geeignet ist und die Aufgabe anspruchsvoll genug zu sein scheint, beginnen wir mit den Vorbereitungen: Schleppseil basteln und Bodenvorbereitung für die Piloten. Beim fliegerischen Teil will natürlich jeder in der hinteren Maschine sitzen. Der vordere Geschleppte steuert seinen Segler etwas über dem Luftschraubenstrahl des Schleppers und ein paar Meter neben dessen verlängerter Längsachse, der hintere bleibt unter dem Strahl und auf der entgegen gesetzten Seite der Achse. Nur er hat die beiden anderen Flugzeuge in Sicht, hält sich und sein Seil vom anderen fern. Ganz nah zu einem anderen Luftfahrzeug, darin bestand für uns der eigentliche Reiz des Doppelschlepps. Darum dehnen wir den Genuss oft bis zu einer Stunde aus. Das Triebwerk der Wilga läuft dabei mit Nennleistung, leistet 220 PS und verbraucht kaum weniger als 77 Liter verbleites Flugbenzin pro Stunde. Der Schlepppilot zerrte uns in einen entfernten Winkel unserer Platzzone und wir veranstalteten nach dem Ausklinken ein Wettfliegen zurück zum Platz mit der Wilga. Schnell landen und zum nächsten Schlepp. Der Aufwand spielte keine Rolle. Wir träumten davon, Verbandsflug zu betreiben, hatten aber niemanden mit einer Lehrberechtigung. Riesa besaß das so genannte Segelkunstflugballett mit dem Macher Günther Ambroß. Die drei Herren zeigten beeindruckenden Segelkunstflug im Verband mit drei Doppelsitzern Typ Bocian und damit die Vorzeigeattraktion des Segelfluges auf Flugschauen. An die Herren war kein Rankommen. Sie flogen jede freie Minute, um ihren eigenen Trainingszustand zu halten und die Warteliste für die wenigen Schulflüge, war entsprechend lang. Wir stellten einen Antrag für Segelkunstflugausbildung und erhielten eine Ablehnung mit der Begründung, dass unsere Doppelsitzer zu alt seien für die erhöhten Belastungen. Wir sollten nach der Einführung der neuen Technik noch mal nachfragen. Gemeint war der Puchacz aus der Volksrepublik Polen, der erste Doppelsitzer in Kunststoffbauweise, der bei der GST zum Einsatz kam. Mit ihm durfte der Pilot in den Rückenflug, was davor nur dem Standartklasse Segelflugzeug Cobra 15 erlaubt war. Wollte also vor Einführung des Puchacz ein Pilot die Steuertechnik des Rückenflugs erlernen, musste er sich die Übung auf der Cobra 15 selbst erarbeiten. Die Genehmigung dazu erteilte der Zentralvorstand nur ein einziges Mal an Wolfgang Heusinger, einen Segelfluglehrer aus Suhl. Während wir in Suhl abends nach dem Flugbetrieb zusammensaßen, schaute Wolfgang immer wieder minutenlang, den Kopf zwischen seinen Unterschenkeln auf einem Stuhl sitzend, nach dem Horizont, der für ihn von der Unterkante eines Kleiderschrankes, hinter seinem Rücken an der Wand stehend, gebildet wurde. Dabei bewegte er den Kopf langsam hin und her, und ich bin nachträglich froh, dass er nicht von uns verlangt hat, den Kleiderschrank abwechselnd links und rechts anzuheben, und imitierte mit Steuerhand und Füßen die Betätigung der Ruder. Diese ungewöhnliche Methode, sein fliegerisches Talent und der Ehrgeiz haben aus Wolfgang einen Kunstflieger gemacht. Oft vollführte er, sein kleines Flugzeug im Blau des Himmels von unseren staunenden Augen verfolgt, einen Rückenflugvollkreis nach dem anderen. Leider wird von den Zuschauern einer Flugshow so etwas fast nicht honoriert, da der Flieger viel zu weit weg ist und man eigentlich nur über die Lage der Haube auf die Rückenlage schließen kann. Da kommen zwanzig schlecht geflogene Loopings hintereinander oder ein tiefer Vorbeiflug beim Publikum besser an. Doch zurück nach dem Kamenz von 1981. Für die Segelflieger gab es keinen Kunstflug.

Dienstlich liegt Anfang Mai 1981 die Nachtflugperiode, welche im März begonnen hatte, im Wesentlichen hinter uns. Da wir am Tage Flüge nach Instrumenten unter schwierigen Wetterbedingungen trainiert hatten, fiel die Umstellung auf die Nacht nicht besonders schwer. Zunächst gewöhnt man sich an Unterhaltungen mittels der Taschenlampe, an Stelle von Handzeichen, lernt die Scheinwerfer des Flugzeuges zu nutzen und versteht den Sinn der, am Tage und beim Segelflug oft hinderlichen Lampen am Boden, die überall auf dem Flugplatz verteilt sind. Es war aufregend, als bei meinem ersten Start im Dunkeln nach dem Abheben der Kegel des Landescheinwerfers vom Erdboden verschwand und sich sein Licht einfach im unendlichen Dunkel der Nacht verlor. Scheinwerfer aus, kommentierte Schubi beim Durchgang von 50 Meter Höhe. Je höher wir kamen, desto größer wurde das Lichtermeer unter uns. Ich musste an meinen Physiklehrer in der achten Klasse denken. Er hatte uns in seiner allerersten Stunde ein Photo des Planeten Erde aus dem Weltraum gezeigt. Die Erde war zur Hälfte hell und dunkel. Im dunklen Teil konnte man deutliche Lichtpunkte ausmachen. „Der Mensch mit seinem Erfindungsgeist wird eines Tages die Nacht besiegen, helle Flächen verkünden dann dem Universum: hier sind wir!“ sagte er damals. Nun sah ich es mit meinen eigenen Augen: Straßenlampen, fahrende Autos mit nervös zappelnden Lichtkegeln am Bug und roten Heckleuchten, erleuchtete Fenster vom Häusern. Ich lernte beleuchtete Luftfahrthindernisse zu sehen, die Bewegung anderer Flugzeuge durch ihre roten, grünen und weißen Lampen einzuschätzen und der scheinbar chaotischen Anordnung der Lichter am Boden Namen zuzuordnen. Einerseits hält die Nacht nicht die Flut an optischen Reizen bereit wie der Tag, doch andererseits verändern sich die Orientierungsmerkmale auch ständig: die Menschen in ihren Wohnungen gehen zu Bett und schalten das Licht aus, die Straßenbeleuchtung erlischt, Fabrikanlagen verdunkeln sich. Doch zunächst flogen wir noch im übersichtlichen Platzbereich. Wie ein Leuchtfeuer erhellte der Bodenscheinwerfer für jede landende Maschine die Piste. Man konnte es von überall aus der Platzrunde sehen. Wir schalteten im Landeanflug unseren Bordscheinwerfer ein, das Zeichen für die Scheinwerferbesatzung am Boden, Strom auf die Elektroden im Brennpunkt eines riesigen Spiegels, welcher mit Glas verkleidet und auf einen Laster montiert war, zu geben. Nach kurzem Geflacker entwickelte sich ein ansehnlicher Lichtbogen, der durch die Linse in Form gebracht wurde und schräg in die Piste hinein seinen Lichtkegel warf. Die große Lampe war so ausgerichtet und eingestellt, dass als Anfang des Lichtkegels eine, quer zur Piste verlaufende, scharfe hell-dunkel Grenze entstand. Zu dieser Linie am Boden steuerten wir den Gleitwinkel unserer Flugzeuge, dort wurde abgefangen, im Hellen ausgeschwebt und aufgesetzt. Fing man zu heftig ab, schwebte die Maschine wieder auf und für einen winzigen Moment ging die gerade noch vorhandene räumliche Orientierung verloren, denn die, sich aufrichtende, schwarze Verkleidung des riesigen Sternmotors nahm die Sicht nach vorn. Die Schräglage hat eben noch gestimmt, also nichts am Querruder verändern, links rausschauen, am Gras orientieren, es wird deutlicher und bekommt Konturen, noch mal abfangen, halten, bis sie sitzt. „Gras ist weich und verzeiht mehr als Beton“, sagt mein Fluglehrer. Landescheinwerfer aus und Rollscheinwerfer an. Der hat eine andere Neigung und leuchtet etwas mehr nach links. Den blauen Lampen der Rollbahnbefeuerung folgend geht es zur Abstellfläche. Bei unseren letzten Flügen dämmert es am Ende der Flugschicht schon, der Frühling mit seinen länger werdenden Tagen meldet sich zurück. Die Zeit rast dahin: Spezial-fachliche Prüfungen, Hauptprüfung in Gesellschaftswissenschaften, wir sollen schließlich eine bessere Weltordnung bauen, und die fliegerische Hauptprüfung stehen noch an.

 

Geschichte(n), die niemand braucht (24)

 

Man beachte das Staurohr vorn über dem Nummernschild

Nach sechs Monaten besitze ich eine alte Rennpappe mit neuem Outfit. Auslöser für die große Reparatur war ein Urlaub mit Mieze. Wir fahren übers Wochenende zu seinen Eltern nach Staßfurt. Irgendwann ist, von Dresden kommend, die Autobahn Dresden Leipzig zu Ende und wir fahren durch Halle an der Saale. Auf einer der zweispurigen Durchfahrtsstraßen sehen wir von Weiten einen Betrunkenen herumtorkeln. Wir unterschätzen seine Reaktionsfähigkeit und streifen ihn mit dem rechten Außenspiegel, worauf er zu Boden geht. Nachdem ich eine Vollbremsung eingeleitet habe, räumen wir den Verletzten von der Straße und wollen die Polizei in der nahen Kneipe anrufen. Der Wirt hatte seinen betrunkenen Gast gerade auf die Straße entlassen und wollte keine Polizei. Es kommt zu Handgreiflichkeiten, wir packen den Verletzten in unser Auto, wo er munter weiter randaliert bis er begreift, dass wir ihn in ein Krankenhaus fahren wollen. Er zeigt uns den Weg und biete uns freundlicherweise an, dass er die Treppe runtergefallen sei, wegen seiner Verletzungen. Da wir nicht vor den Militärstaatsanwalt enden wollen, gehen wir drauf ein und verschwinden schleunigst. Abends ist im Nachbardorf von Staßfurt Tanz. Wir fahren zu zweit hin und, reichlich angetütert, zu neunt im Trabant zurück. Zum Glück passiert nichts. Dafür bekommen wir auf der Rückfahrt nach Kamenz innerhalb einer Stunde dreißig Zentimeter Neuschnee, sehen die Autobahn nicht mehr und fahren gegen eine Warnbake. Dabei reißt der Auspuffkrümmer samt Heizung ab, im Auto stinkt es nach Abgas und es wird bitter kalt, der Motor brüllt laut und säuft Unmengen Benzin. Total fertig erreichen wir Kamenz und verstecken den Schaden am Auto unter einer Decke. Es vergehen Tage voller Angst und Ungewissheit. Was wurde aus unserem Unfallopfer? Gebrochene Hand? Wir haben es nie erfahren und es bleibt unser beider Geheimnis.

Mit dem Einzug des Frühlings begann ich wieder mit dem Segelflug. Der Flugbetrieb der GST fand am Wochenende auf unserem Militärflugplatz statt. Ich konnte ohne Ausgang zu beantragen zum Flugsport gehen. Dort hatten wir unsere Zivilkleidung und besuchten abends die einschlägigen Tanzveranstaltungen auf den Dörfern. Die Grundorganisation Otto Leopold der GST ist der Rest des einstigen Armeesportclubs Segelflug der OHS, dessen Macher sich mit der militärischen Führung überworfen haben. Es gibt eine Halle mit Werkstatt für den Winter in der Stadt und eine Halle am Flugplatzrand, die im Winter zur Unterstellung von Mähdreschern dient, für den Sommer. Das kleine Häufchen besteht aus Offizieren, OS, dem Leiter der GO und drei Mädels. Da außer den Mädels alle einen Luftfahrerschein besitzen, wird neben der Schulung sehr viel thermisch geflogen. Dabei benutzen wir den militärischen Luftraum und haben nie Probleme mit unseren Flugsicherungsfreigaben. Oberstleutnant Manfred Nabel ist mit 45 Jahren unser ältester Segelfluglehrer und im Hauptberuf für sämtliche Küchen am Standort Kamenz verantwortlich. Unsere Versorgung mit Speisen und nicht alkoholischen Getränken wird durch seinen Befehl rund um die Uhr sichergestellt. Die dadurch freiwerdenden Mittel investieren wir in Bier. Das wird uns aber freundlicher Weise vom volkseigenen Handel als Butter quittiert. Manfreds langer Arm reicht auch bis zu den beiden Dieselheizaggregaten samt Treibstoff, die wir benötigen, um die Winterhalle mit Aufenthaltsraum und Werkstatt zu heizen. Flugbenzin für die Schleppmaschine bekommen wir direkt vom Tanklastfahrzeug der Staffel. Die Grundorganisation verfügt über eine Planstelle der GST für den Flugplatzleiter. Etwa in der Zeit meines Eintrittes wir sie erstmals besetzt. Von nun an planen wir Winterbauprogramm, Flugbetrieb, Eratzteile usw. nicht mehr selbst. Siggi hat diese Stelle als erster inne, kann sich gegenüber dem Militär nicht durchsetzen und wird nach kurzer Zeit durch Lutz ersetzt. Segelflugpolitisch haben wir ein Jahr republikweiter Flugsperre hinter uns und beginnen mit neuen Gesetzen. Dem Flugleiter wird die volle Verantwortung für alles zum Flugbetrieb gehörende aufgebürdet. Dazu gehört die ständige Kontrolle aller Flugzeuge in der Luft. Aus diesem Grund teilt sich der Luftraum über dem Flugplatz in vier Flugräume. Raum 1: 000 Grad bis 090 Grad, Raum 2: 090Grad bis 180 Grad usw., Raum 2 erhält zusätzlich eine Zone für Gefahreneinweisungen und Kunstflug. Während die Zone eine ortsfeste Tonne bildet, können die Räume, je nach meteorologischer Sicht, im Radius variieren. Laut Anweisung des Zentralvorstandes nähen die Mädels farbige Armbinden und beschriften diese mit den Kennzeichen unserer Segelflugzeuge. Die Binden kommen zusammen mit Windmesser, Signalpistole mit Leuchtmunition und Fernglas in den Einsatzkoffer des Flugleiters und wir beschließen, dass sie da gut aufgehoben sind. Hier in Kamenz siegt die Vernunft, während in Suhl einige Flugleiter das Beobachtertheater aufführen lassen. Da niemand der anwesenden Offiziersschüler so richtig Ausgang hat, besuchen wir abends die Kamenzer Nahkampfdielen nicht, sondern bleiben unter uns oder fahren mit dem GST-Laster weiter weg auf die Dörfer. Zur Zubereitung der traditionellen Gerichte: Heiße Kamenzer mit Senf und Brot und Karlsbader Schnitte benutzen wir in der Winterhalle das Wärmeaustrittsrohr unseres Dieselaggregats, um die Speisen entsprechend zu temperieren. Dazu ein kühles Bier, fertig ist das Abendbrot. Wir sitzen, in dicke Webpelze aus alten Fliegerkombinationen eingehüllt in unseren Gartenstühlen hinter der Stadthalle, trinken Erfurter Exportbier und erzählen uns Geschichten von unseren Heimatflugplätzen.

Geschichte(n), die niemand braucht (23)

 

Me and my Trabbser

Mit Hilfe meiner Eltern kaufte ich von einem Segelfliegerkameraden einen uralten Trabant, mein erstes Auto. Leider befindet sich die Karosserie in einem so beklagenswerten Zustand, dass nur noch ein völliger Neuaufbau hilft. Ich fahre alle Verkaufsstellen des sozialistischen Fahrzeugteilehandels der Bezirke Dresden, Erfurt und Suhl ab und kaufe so viel ich bekommen kann. Die Ersatzteile sind billig und jeder hortet sie auf seinem Dachboden als Tauschobjekte für Dinge, die man wirklich braucht und niemals zu kaufen bekommt. Auch ich kann mit Hilfe meiner Sammlung und unter Leitung meines Onkels und des Nachbars meiner Eltern, die Teile ertauschen, welche ich wirklich benötige. Aber noch fährt er, der Trabbi. Dieses Fahrzeug besaß eine frei tragende Karosserie aus Stahlblech. Kotflügel, Türen, Dach, Motorhaube und Heckklappe bestanden aus Kunststoff. Mit dem Blech verklebt, vernietet oder verschraubt, boten sich die Grenzflächen zwischen den verschiedenen Werkstoffen der Korrosion des Blechs geradezu an. Bei meinem Exemplar hatte es, lange vor meiner Zeit mit diesem Automobil, schon die u-förmigen Träger des Fahrzeugbodens, nebst Türschwellenbleche erwischt. Der Vorbesitzer verstand als Flugzeugtechniker mehr von Kunststofftechnologie als vom Schweißen und führte Reparaturen stets mit Glasmatten und Kunstharz aus. Leider rostete das Blech unter den Verklebungen weiter, destabilisierte die Träger und der Wagen drohte, mittig durchzubrechen, wenn die Türen offen waren. Die Türschlösser hielten den „Trabbser“ zusammen. Es musste einfach noch eine Weile so gehen, schließlich durfte die neu gewonnene Freiheit nicht wieder leichtfertig einer Werkstatt überlassen werden. Da es während der Freiflugperiode nur von Samstag Mittag bis Sonntag 22 Uhr Urlaub gab, suchten sich alle Kurzurlaubsziele in der näheren Umgebung unseres Standortes aus. Aus Segelfliegerkreisen und der Lektüre einer tschechischen Luftfahrtzeitschrift, die ich jeden Monat in Unkenntnis der Sprache unseres Brudervolkes zu entziffern suchte, wusste ich vom Flugplatz Rana, nicht mal zwei Autostunden von Kamenz entfernt. Wir wollten die dortigen Drachenflieger in Aktion sehen und tanzen gehen. Mieze, Ralle und ich verstauen Schlafsäcke und Kulturbeutel im Kofferraum und düsen los. Unser Weg führt übers Erzgebirge hinunter zu der, dem Gebirge südlich vor gelagerten, vulkanischen Hügellandschaft. Der Fliegeberg zu Rana besteht aus drei miteinander verschmolzenen Hügeln in Ost-West-Richtung. Zuerst besichtigen wir das Segelfluggelände nördlich der Hügel. Hinter der Halle stehen umgekippte, riesige Bierfässer als Unterkünfte umgebaut. Alles ausgebucht, schade. So entschließen wir und auf den Berg zufahren um dort einen geeigneten Platz zum Übernachten auszumachen. Der Weg führt, in befahrbarem Zustand, auf halbe Berghöhe. Dort, auf einem kleinem Plato, liegen ein paar Drachen und stehen eine Reihe Autos mit Zelten dahinter. Wir prägen uns die Stelle ein für die Rückkehr in der Nacht. Ein paar Kilometer südlich dieses Platzes sehen wir eine größere Stadt am Ufer eines Flusses und beschließen, unsere umgetauschten 120 Kronen innerhalb der Stadtmauern in Essen und Bier zu investieren und dabei Mädels anzubaggern. Ersteres Vorhaben gelingt, am zweiten scheitern wir und enden noch vor Mitternacht, mit der Bierflasche in der Hand, im Schlafsack vor dem Auto am Fliegeberg. Ein leichter Nieselregen weckt uns bei Sonnenaufgang, wir fahren zurück in die Stadt und finden, zum Glück, ein offenes Bistro mit frischen Hörnchen und duftendem Kaffee – was für eine Lebensqualität. Frisch gestärkt geht es zurück zum Berg. Sonne und Wind haben den Regen vertrieben und etliche Drachenflieger angelockt, die schon auf dem beschwerlichen Weg nach oben sind. Dabei haben sie, neben dem nicht unerheblichem Eigengewicht des Fluggerätes, zusätzlich noch die Windlast des Segels zu tragen. Hilfe durch uns wird gerne angenommen. Auf dem Berg angekommen, bereiten sich drei Drachenflieger auf den Abflug vor. Außer uns sind noch zwei tschechische Zaungäste da. Wir halten vorne und an beiden Seiten die Segel auf dem schmalen Grad des Berges fest bis die Piloten das Gurtsystem klar haben und mit dem Wind, angezeigt durch einen Wollfaden vor dem Kopf des Fliegers, zufrieden sind. Auf Kommando lassen alle Helfer gleichzeitig los, der Pilot stolpert zwei drei Schritte den steinigen Abhang hinab und drückt sein Segel nach oben in den Wind. Beim zweiten geht es schief: sein Segel bäumt sich wie ein Kinderdrachen nach oben auf und er landet mit lautem Krachen zwischen Steinen und Büschen. Wir zerren Pilot und Drachen zurück auf den Grat, er richtet notdürftig und mit roher Gewalt das Aluminiumgestänge, zieht Spanndrähte nach und gibt Zeichen für einen neuen Start. Diesmal gelingt es. Drei Drachen kreuzen nach kurzer Zeit fünfzig Meter über unseren Köpfen, die Erben Lilienthals. Wir liegen im Gras, den warmen Sommerwind in den Haaren und den Duft der Kräuter in der Nase schauen wir den Drachen zu. Unten vor der Flughalle bereiten sich die ersten Segelflieger vor. Dreißig Minuten später sind auch sie am Berg. Segelflugzeuge und Drachen, wie selbstverständlich miteinander an einem Hang zu sehen, lässt mein Fliegerherz höher schlagen. Drachenfliegen, ja sogar der Besitz entsprechend geeigneten Baumaterials, wie Aluminiumrohre und Spannschlösser, sind in der DDR unter Strafe verboten. Die Staatsmacht sieht es als Vorbereitung zur Republikflucht an. Nichts desto trotz gibt es Enthusiasten, die sich einen Dreck um die Gesetze scheren. Einer meiner Segelfliegerkameraden beobachte auf einem Streckenflug mehrere Starts eines Drachen und besuchte später diese Stelle bei geeignetem Wetter mit seiner Filmkamera. Laut Gesetz wäre er verpflichtet gewesen, diese Vorfälle den zuständigen Stellen zu melden. Aus Solidarität tat er es nicht und zeigte uns in aller Stille und unter dem Siegel der Verschwiegenheit seinen Film: Man sieht einen PKW Typ Wartburg 353 mit Anhänger. Auf einer Leiter, die mit Seilen am Hänger festgezurrt ist, liegt ein zusammengefalteter Drachen der ersten Generation. Zwei Männer rüsten in Windeseile das filigrane Gerät auf, der eine hängt sich in das Gurtsystem, nimmt Anlauf, segelt den Hang hinunter. Der zurückgebliebene fährt unterdessen über den Feldweg hinab zum Aufsetzpunkt, sie rüsten ab und wiederholen das Ganze bis weitere Neugierige angelockt werden, dann verschwinden sie. Ein illegaler Flugbetrieb vom allerfeinsten. Hier in Rana dagegen herrscht die Freiheit. Tschechische Fliegerkameraden ermöglichen Bürgern der DDR sogar das Drachenfliegen, obwohl das oben erwähnte Gesetz auch im Ausland Gültigkeit hat. Die gleiche Fliegerkameradschaft über Ländergrenzen und Gesetze hinweg lernte ich in Budapest kennen. Ein Segelflug an den Bergen dieser herrlichen Stadt hat mich immer wieder über Jahre mit Flugverbot hinweggetröstet. Das alles geht mir durch den Kopf als wir nach Kamenz zurückfahren. Dem Trabbi geht es zunehmend schlechter. Der Nachbar meiner Eltern betreibt in meiner Heimatstadt einen privaten Schmiedebetrieb und übernimmt die Schlosserarbeiten. Erst wird alles Schlechte abgetrennt bis fast nichts mehr übrig ist und dann Stück für Stück wieder zusammengeschweißt. Schließlich geht es zum Lackierer, dann wird endmontiert.

 

Geschichte(n), die niemand braucht (22)

 

Für den Segelflug bekomme ich von den Streitkräften erst nach Abschluss der Freiflugperiode auf der Antonov 2 wieder grünes Licht. Das macht die Zeit ausbildungder Theoriein Bautzen darum doppelt hart. Dann kommt endlich der lang herbei gesehnte Tag unserer Abreise. Wir werden zwar in 8 Monaten noch einmal für vier Wochen hier her zurückkehren, um sämtliche spezial-fachlichen Prüfungen für den Hochschulabschluss zu absolvieren. Dann jedoch sind wir schon Offiziersschüler im letzten Ausbildungsjahr, also angehende Offiziere und damit mit viel mehr Privilegien ausgestattet: kein Frühsport, separater Speisesaal und nie mehr Filzuniformen im Winter.

An unserem neuen Standort Kamenz angekommen, beziehen wir unsere Zimmer in einer Baracke am Rande des Flugplatzes. Die acht Räume sind hell und groß: drei Betten, drei Schränke, ein großer Tisch mit 3 Stühlen, 3 Nachtschränke mit Lampen und ein Besenschrank mit Inhalt stehen auf der Inventarliste. Waschraum, Fernsehraum, Bastelzimmer, Abstellkammer und das Dienstzimmer unseres Fachlehrers Zugführer und schon ist die Baracke ausgelastet. Wände und Decken bestehen, bis auf die Steinmauern der Duschecke im Waschraum, aus Pappe mit Wabenkern, nach außen Asbest verkleidet. Beheizt wird digital (voll oder gar nicht) mit Dampf. Mit uns leben in dem Gebäude neun Offiziersschüler im dritten Ausbildungsjahr, denen der Hauptmann (unser Zugführer) schon deutlich mehr Privilegien gewährt. Es heißt, der gesamte Kurs würde von der Interflug übernommen. Was für Aussichten. Die Zimmerbelegung entspricht den Fluggruppen. Wir, die OS Mannheim (Merlinger), Marr (Tommy) und Mühe (Mieze) unterstehen dem Fluglehrer Hauptmann Schubardt (Schubi). Wir werden, in Form eines Appels, dem Personal vorgestellt und durch die komplette Basis der Transportfliegerausbildungsstaffel 45 geführt. Die nächsten zwei Wochen gehören der intensiven Vorbereitung unserer ersten Flüge auf dem Doppeldecker AN 2 und werden nur von Sport und einigen Stunden Marxismus-Leninismus unterbrochen. Wir lernen unser Ausbildungsflugzeug aus nächster Nähe kennen, starten das Triebwerk, lassen es Probe laufen, rollen und stellen wieder ab, pauken den Inhalt der ersten Flugübungen, Handlungsreihenfolgen und die Orientirungsmerkmale, Kurse und Entfernungen der Flugzonen, Platzrunden und des Instrumentenlandesystems, üben den russischen Flugfunksprechverkehr und trainieren immer wieder in der Flugzeugkabine. Dann ist es endlich so weit: nach mehr als 18 Monaten hebe ich wieder vom Boden ab. Der riesige Doppeldecker, in dem 12 Passagier Platz haben brüllt mit der Kraft von 1000 Pferden über den kurz geschorenen Rasen der Startbahn. Ich schaue mit dem unscharfen Blick der Überwältigung über das Instrumentenbrett, dann zum Fluglehrer und registriere sein Nicken, es kann los gehen. Das Loslassen des Bremshebels in der linken Hand verursacht ein Zischen, begleitet vom Geruch nach verbranntem Gummi, wieder ein Nicken. Beide Hände am Steuerhorn, drücke ich die Säule nach vorn. Während der Flieger an Fahrt gewinnt, hebt sich das Heck. Unauffällig korrigiert Schubi mit dem Seitenruder die Wirkung des Kreiselmomentes auf die Richtung, die Anna bleibt in der Bahn. Dann hilft er beim Zurücknehmen der Steuersäule und schon fliegt sie, ich habe nicht viel mitbekommen, fingere mit der rechten Hand zum Gashebel und zur Luftschraubenverstellung und bekomme erneut geholfen. „Es reicht fürs erste, wenn sie steuern, Sollte es kritisch werden, bin ich ja da“, höre ich ihn aus den Lautsprechern meiner russischen Funksprechgarnitur krächzen. Nach seinen Handzeichen leite ich die vier Kurven bis zum Landeanflug ein und aus. Auf Landekurs, reguliert er Drehzahl und Leistung des Triebwerkes und fährt die Landeklappen. Als der Boden näher kommt höre seine Kommandos: „Abfangen ! Halten ! Noch halten ! Halten ! Weiterziehen ! Durchziehen !“ Wie beim Start, hilft Schubi wieder mit dem Seitenruder nach. Sie rollt: „Richtung halten, Bremsen ! Nach links von der Bahn. Oswobodil“ – die Bahn ist frei. Geschafft, die erste des Fünferblocks liegt hinter mir. Ich brauche lange um die Steuerung des Ausschwebens zu beherrschen und bin verärgert, dass ich keine größeren Fortschritte mache, als die Fußgänger (so nannten wir OS ohne fliegerische Vorbildung). Schließlich schaffen wir alle unseren Freiflug, den ersten Flug ohne Lehrer, aber mit einem anderen OS auf dem rechten Sitz. Die anschließenden Übungen bestehen stets aus einigen Flügen mit Lehrer und einigen mit einem OS. Zu einem dieser Flüge lade ich einen Unteroffizier ein, der gerne mal mitfliegen möchte. Das ist natürlich streng verboten, aber gerade darum hat es seinen Reiz: die Jungs schuften täglich für uns und dürfen niemals in den Fliegern sitzen. Keiner hat´s gemerkt und alle bewahren das Geheimnis. Andere tun das natürlich auch und irgendwann kommt es schließlich raus und es werden Schuldige gesucht. Als schließlich kollektive Strafen angedroht werden, pilgere ich mit schlechtem Gewissen gegenüber meinen Kameraden im Allgemeinen und meinem Copiloten im Besonderen, in das Dienstzimmer meines Fluglehrers und beichte den Vorfall. Er ist wahrlich nicht begeistert, begleitet mich aber sogleich zum Kommandeur. Endlich kann ein Exempel statuiert werden. Ich werde so bestraft, dass der Eintrag in meine Kaderakte bis zum Ende meiner Ausbildung wieder gelöscht werden kann, verpfeife aber den Unteroffizier nicht. Gleichzeitig werde ich aus der Kandidatenliste der Partei erneut gestrichen. Wieder mehr Freizeit.

Geschichte(n), die niemand braucht (21)

 

Sofort nach dem Klingeln öffnet sich die Tür, wir reichen uns die Hände, während Merlinger uns vorstellt: „Das ist Thomas, meine Mutter“. „Guten Tag, kommen sie bitte herein“. „Guten Tag. Danke, hoffentlich macht es ihnen keine Umstände?“ antworte ich und sie entgegnet: „Nein, sie können das Zimmer meines Sohnes benutzen, die beiden sind ja heute Nacht nicht da. Wir legen ab und nehmen in der winzigen Küche, die höher als breit ist, an einem kleinen Küchentisch mit vier winzigen Stühlen Platz. Es gibt arme Ritter und schmeckt vorzüglich. Nach dem Essen verzieht sich das Liebepaar und Merlingers Mutter stellt die meine Flasche Wein in den Kühlschrank und gibt mir ihre zum Öffnen. Wir sitzen im Wohnzimmer auf zwei bequemen Sesseln, ich bewundere ihre Büchersammlung und eröffne die Unterhaltung. „Wenn ich mal groß bin, werde ich auch so ein herrlich gefülltes Bücherregal besitzen“. „Ja, mein Sohn und ich haben es mit der Zeit zusammengetragen. In eurer Dienststelle scheint es immer mal was Gutes zu geben. Manchmal habe ich den Eindruck, Frank gibt sein ganzes Geld für Bücher aus“. „Wir tauschen uns oft aus“, entgegne ich, „aber manches muss man halt schon selber besitzen“. „Was haben sie als letztes gelesen?“ fragt sie. „Den Kippenberg von Dieter Noll“, antworte ich und fahre fort: „Auf Grund der vielen Zeitungsartikel über das Buch, habe ich es für ein rotes Werk gehalten. Entschuldigen sie diesen Ausdruck, aber wir müssen jeden Tag zu viel von dem Zeug lesen, dass ich meine Freizeit nicht unbedingt damit verbringen möchte“. „Das kann ich verstehen“, entgegnet sie und ermuntert mich, durch Kopfnicken, fortzufahren. „Ich habe mir das Buch zunächst von einem Freund geliehen, weil es mir zu teuer und außerdem vergriffen war. Dann aber las ich jede freie Minute in dem Buch und brauchte ein eigenes Exemplar. In dem Buch fand ich so viele Antworten auf Fragen, die mich schon so lange quälen“. „Und welche sind das?“ fragt sie dazwischen. „Nun, da wäre die Frage, ob alles immer richtig ist, in unserem Land und wie man damit umgeht, wenn man erkennt, dass etwas falsch ist und man kann es als einzelner nicht ändern. Und die Frage, wie man sich arrangiert mit den Herrschenden. Die unüberhörbare Aufforderung des Buches, ein mutiger Mensch zu werden. Und, nicht zuletzt, die Formen des Zusammenlebens von Menschen, die sich mögen, eigentlich eine herbe Kritik an den Arbeiterschließfächern“. „Das haben sie da alles raus gelesen?“ fragt sie und schaut dabei erstaunt über den Rand ihrer Brille. „Ja“, antworte ich, „und es hat mir gezeigt, dass ich nicht alleine bin mit meiner kritischen Haltung“. „Mein Sohn und sie, ihr habt es bestimmt nicht einfach, dort in Bautzen“, stellt sie fest. Wir schweigen und trinken Wein. Dann erzählt sie mir von ihrer Schule. Ihre Schüler interessieren sich für nichts mehr richtig, wollen nur noch originell sein und entwickeln dafür einen richtigen Fimmel. Ich sage ihr, ich könne da nicht mitreden, Berlin sei nicht die Republik und dass ich auf Flugplätzen aufgewachsen bin. „Sie lieben das Fliegen sehr, nicht wahr?“ „Eine Zeit lang wollte ich Maschinenbauer werden, dann Architekt, seit ich das erste Mal geflogen bin, kann ich mir keinen anderen Beruf mehr vorstellen. Ich bin der einzige aus der Kompanie, der offen zugibt, dass er zum Fliegen Soldat wird. Das hören die nicht gerne. Jeder Genosse soll auf dem Platz seinen Mann stehen, wo ihn die Partei hinstellt. Darum will ich eigentlich nicht in die Partei und Frank soll mich bekehren“. „Sie müssen ihren eigenen Weg gehen, das tun sie ja schon. Lassen sie sich nur nicht beirren und bleiben sie bitte, wie sie sind. Möchten sie noch ein Glas Wein?“ „Ja?“ Ich nicke ihr zu, dann hole ich die andere Flasche aus dem Kühlschrank. Ich öffne die Flasche und schenke nach. Wieder schweigen wir. „Möchten sie gerne Pilot bei der Interflug werden?“ fragt sie in die Stille hinein. „Ja, das würde ich so gerne. Ich werde nie ein richtiger Militär. In der Schule haben sie uns zu humanistisch denkenden Menschen erzogen, die in Frieden mit ihren Nachbarn leben und beim Segelfliegen lernte ich die Freiheit kennen. Humanismus und Freiheitsliebe, wenn die sich in einem festgesetzt haben, ist man eigentlich für den Offiziersberuf in dieser preußischen Armee verloren.“ „Und warum gehen sie dann nicht da weg?“ fragt sie. „Dann lassen die mich mein ganzes Leben nie wieder auch nur in die Nähe eines Flugzeugs, dann kann ich gleich auswandern“. Sie erwidert nichts. Nach einer Weile sage ich leise zu ihr: „Danke, dass sie mir zugehört haben und ich hier bei ihnen sein darf. Es tut gut. „Geht mir auch so“, sagt sie, „jetzt verstehe ich meinen Sohn viel besser. Er redet nicht so offen wie sie. Noch etwas Wein?“ „Nein danke, entschuldigen sie, ich bin hundemüde“. „Gut, ich zeige ihnen ihr Zimmer und das Bad“. Unter der Wirkung des süßen Weins schlafe ich sofort ein und erwache vom Duft frischen Kaffees. „Guten Morgen, hast du gut geschlafen?“ begrüßt mich Merlinger. „Meine Mutter ist ja total beeindruckt von dir. Was habt ihr nur geredet?“ „Über alles, worüber du eigentlich mit mir reden solltest, mein Bester“, antworte ich schlagfertig und will aus dem Bett springen, doch mein weinschwerer Kopf verlangsamt die Bewegung. Ich greife mir an die Stirn und ziehe Luft durch die Zähne. „Meine Mutter trinkt sonst nie etwas“, bemerkt Merlinger und deutet auf meinen Kopf. „Gestern schon. Ich bin in fünf Minuten bei euch“. Als ich die Küche betrete liest Merlinger die Zeitung, auf dem Tisch stehen frische Brötchen, Butter, Marmelade und ein Straus gelbe Rosen, die beiden Frauen bereiten Rührei zu, im Radio sagen sie gerade schönes Wetter an. „Guten Morgen, rufe ich vergnügt, ich habe gut geschlafen und es wird schönes Wetter“. „Guten morgen“, antworten die Damen gleichzeitig und lachen miteinander. „So, Frühstück ist fertig“, sagt Merlingers Mutter und zu ihrem Sohn: „wir könnten ja mal zum Mt. Klammott gehen, bei dem schönen Wetter, da kann Thomas ein Stück von Berlin sehen, wenn er schon mal da ist“. „Gute Idee“, entgegnet Merlinger, „zum Mittag können wir alle bei uns essen. Martina kocht Spaghetti mit Tomatensoße, nichts besonderes, aber mit Liebe gemacht“. „Einverstanden“, sage ich und wir frühstücken schweigend. Martina sieht gelöst aus und schaut mich neugierig an: „Marke“, so nennt sie Frank, „bringt nie Leute mit, du musst etwa besonderes sein, Thomas.“ Ich hohle tief Luft, verdrehe mit grinsendem Gesicht die Augen: „Das bin ich wohl“. Merlingers Mutter lacht laut los, ich stimme ein, die beiden wissen nicht, was sie davon halten sollen. „Wir hatten einen interessanten Abend, ihr auch?“, bringt sie lachend hervor. Die beiden schauen sich verdutzt an, lachen mit. Wir erklimmen den Mt. Klammott, jenen Berg aus Trümmern von der Bombardierung Berlins im Zweiten Weltkrieg. Der Blick für die geteilte Stadt weitet sich dort oben, die Luft erscheint weniger abgestanden als in den Straßen Berlins.

Von Angela Monika Arnold – Selbst fotografiert, CC BY-SA 2.0 de, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=5499057

Martinas lange, blonde Haare umwehen ihren Kopf und sie versucht ständig, sie aus dem Gesicht zu bekommen, senkt schließlich ihren Kopf um im nächsten Moment mit einem Schwung nach hinten, ihre Mähne hinter den Kopf zu werfen. Merlinger erklärt ihr belustigt: „Das ist wie beim Fliegen, geht nur mit Gegenwind“. „Ja, ja, ihr Flieger“. „Müssen wir nicht los, sonst schaffen wir das mit dem Mittagessen nicht mehr?“, fragt Martina. „Wir gehen zu Mutter, holen Tommis Sachen und dann zu uns“, legt Frank fest. Martina und Merlinger bewohnen drei Zimmer eines umgebauten zweistöckigen alten Industriebaus in einem Hinterhof. Die Wohnung ist geradezu kuschelig eingerichtet, Fenster hinter Blicke abweisenden Baumwollvorhängen verborgen. Martina und Merlingers Mutter verschwinden in der, mit Gewürzregalen überquellenden, klitzekleinen, fensterlosen Küche und hantieren mit Töpfen und Geschirr. Merlinger fragt mich, welche Schallplatte ich hören möchte. Ich wähle Morning Has Broken von Cat Stevens aus. Vorsichtig wird die große, schwarze Scheibe auf den Plattenteller gehievt, der Tonarm über dem Anfang platziert, mit einem Hebel abgesenkt, das anlaufen kontrolliert und der Deckel geschlossen. Diese Tätigkeit hat etwas erhabenes, strahlt so etwas wie Hingabe zu dem filigranen Gerät und dem empfindlichen Vinyl aus und stimmt einen damit auf den anschließenden Hörgenuss ein. Die Damen bedeuten rufend aus der Küche, dass es ruhig etwas lauter sein könne. Merlinger dreht auf, es wohnt niemand sonst in diesem Gebäude. Wir essen gemeinsam, schwatzen, trinken Kaffee, schwatzen weiter bis wir zum Zug müssen. Ich halte Martina für weniger verrückt als die meisten Menschen in dieser Republik und begreife Merlingers geschicktes Spiel mit der Armee: seine Freundin ist seine Schwäche, darum werden sie ihn niemals als vollwertigen Offizier und Militärflieger sehen, sein Name wird auf der Interflugliste ganz oben stehen und die Geschichte kommt auch nie ans Tageslicht, weil sie nur in Merlingers und meinem Kopf existiert. Der, Major mit seinem Misstrauen zu mir, wird mich nie zu Merlinger befragen – Schach matt, ihr lieben, mit euren eigenen Waffen. Ich bewundere Merlinger und hasse ihn gleichzeitig für sein falsches Spiel, denkt er, dass ich ihn nicht durchschaue? Er denkt es. Der Zug rollt aus Berlin heraus, wir unterhalten uns über seine Mutter und die Schulzeit in Berlin. Wir sind müde, einander auch ein wenig überdrüssig und schlafen im gleichmäßigen Geratter des Zuges ein. Merlinger wird am nächsten Früh kurzzeitig beim Kompaniechef vorstellig und befriedigt dessen Neugier. Alle sind mit dem Ergebnis unserer Berlinreise zufrieden.

Geschichte(n), die niemand braucht (20)

Die letzten Monate in der zweiten Kompanie gehören dem Lernen. Die Kompanieoffiziere setzen sich bei der Schulleitung durch und halten jedwede Störung des Studienbetriebes von der Kompanie fern. Die Genossen waren im Feldlager und erhielten dort eine umfassende militärische Ausbildung, Alarm – ohne uns. Irgendwie waren wir uns nähergekommen, durch Braunkohle und Generalsekretär zusammengeschweißt, war das militärische Tamtam zu notwendigen Zeremonie herabgesunken. Man hatte Schweine zusammen gehütet, sich näher kennen gelernt als jeder von uns wirklich wollte. In der Kasernenatmosphäre baute sich diese Nähe nun wieder ab. Die Zugführer begannen wieder die üblichen Fragen zu stellen, ihre Berichte zu schreiben und ihre Spielchen zu spielen. So verpasste mir der Kompaniechef einen gemeinsamen Urlaub mit Merlinger, der eigentlich Frank Mannheim hieß, aber weil er seine Nase oft in Bücher von Robert Merle steckte, diesen Spitznamen erhielt. Wir fahren in unserer Ausgangsuniform mit dem Personenzug zweiter Klasse von Bautzen nach Dresden und steigen dann in den Schnellzug nach Berlin Schöneweide um. Ab Dresden haben wir Sitzplätze, sind alleine im Abteil und können reden. Ich möchte wissen, woran ich bin und beginne: „Du Frank, wir beide mögen uns doch nicht so sehr, dass du mich mit zu deiner Familie nach Berlin schleppen musst. Warum, in Gottes Namen tust du das?“ „Das ist eine lange Geschichte und sehr persönlich“, antwortet er. „Erstens haben wir Zeit und zweitens weist du ganz genau, dass ich keiner der beiden Fraktionen in der Kompanie angehöre, weder den Zuträgern noch den Dummschwätzern. Du bist schlauer als ich, aber ich spüre es, wenn mich jemand bescheißen will, also versuch es erst gar nicht. Vielleicht können wir ja etwas voneinander lernen. Du kannst doch auch mit keinem richtig reden“. Merlinger nickt, er will reden. Wir sitzen gegenüber, zwischen uns am Zugfenster, der Klapptisch, darauf zwei offene, kleine Flaschen Dresdner Pilsener. Wie zwei Menschen, die Geheimnisse zu besprechen haben, neigen wir unsere Körper aufeinander zu, stecken die Köpfe zusammen, wie man so schön sagt und Merlinger fängt an zu erzählen: „Du hast mitbekommen, dass ich vor drei Wochen eine Woche Sonderurlaub hatte?“ „Ja, für deine guten Leistungen, du warst total fertig, als du wiederkamst. Ich dachte neidisch: man, muss Marke eine tolle Braut haben. Darüber zu reden, ist ja unter deinem Niveau, darum hat dich keiner gefragt. Aber erzähl weiter“. „Ich musste meine Freundin in die Psychiatrie einliefern, sie ist vollkommen zusammengebrochen, als ich meinen Koffer gepackt habe. Du musst wissen, wir leben schon seit der zehnten Klasse zusammen, so richtig. Wir haben jeden Schritt gemeinsam getan, zwei Jahre lang. Nun kommt sie nicht mehr zurecht, ohne mich. Ich bin deswegen vor dem Sonderurlaub bei Major John gewesen und habe ihm die Sache erklärt. Er fragte, was ich zu tun gedenke und ich antwortete, dass mir Martina wichtiger sei als die Offiziersausbildung. Er ist krebsrot angelaufen und hat mich angefaucht: „Genosse Mannheim, warum denken sie, bin ich Kompaniechef an der Offiziershochschule und machen mir täglich den Stress, dass aus Leuten wie ihnen ordentliche Soldaten werden? Ich werde es ihnen sagen. Weil ich dafür einen großen Haufen Geld bekomme, jeden Monat und weil ich eine schöne Frau zu Hause habe, die ich mit dem Geld halten kann. Ihre Martina würde ihnen weglaufen, wenn sie jeden Monat mit siebenhundert Mark nach Hause kommen würden, denken sie nicht. Man, was gäbe ich darum in ihrer Haut zu stecken. Sie haben die beste Karriere vor sich, die dieses Land zu bieten hat. Aus ihrem Zug kommt die Mehrzahl zur Interflug, ich bin mir sicher, dass sie dabei sind. Werfen sie das nicht weg. Wenn sie dennoch nach Hause wollen, machen wir sie so fertig, dass sie ihre Martina nicht mehr anschaut. Überlegen sie gut, Genosse Mannheim. Ich gebe ihnen eine Woche, um ihre privaten Angelegenheiten zu ordnen, danach stehen sie mir hier Rede und Antwort. Holen sie sich heute Nachmittag ihren Urlaubsschein ab. Da sie der beste ihres Zuges sind und ich auf keinen Fall will, das dieser Fall als Beispiel für andere dient, gebe ich ihnen den Sonderurlaub als Auszeichnung und erwarte ihr Stillschweigen. Gehen sie jetzt.“ Merlinger steht auf, schiebt den Stuhl in seine Position am Konferenztisch des Dienstzimmers, setzt sein Käppi auf, peilt mit der Hand über die Nase, ob es gerade auf seinem Kopf sitzt, richtet das Koppelschloss und entfernt die Falten aus der darunter liegenden Uniformjacke, führt die rechte Hand zum soldatischen Gruß an die Schläfe und fragt vorschriftsmäßig vor dem Verlassen des Dienstzimmers: Genosse Major, gestatten sie, dass ich den Raum verlasse ? Sagte ich bereits, Genosse Offiziersschüler. Dann war ich eine Woche bei Martina, was alles nur noch schlimmer gemacht hat. Du wirst sie kennen lernen. Mach dir ein Bild. Ich liebe sie so wie sie ist. Als ich zurück war, hat mich Major John gleich zu sich gerufen. Wir haben vereinbart, dass ich jedes Wochenende nach Berlin fahre. Dann hat er mich über dich ausgefragt, warum du nicht Kandidat der Partei werden willst. Ich habe ihm gesagt, du würdest zu hohe Ansprüche an dich selbst stellen und dich nicht mehr trauen. Dann hat er mir im Gegenzug für seine Großzügigkeit aufgetragen, mich mit dir zu beschäftigen, dich auszufragen und nun erzähle ich dir das alles, weil ich dich für den ehrlichsten und geradlinigsten Menschen der ganzen Kompanie halte“. „Danke für die Blumen, sage ich, du willst mich doch nicht wirklich aushorchen, oder?“ „Nein, ich denke, hinsichtlich dieses Problems ist zwischen uns alles gesagt. Ich werde ihm sagen, dass du am neuen Standort, in Kamenz um Aufnahme als Kandidat bittest. Ist das in Ordnung so?“ „Ja, danke“, entgegne ich. „Was werden wir in Berlin tun?“ „Wir gehen in die Klinik und holen Martina raus, dann fahren wir zum Abendessen zu meiner Mutter, du übernachtest da, Martina und ich gehen in unsere Wohnung. Meine Mutter lebt alleine und freut sich schon auf deinen Besuch. Sie dürfte eine interessante Gesprächspartnerin für dich sein. Du liest ziemlich viel und sie ist Deutschlehrerin“. „Darum sprichst du als Berliner so sauber hochdeutsch“, witzele ich. „Ja“, antwortet er mit einem Seufzer. „Deine Mutter ist nicht einverstanden mit dem, was du tust?“, frage ich. „Eigentlich schon. Martina ist ihr sehr ähnlich. Meine Mutter kann aber nicht mit ihr zusammenleben, ihre Kraft reicht gerade für sie selbst“. „Verstehe“, sage ich, „ich werde dieses Thema vermeiden. Wird sie sich nicht fragen, warum du mich mitzerrst, schließlich sind wir ja nicht gerade die dicksten Freunde?“ „Sicherlich“, antwortet er, „aber sie wird es nicht aussprechen und wenn du nicht von selber damit anfängst, wird es kein Thema sein, also halte dich an die Literatur und ihr werdet einen netten Abend haben“. Wir steigen aus dem Zug, ich kaufe auf Anraten Merlingers eine Flasche Tokajer für den Literaturabend und einen Straus Blumen, wir holen Martina ab und fahren mit der S-Bahn nach Pankow zur Merlingers Mutter. Martina ist eine wirklich schöne Frau, hat Ähnlichkeit mit Romy Schneider. In ihrem rot gepunkteten, hellen Sommerkleid rutsch sie auf Merlingers Schoss hin und her, während sie ihn ununterbrochen küsst. Die Schirmmütze tief in seinen Nacken, halten seine Arme das zarte Wesen fest. Die Fahrgäste schauen dem Liebespaar schmunzelnd zu und tuscheln miteinander. Hand in Hand erklimmen die beiden vor mir die drei Etagen zu der Altbauwohnung von Merlingers Mutter.

Geschichte(n), die niemand braucht (19)

 

Es gab dann doch noch eine Woche Sonderurlaub, sofort anzutreten und für alle. Ich fuhr mit dem Zug nach Hause, packte das gelbe, polnische Bergzelt und meine Reistasche auf die Seitengepäckträger meines Motorrades und fuhr in Richtung Prag. Uwes Erzählungen über die Tschechoslowakische Hauptstadt hatten mich neugierig gemacht. Es sollte mitten in der Stadt einen Campingplatz am Ufer der Moldau geben, den ich dann tatsächlich auch auf Anhieb fand. Kaum hatte ich mein Zelt errichtet, die paar Heringe notdürftig im steinharten Zeltplatzboden mittels eines Schraubenschlüssels aus dem Motorradwerkzeug versenkt und meine Sachen lieblos durch die Zeltöffnung ins Innere geworfen, da höre ich vertraute Stimmen: Olsen und Ralle aus meinem Zug mit einer jungen Dame. „Was macht ihr denn hier?“ rufe ich ihnen überrascht entgegen. „Die Welt ist ein Dorf“, meint Ralf. Und Olsen: „Bist du alleine hier?“ Ich nicke. „Das hätte ich nicht von Dir gedacht“. „Warum nicht?“, frage ich erstaunt zurück. „Ich dachte, du interessiert dich nur für Segelflug.“ „Willst du mich nicht vorstellen?“ fragt die junge Dame dazwischen und legt Olsen ihren Arm auf die Schulter. „Wenns sein muss“, knurrt der, mehr zu mir, als zu ihr. „Das ist Tommy, schläft über mir im Doppelstockbett“, wendet sich zu mir und zeigt auf seine Schwester: „Mein Schwesterherz.“ „Heike“, ergänzt sie und reicht mir ihre Hand. „Zum Glück sieht du ihm überhaupt nicht ähnlich“, scherze ich und Ohlsen boxt mir in den Bauch, ich spiele einen Zusammenbruch, sie schreit ihn an und ich komme lachend hoch: „keine Angst, haben wir bis gestern noch geübt“. „Ihr Volltrottel!“, schreit sie uns an und geht. Ich schauen sehnsüchtig dem sanft wiegenden Bewegung ihres wohlproportionierten Hinterteils nach, als Olsen mich erneut in den Bauch boxt: „Finger weg!“, dröhnt es in mein Ohr. Hungrig und durstig von der Fahrt, erkundige ich mich nach den Örtlichkeiten. Ralle zeigt auf ein Haus und erklärt: „Ab Sechs ist das Klo auf, wenn du bis halb acht nicht warst, stehst du eine halbe Stunde an und hast kein warmes Wasser mehr beim Duschen, außerdem sind die Hörnchen beim Frühstück alle. Abendbrot gibt’s bis zwanzig Uhr, danach nur noch Bier aus Pappbechern, Erdnüsse und Gurken aus dem Glas. Wir leben schon einen Tag so, man gewöhnt sich dran und muss davon garantiert spätestens um sechs aufs Klo. Also nimm Geld mit und folge uns“. Wir stehen den ganzen Abend am Tresen der viel zu engen Kneipe, trinken Bier und Slibowitz, essen Nüsse und Gurken und lassen die Atmosphäre auf uns wirken: Lautes Stimmengewirr in fremden Sprachen, unbekannte Gerüche und Polka aus dem Radio. Heike tastete sich ganz allmählich an Olsen vorbei bis sie neben mir am Tresen steht. „Gehst Du morgen mit uns?“ fragt sie mich. „Wenn es dir Freude macht“, antworte ich höflich. Sie grinst mich an: „Hast wohl Angst vor meinem Bruder?“ „Nein“, entgegne ich, „wir sind etwa gleich stark“. Sie lacht so herzlich, das es ansteckend ist. Es ist unsere erste Gemeinsamkeit, und führt dazu, dass wir uns mit abebbendem Lachen in die Augen schauen: da ist mehr als nur Neugier. Olsen bemerkt es und bricht den Abend sofort ab: „Lasst uns ins Zelt gehen, es ist Zeit. Nacht Tommy“. Er packt Heike bei der Hand und zerrt sie aus der Kneipe, sie zwinkert mir zu und winkt mit der anderen Hand. Ralle grinst: „Er schläft zwischen uns…, Nacht“. „Nacht Ralle“, rufe ich ihm hinterher, zahle und schlendere, nach den Lichtern auf der anderen Moldauseite und den Sternen schauend, zu meinem Zelt.

Prag ist wunderschön. Und Heike interessiert sich zunehmend für mich. Irgendwann trennen wir uns von Olsen und Ralle um eigene Wege zu gehen. Wir brauchen eigentlich nur einen großen Bogen um jeden Biergarten zu machen und schon sind wir vor ihnen sicher. Heike hat gerade ihr Abi geschafft und beginnt in ein paar Tagen Wirtschaftswissenschaften zu studieren. Wir halten einander an den Händen, tollen herum bis es dunkel wird und fahren mit der letzten Bahn zurück. Olsen und Ralle stehen in der Kneipe, das übliche. Olsen sagt nichts, sein Gesicht spricht Bände, wenn Blicke töten könnten, ich trinke ein Bier, verabschiede mich, gehe zum Zelt. Heike liegt schon unter meinem Schlafsack: „Ich kann leider nicht richtig, wir kuscheln ein wenig“, verkündet sie und während ich mich entkleide, streift sie ihr Shirt ab. Das fahle Licht der Quecksilberdampflampe fünf Meter über uns nimmt durch die gelbe Nylonwand meines Zeltes eine freundliche helle Farbe an. Ich streich über die zarte Haut ihres Gesichtes, sie küsst mich. „Glaube ja nicht, dass ich mit jedem gleich ins Bett gehe, flüstert sie mir ins Ohr“. „Das hier ist kein Bett“, witzele ich. „Du blöder Kerl, ich glaube, ich habe mich in dich verliebt“. „Du glaubst es? Oder ist es die Gelegenheit“, hauche ich flüsternd in ihr Ohr, während sich meine Hände über ihre Brust hermachen. „Du nutzt doch diese Gelegenheit“, höre ich aus dem leisen Seufzen an meinem Ohr heraus. Wir hören Stimmen, halten inne. Heike legt meine Hand wieder auf ihre Brust und küsst mich: „Ich bleibe heute Nacht bei dir, ist mir egal, was mein Bruder denkt“. Ich schiebe meine Zunge über ihren feuchten Körper, während sie verzückte Geräusche machend, mit ihren Händen mein Glied zwischen ihre Oberschenkel drückt und damit an ihrem Slip reibt. Ich ziehe die Luft zwischen meinen Zähnen durch vor Erregung und flüstere: „Das geht schief, wenn du da weiter reibst mache ich dich gleich nass“. „Na und“, haucht sie und drückt mich ganz fest an sich.

„Du musst mich unbedingt besuchen, in Berlin“, sagt sie nach einer Weile. „Wir haben doch noch vier Tage. Und Nächte“, flüstere ich und wandere mit meinen Fingern über ihre zarte Haut. Olsen nimmt es murrend hin, dass seine Schwester ausgerechnet mich unter Millionen von verfügbaren Männern ausgesucht hat und pflegt nach unserer Rückkehr eine Art familiären Umgang mit mir. Wir treiben zusammen Sport, er schließt sich meiner Lernpatenschaft zu Uwe an und wir gehen gemeinsam aus. Olsen hat zusammen mit Hardy, dem dritten Bewohner unseres Zimmers, Schiffbauer gelernt. In Kamenz absolvierten sie gemeinsam das uniformierte Abitur. Einerseits erachtete ich es damals als verschwendete Zeit, einen artfremde Beruf zu erlernen, wenn die Fliegerärzte das o.k. zur Luftfahrerkarriere gegeben haben, andererseits bewunderte ich an diesen Leuten ihre Gelassenheit. Sie haben einen Beruf gelernt und gearbeitet, richtiges eigenes Geld verdient und leben mit dem beruhigenden Gefühl, falls alles schief geht, dorthin zurückkehren zu können, zu den alten Kollegen, in ein bekanntes Umfeld. Würde ich gehen, stünde ich vor dem Nichts: Studiensperre für Jahre und ohne Beruf, Erfolgsdruck. Olsen bekommt mit, dass Briefverkehr mit zwei Heiken habe und stellt mich zur Rede: Die Beziehung zu meiner alten Freundin Heike ist rein platonisch. Er glaubt mir nicht und verlangt einen Abschiedsbrief, wenn ich mit ihm nach Berlin will. Ich schreibe einen, in dem nichts von Abschied steht, aber die rechte Adresse und werfe ihn unter Olsens Aufsicht in den Kasten. Dann darf ich nach Berlin. Olsens Familie wohnt in der 12 Etage eines Edelplattenbaus mitten in Berlin: großzügiger Wohnungsschnitt, 5 Zimmer, Fahrstuhl, Fernheizung, Müllschacht. Beide Eltern haben gut bezahlte Posten im Landwirtschaftsministerium. Olsen hat noch einen jüngeren Bruder und Heike ein eigenes Zimmer. Dort darf ich meine Sachen abstellen. Heike und ich gehen aus, um Zeit für uns zu haben. Berlin ist nicht Prag. Wir spüren beide, dass sich die Urlaubsliebe schwer in den Alltag umsetzen lässt, verdrängen das Gefühl, versuchen ausgelassen zu sein. Der Abend endet mit Berliner Pilsener, mit einer beleidigten Heike, die lange vor mir in ihr Bett steigt, während ich meinen Rausch auf dem Gästebett ausschlafe: die Brüder haben ihr Schwesterlein optimal vor mir, dem bösen Waldschrat geschützt. Olsen weckt mich mit guter Laune, der Tag wird nicht zu meinen Besten gehören und Heike verabschiedet mich ohne Kuss zum Zug nach Bautzen. Da Olsen keine Briefe seiner Schwester mehr bei mir vorfindet, stellt er seine familiären Beziehungen zu mir alsbald ein. Ich schreibe wieder an meine platonische Beziehung.

Geschichte(n), die niemand braucht (18)

 

Unser kleiner 15 Personen Zug kämpft sich wacker durch die Theorieausbildung, bis diese im Sommer erneut für sechs Wochen unterbrochen wird. Die Jagdflieger in unserem Hause drehen bereits ihre Runden auf dem Strahltrainer L 39, als der Befehl kommt, 60 OS des ersten Studienjahres in Marsch zu setzen um bei dem geplanten Truppenbesuch von Erich Honecker Fliegertrainingssport vorzuführen. Da alle anderen unabkömmlich sind, trifft es wieder unser Kompanie. Der Hauptfeldwebel führt einen Appell zur Überprüfung von Bekleidung und Ausrüstung durch, wir bekommen Gelegenheit, fehlende persönliche Gegenstände bei der Militärischen Handelsorganisation nachzukaufen, alles in eigens ausgegebene Seesäcke zu verstauen und auf die vorgefahrenen Lkws zu verladen. Aus Teilen des fliegertechnischen Bataillons wird in aller Eile eine Einheit formiert, die eine Zeltstadt errichten und das Leben darin sicherstellen soll. Die Genossen haben einen Tag Vorsprung. Der Sport-Oberst der Schule, Vorgesetzter aller Sportoffiziere, nutzt diesen Tag für eine gründliche Einweisung. Wir rücken im Trainingsanzug in die Sporthalle ein und nehmen auf dem schweißgetränkten, nach Bohnerwachs stinkenden Parkettboden der Halle Platz. Der Obert ist ein hoch aufgeschossener, sportlicher Endfünfziger in gut sitzender Uniform der Luftstreitkräfte. Er spricht langsam und klar mit väterlichem Tonfall und thüringer Akzent. „Genossen Offiziersschüler, wir haben die Ehre, in sechs Wochen vor dem Generalsekretär eine Vorführung unseres Fliegertrainingssportes zu machen“, verkündet er mit väterlicher Stimme. Eine, an der mit Holz verkleideten und graugrün lackierten Hallenwand befestigte Karte zeigt das Geländes des Flugplatzes Preschen. Aus Vorlesungen über die eigenen Streitkräfte wissen wir, dass sich Preschen etwa 25 Kilometer südlich der Stadt Forst in der Lausitz, mitten im Wald befindet. „Genossen, die Karte zeigt das Gelände des Flugplatzes Preschen. Hier an der Ringrollbahn wird die gesamte Flugtechnik der Luftstreitkräfte vorgeführt und an dieser Stelle, er deutet mit seinem verchromten Teleskopzeigestock, in russischer Bauform als Kugelschreiber erhältlich und Zeichen dafür, dass man eine russische Militärakademie besucht hat, auf einem Punk südlich der Ringrollbahn, „stehen unsere Fliegertrainingsgeräte“. Sein Zeigestock bewegt sich entlang der Rollbahn, biegt in einen schmalen Betonweg Richtung Süden ab, welcher mitten im Wald endet. „Hier Genossen, wird in diesen Stunden unser Zeltlager errichtet“. Er tritt an die Nächste Karte heran und deutet kurz auf die Symbole: „Unterkunft in Mannschaftszelten, Donnerbalken fürs große Geschäft, Waschplatz, keine Angst Genossen, wir fahren alle zwei Tage in ein Freibad zum Schwimmunterricht. Weiter: hier, unsere Feldküche, Fernsehzelt, Kinoleinwand, ich lasse die besten Kinofilme ranschaffen, die wir kriegen können. Genossen, es wird nicht einfach“. Der Oberst geht zur nächsten Karte: „Hier sehen sie den Aufbau der Fliegertrainingsgeräte“, deutet auf die Symbole, „Triplex, Rhönrad, Barren, Trampolin, die Bodenmatten. Hier ist unsere Ausgangsstellung, wenn der Generalsekretär eintrifft, laufen wir auf diesem Wege zur Musik ein und ich mache persönlich Meldung an Genossen Honecker. Dann teilen wir uns auf mein Kommando zu den Geräten. Während Sie selbständig üben, erläutere ich dem Generalsekretär die Übungen. Die Übungen dauern so lange an, wie es die Zeit des Genossen Honecker erlaubt. Auf sein Zeichen und mein Kommando treten wir sofort in Reihe und Glied an zur Verabschiedung: Genosse Erich Honecker, er lebe hoch, hoch, hoch. Da ist alles, Genossen Offiziersschüler. Für heute habe ich erste Übungen für den Einmarsch und etwas Bodenturnen Vorgesehen. Die Genossen Zughelfer zu mir!“. Drei Offiziersschüler bauen sich vor ihm auf, melden sich: „Genosse Oberst, Offiziersschüler Früh, Zughelfer zweite Kompanie, erster Zug!“. „Danke Genossen! Offizierschüler Früh bleibt hier, er wird das Kommando führen, die anderen zurück ins Glied!“, entscheidet er nach dem Äußeren der drei Genossen vor ihm. Wir formieren die Kompanie jetzt neu in Dreierreihe, exakt der Größe nach. „Am Training nehmen alle Genossen Teil, zur Vorführung nur die besten 50. Der Rest bleibt als Reserve im Feldlager. Also strengen Sie sich an, damit sie dabei sein können“. Der Oberst hat eine persönliche Ordonanz, den Gefreiten Schmidt, welcher den grünen Dienstwagen, Marke Lada 1500 fährt und alles dienstbeflissen erledigt, was ihm befohlen wird. Auf ein Handzeichen fährt er nun das Band im speziell für die Streitkräfte vom VEB Stern Radio Berlin gebauten Radio-Kassettenrecorder ab. Dem Lautsprecher entströmt ein Musikstück, welches geeignet scheint, gezähmte Vierbeiner in einer Reithalle auflaufen zu lassen. Während wir zunächst nur mit Mühe unser Lachen zurückhalten können, begreifen wir ein paar Takte später, dass dem Oberst damit verdammt Ernst ist und wir wohl oder übel zu dieser Musik herumhopsen müssen. Selbst den hart gesottenen unter uns geht in diesem Augenblick die proletarische Gelassenheit verloren: wir lernen, wie die Tanzpferde einzulaufen und so mancher versteht den Sinn des Begriffes: einen Einlauf machen, völlig neu. Nach stundenlangen choreografischen Übungen endet, zum Glück, auch dieser Tag. Am nächsten Morgen verlegen wir in unser Feldlager nach Preschen. Entlang des betonierten Weges, welchen wir schon von der Karte in der Turnhalle kennen, stehen die grünen Stoffzelte mit quadratischem Grundriss und spitzem Dach, wie sie in der ganzen Republik von Ferienlagern, dem Roten Kreuz, der Zivilverteidigung bis zur Armee verwendet werden. Im Zeltinneren befinden sich, auf einem Lattenrostboden,  normale Doppelstockbetten aus Eisen mit Matratzen und Armeeschränke. Wir verstauen unsere Sachen in den Schränken und legen die Schlafsäcke auf die Betten, besichtigen die offene Latrine für 10 Personen und die Waschrinne mit 20 Wasserhähnen im Wald. Auf dem Weg hantieren drei Soldaten an zwei Feldküchen, die mit einer Kuppel aus Tarnmaterial überspannt sind. An einer der Feldküchen finde ich drei Hähne mit, an kleinen Ketten hängenden Schildern: Trinkwasser, Tee, Kaffee. Die Trillerpfeife von OS Früh reißt uns aus der Entdeckungsreise: „Genossen Offiziersschüler, Zugweise antreten!“ Alles rennt durcheinander um ein paar Augenblicke später in Reih und Glied auf dem Beton zwischen den Zelten zum Stillstand zu kommen. Major John und seine Zugführer treten aus dem Offizierszelt hervor, OS Früh erstattet Meldung: „Genosse Major, Zweite Kompanie, wie befohlen angetreten, OS Früh!“ Major John schreitet die Front seiner angetretenen OS ab, die Augen folgen seinem Kopf. Zurück bei seinen Offizieren, beginnt er seine Ansprache: „Genossen, in 30 Minuten ist Zeltdurchgang durch die Zugführer, bis dahin sind alle Mängel abgestellt. Wenn ihre Zelte abgenommen sind, dürfen sie zum Essen fassen mit Kochgeschirr. Ab morgen gibt es richtiges Geschirr und zwei Essenszelte. Frühstück und Abendbrot werden in Beuteln angeboten. Warme Getränke, er zeigt auf die Feldküche, gibt es jederzeit dort, Brause, Cola und Zigaretten verkauft der Hautfeld in seinem Zelt, der hat auch das Klopapier, für Wehwehchen steht der Sankra bereit. Heute Abend läuft im Kino, er deutet auf die Leinwand am Ende des Zeltlager, 20000 Meilen unter dem Meer von Jules Verne. Fragen ? Ja, Genosse OS“. „Genosse Major, OS Heintz, Wo dürfen wir die Handtücher zum Trocknen aufhängen?“ „Hauptfeld?“ fragt der Major und schaut fragend in das aufgedunsene Gesicht seines besten Trinkers. „Die OS können die Handtücher erst mal über die Fußenden der Betten hängen. Morgen lasse ich eine Wäscheleine spannen und mit einer Plane überdachen, hoffentlich hat jeder Genosse, wie befohlen seine Initialen in Unterwäsche und Handtücher gestickt.“ „Da ist noch eine Frage, ja OS Sprengl ? Genosse Major, dürfen wir hier Post bekommen? Wenn ja, wie ist die Feldpostnummer und kommen auch Wäschepakete hier an?“ „Hauptfeld?“ „Ja, wir fahren alle zwei Tage baden, da kann geduscht werden, auf dem Weg halten wir bei der Post, wegen der Wäschepakete. Briefe und Pakete kommen unter der Feldpostnummer 77814 hier an und werden durch mich, wie gehabt, kontrolliert. Übrigens, auch hier herrscht Alkoholverbot Genossen Offiziersschüler“. Überrascht von der gedanklichen Klarheit schaut der Major seinen Untergebenen einen kurzen Moment schweigend an: „Danke Hauptfeld. Ich denke, es sind genug Fragen für heute. Leben wir uns erst mal ein. OS Früh, lassen sie wegtreten!“ „Jawohl, Genosse Major!“, brüllt der los, „Kompanie Achtung! Wegtreten!“ Wir knallen die Hacken unserer Stiefel zusammen, drehen uns geschickt nach links um 180 Grad, machen jeder einen großen Schritt und gehen unserer Wege. Der Hauptfeld hat zwar den Genossen Alkohol zum besten Freund, beweist jedoch in den wirklich wichtigen Dingen des Lebens in der Kompanie ein sicheres Händchen: an der Feldküche stehen ein drei Sterne Koch aus einem Interhotel und zwei Bausoldaten, so nennt man in der NVA Grundwehrdienstleistende, welche den Dienst an der Waffe verweigern. Sie tragen symbolisierte Spaten auf Kragenspiegeln und Schulterstücken und verrichten normalerweise körperlich schwere Arbeiten. Nun gehen sie einem Zauberer auf der Gulaschkanone zur Hand. Schon nach wenigen Tagen gehören sie einfach zu uns, fahren mit zum Baden und bekommen, im Gegensatz zu uns, sogar Ausgang. Jeden Morgen nach dem Frühstück fahren wir mit unserem W 50 zu dem Ort unserer späteren Vorführung. Der unebene Lausitzsand wurde durch eine Raupe begradigt, geharkt und mit dicken Filzmatten belegt, die jeden Abend abgekehrt werden. Darauf stehen, mit Erdankern befestigt, die Trainingsgeräte, der große Trampolin ist in den Boden eingelassen. Zuerst wird, quasi als Erwärmung immer der Einmarsch geübt. Statt wie die Gladiatoren vor Kraft strotzend, mit festem Blick, jeden Feind des Sozialismus abschreckend, werfen wir, im Takt der Pferdemusik, unsere Knie fast bis in Brusthöhe. Dabei dürfen wir nur winzige Entfernungen bei jedem Schritt zurücklegen, damit das Gesamtbild für den Generalsekretär längere Zeit erhalten bleibt. „Lächeln, Genossen, lächeln, wir sind doch kein trauriger Haufen“, krächzt die Stimme des Oberst aus einem Megafon. Immer wieder zählt er mit dem Finger Reihe und Glied ab und macht sich Notizen. Ich spüre seinen Finger auf meinem Körper und ziehe meine Knie höher, zu spät, ich bin notiert. Ist der Ruf erst ruiniert, lebt sich´s dann recht ungeniert. So kommt es denn auch: zusammen mit sieben anderen OS aussortiert, kümmern wir uns fortan täglich um den Zustand der Anlage. OS Früh mutiert zum Liebling des Oberst. Seine Stimme entspricht, mit ihrem lauten, donnernden Bass, genau dem Idealbild der Militärs. Sein hoch gewachsener, massiger Körper wird gekrönt von einem kantigen Kopf mit strengen Gesichtszügen und kurzem, blondem Igelschnitt. Ab der ersten Trainingsminute färbt sich sein Gesicht rot und symbolisiert Kraftanstrengung und Aufopferung. Leider muss der Oberst feststellen, dass sich unter Frühs Sportkleidung nicht nur Muskeln verbergen, denn er schafft einfach den Oberarmstand auf dem Barren nicht. Aber gerade da soll er später auftreten und nach seiner Übung vom Oberst aus dem Trainingskreis herausgenommen und zum Gespräch mit dem Generalsekretär geführt werden. Dieser Teil der Aufführung wird täglich mehrfach mit Major John in der Rolle als Erich Honecker trainiert. Text OS Früh: „Genosse Vorsitzender des Nationalen Verteidigungsrates, zweite Kompanie beim Fliegertrainingssport, Offiziersschüler Früh!“ „Danke, Genosse“, lautet die vermutete Antwort Honeckers aus dem Munde des Majors. Mit den Worten: „Genosse Früh, kommen sie mal“, nimmt ihn der Oberst bei Seite und fährt fort: „So geht das nicht. Sie müssen besser werden. Trainieren sie in jeder freien Minute. Nehmen sie sich zwei OS mit, Sprengl, der ist Turner und den Matzkus, der hat Kraft. Üben sie am Barren, der Generalsekretär wird fünf Meter neben ihnen stehen. „Zu Befehl, Genosse Oberst“, donnert Früh. „Gut, mit ihrem Befehlston bin ich sehr zu frieden, nehmen sie sich den Fahrer und den Kübel der Kompanie für ihre Trainings, ich regle das sofort mit ihrem Kompaniechef, weitermachen“. „Zu …“, „Schon gut, Genosse Früh“, fällt ihm der Oberst ins Wort. Er lässt sich von der Ordonanz das Megafon reichen und sagt mit väterlich, versöhnlicher Stimme hinein: „Genossen Offiziersschüler, heute nach dem Baden genehmige ich eine Flasche Bier für jeden“. „Hurra, hurra, hurra!“ schreien wir unwillkürlich. Das Training und unsere Verschönerungsaktionen gehen weiter. Pünktlich zum Mittagessen liegen Post und Zeitungen in den Zelten bereit. Nach 60 Minuten Pause, sind 45 Minuten politisches Gespräch befohlen. Dazu sitzt der dritte Zug mit Oberleutnant Walter im Moos unter dem duftenden Dach des Kiefernwaldes. Jeden Tag führt ein anderer OS eine Zeitungsshow durch, indem er die Überschriften aus der Jungen Welt, dem Verbandsorgan der Freien Deutschen Jugend verliest und mit ein paar eigenen Worten diskutiert. Danach sprechen wir über unsere kleinen Problemchen im Lager. Ich erlaube mir folgende Frage: „Genosse Oberleutnant, existiert schon ein Plan, wie wir den versäumten Unterricht nachholen?“ „Ja, Mathematik ist gestrichen, Meteorologie wird verkürzt durchgezogen, GEWI wird es am Standort Bautzen, zu Gunsten der spezial-fachlichen Ausbildung, nicht mehr geben, dafür bekommen sie den wissenschaftlichen Kommunismus in Kamenz“. Mit etwas Erstaunen, als habe er die Frage erwartet, vernehmen wir die Antwort unseres Oberlolli, so sein Spitzname. Mit Bemerkungen wie: Das wird ein Stress, oder: dann setzen sie uns den großen Trichter an, machen wir uns Luft. Damit gar nicht erst über Sinn und Zweck dessen, was wir gerade hier tun, diskutiert wird, sagt Oberlolli abschließend: „Kommt Zeit, kommt Rat, Genossen, erst müssen wir unsere Aufgabe hier erfüllen“.

Der Oberst ist sich seiner Wahl der Teilnehmer an der Vorführung betreffend sicher und wir die Aussortierten sind nun nicht mehr ständig bei den Trainings anwesend. Wir halten das Zeltlager in Ordnung, unterstützen Koch oder Hauptfeld oder haben jede Menge Freizeit. Ich beobachte einen Flugdienst der hier stationierten Jagdflieger. Geflogen wird mit dem Typ Mikojan MIG 21. Die Piloten nennen dieses Flugzeug Friedenstaube, denn man kann mit ihr nicht wirklich kämpfen. Der Deltaflügler fällt durch seinen Rumpf in Form eines Rohres, aus dem vorne ein Kegel herauslugt, auf. Unter den dünnen, scharfkantigen Flügeln hängt je eine Luft-Luft Rakete, an den Flügelenden je eine weitere. Bei paarweisem Abschuss können zwei Ziele bekämpft werden, dann ist das Flugzeug unbewaffnet und muss fliehen. Dafür hat der Flieger ein Funkmessvisier und fliegt sehr schnell und ist allwettertauglich. Das Geschwader möchte zu Ehren des Generalsekretärs den Start von einer kurzen Graspiste demonstrieren. Ein entsprechende Stück ist mit roten Fähnchen abgesteckt. Da die 21 normalerweise schon die Hälfte der 3000 Meter Piste für den Startlauf benötigt und Gras mit viel geringeren Bodendruck als Beton das Abheben eher noch verzögern würde, werden die MIGs mit Starthilfsraketen bestückt. Paarweise am hinteren, unteren Rumpf befestigt, erzeugen die Feststoffbrennsätze laut pfauchende Flammen nach hinten unten und schieben den Flieger zusammen mit dem Nachbrenner des Haupttriebwerkes sehr rasch in die entgegen gesetzte Richtung. Nach dem Brennschluss fallen die Raketen zu Boden und die MIG zieht steil in den Himmel. Mit ihren vier Waffen und wenig Kraftstoff ist sie nun leichter als der Schub des Triebwerkes, wird also selbst senkrecht nach oben schneller. Luftüberlegenheitsjäger nannten die Strategen des reinen Luftkrieges so etwas mal. Die MIGs sollten feindliche Bomber mittels Funkmessvisier aus großer Entfernung mit ihren weitreichenden, sich selbst ihr Ziel suchenden Raketen angreifen und vernichten. Doch die Zeit blieb nicht stehen: die Bomber werfen heute weit vor dem gegnerischen Luftraum Flügelbomben ab, die dann mit eigenem Antrieb in extrem geringen Höhen navigieren, das Bodenradar der Luftverteidigung des Feindes unterfliegen um unerwartet und präzise im Ziel einschlagen. Die Friedenstaube ist Nostalgie, absolute Verschwendung von Volkseigentum. Hätte ich das zu diesem Zeitpunkt geäußert, wäre ich wegen Wehrkraftzersetzung weggeschlossen worden. Eine Woche vor Erich treffen weitere Exponate zum Vorführen ein: alle in den LSK verwendeten Flugzeuge und Hubschrauber mit ihren Besatzungen. Für uns Nichtsportler die Gelegenheit alles ausgiebig zu besichtigen. Da stehen die Verbindungsflugzeuge Z 43, das Bienchen, die AN 2, die L 410, der Transporter AN 26, die Hubschrauber Mi 2, Mi 8 nebst ihrer Seevariante mit Schwimmern, die Mi 24 verschiedene Versionen der MIG 21, die MIG 23 als Jagdbomber und als Jäger. Wir schleichen in unserer Felddienstuniform unsicher zwischen den Geräten hin und her und versuchen die Piloten in Gespräche zu verwickeln. Die wollen aber einfach nur verschwinden, weg aus der Hitze, die Waffe abgeben um vielleicht noch eins der besseren Zimmer abbekommen. Wer konnte ahnen, das es unser letzter Spaziergang zu den Flugzeugen war, denn langsam beginnen mehr und mehr höhere Tiere anzureisen um mit am Rad zu drehen. Vier Tage vorher wurde der gesamte Ablauf der Truppenbesuches das erste Mal in Echtzeit geprobt. Erich wurde durch den hiesigen Geschwaderkommandeur vertreten. Dann folgte ein Tag für die Beseitigung der aufgetretenen Mängel bzw. Training. Zwei Tage vorher schwebte eine L410 mit dem Chef LSK/LV ein, erneuter Gesamtdurchlauf, Abflug. Und einen Tag vor Erich schwebten die L410 und die Salon Mi 8 des Ministers für nationale Verteidigung ein: Generalprobe im wahrsten Sinne des Wortes. Während der letzten drei Tage haben, im Gegensatz zu uns, die Sportler überhaupt nicht mehr gebadet. Sogar der Oberst wohnt jetzt im Feldlager. Er hält alle beisammen und bei Laune, denn die Jungs fahren nach dem Frühstück zum Stellplatz und kommen erst zum Abendbrot wieder. Acht Stunden in brütender Hitze für 30 Minuten Vorführung. Mieze und ich schleichen am Erich-Tag die zwei Kilometer bis zur Vorführung durch den Wald und tarnen uns mit Schmutz im Gesicht und Grasbüscheln auf dem Kopf in Sichtweite des kleinen Sportparkes. Es dauert nicht lange, da werden wir von den Fallschirmjägern des Ministers aufgestöbert. „Was macht ihr denn hier?“ „Wir wollten zuschauen.“ „In 2000 Meter Entfernung vom Generalsekretär hat keiner ohne Einladung zu sein, also verpisst euch.“ „Schon gut, wir gehen ja“. Wir rennen wie die Hasen zurück ins Feldlager und sehen uns mit den anderen die Übertragung im Fernsehen an. Als die Sportler kommen, lässt der Kompaniechef antreten und OS Früh erhält die höchste militärische Auszeichnung, die ein OS bekommen kann, alle anderen einen Blick zur untergehenden Sonne. Der Oberkommandierende hat sich ein Bild von der Truppe gemacht und alle dürfen ins normale Leben zurückkehren.

Geschichte(n), die niemand braucht (17)

 

Unsere Offiziershochschule hat sich nach dem Braunkohleeinsatz verändert. Der Glaube an die Unfehlbarkeit des sozialistischen Systems war erschüttert. Die Zahl der Entlassungsgesuche stieg an und ein riesiger Skandal erblickte das Licht der Sonne. Einer der Zugführer der 2. Jagdfliegerkompanie betrieb einen Handel mit pornografischen Bildmaterial. Er hatte die Friseusen überzeugt, sich zusammen mit seinen schönsten Offiziersschülern in entsprechenden Positionen ablichten zu lassen. Die Fotos wurden in aller Stille im Labor der Schule entwickelt und über dunkle Kanäle vertrieben. Neben finanziellen Aspekten mögen die anschließenden Orgien Beweggründe für alle Beteiligten gewesen sein. Als es aufflog, löste man innerhalb einer Woche die gesamte Kompanie auf. Der betreffende Kompanieoffizier verschwand in einem Militärgefängnis, einige Offiziersschüler wurden entlassen und der Rest mit der ersten Kompanie vermischt. Als wenig später die GST Bedarf an Fluglehrern anmeldete, verschwanden alle aus der ehemaligen Zweiten dorthin. Die Schule hatte ihren Körper gereinigt.

Die durch die Braunkohle verloren gegangene Studienzeit, zwei Monate, galt es aufzuholen. Der Lehrstoff wurde in noch kürzerer Zeit durchgezogen. Da etwa die Hälfte der Genossen unseres Zuges nach ihrer Berufsausbildung innerhalb eines Jahres eine Art Notabitur abgelegt hatte, bestanden Unterschiede in der Aufnahmefähigkeit des Lehrstoffes. Besseren Schülern wurde befohlen, sich um schlechtere zu kümmern. Mit meinen sehr guten Leistungen in Aerodynamik und Sprachen war ich für Uwe verantwortlich. Als Diplomatensohn wuchs er in DDR-Botschaften dieser Welt auf, besuchte an den größeren die entsprechenden Schulen oder lernte mit seiner Mutter. In Berlin haben sie ihm dann den Abschluss der zehnten Klasse hinterher geschmissen. Uwe hatte seinem Vater eines Tages verkündet, er wolle Linienpilot werden und Vater organisierte das. Er hätte schon das Notabitur in Kamenz nicht geschafft, wenn er nicht die Tochter einer seiner Lehrerinnen geschwängert hätte. Jedenfalls habe ich ihn jetzt am Hals. Kraft seiner Wassersuppe dient er auch noch als Zughelfer, ist also, nach dem Gruppenführer, mein direkter Vorgesetzter. Er ist nicht dumm, spricht sogar Chinesisch, hat aber niemals das Lernen gelernt. Für Aerodynamik, Russisch und Englisch pauken wir jeden Abend. Ich mag seinen Charakter nicht, höre aber in den Zigarettenpausen, von denen Uwe viele braucht, gerne seine Storys. Mit den Augen eines Heranwachsenden hat er fremde Kulturen aufgenommen. Dadurch steht er etwas über den alltäglichen Dingen, die mich jeden Tag aufs neue fertig machen. Für ihn ist das alles hier ein notwendiges Übel, denn er weis, sein Platz in einem Passagierflugzeug der Interflug wird schon angewärmt. Bei uns anderen ist die Chance fünfzig/fünfzig. Aber Uwe tut auch etwas für mich: wir trainieren jeden Abend eine halbe Stunde Saltos auf dem Trampolin und Koordination im Triplex, eine Art ortsfester Rhönrad mit Bewegungsmöglichkeiten um alle drei Achsen. Unserer beider Leistungen werden besser und wir werden als vorbildliche Lernpatenschaft ausgezeichnet mit 3 Tagen Sonderurlaub. Uwes Vater treibt über diplomatische Kanäle ein kleines Fass Pilsener Urquell auf und wir feiern bei seinen Schwiegereltern im Plattenbaukeller neben der Kaserne. Er ist nach der Offiziershochschule auch Copilot bei der Interflug geworden, hatte aber eine Affäre nach der anderen mit hübschen Stewardessen und endete beim Bodenpersonal, verantwortlich für Gepäck.

Der „Flugschreiber“ funktioniert wieder

 

Das vergangene Jahr war aufregend. Ich war viel unterwegs und habe noch mehr gesehen. Europa ist vor meinen Augen etwas kleiner geworden. Dafür war wenig Zeit zum Schreiben. Das wird sich wieder ändern, denn schließlich habe ich ja meine Leser.

Natürlich dürfen die Tipps für alle Lebenslagen nicht fehlen. Darum schaut mal hier:

Wie aus Stress endlich Harmonie wird… und Du in schwierigen Beziehungen, Streit endlich in Liebe verwandelst…

Geschichte(n), die niemand braucht (16)

 

Es gab natürlich nach Dienstschluss auch Ausgang in die Stadt Bautzen: an den Wochentagen bis 24 Uhr, am Wochenende und an Feiertagen bis zum Wecken am nächsten Morgen. Gegenüber der großen Anhäufung von Männern in den Kasernen, war das natürliche Vorkommen an entsprechender Weiblichkeit in Garnisonsstädten immer zu gering und verursacht beim Besuch von Tanzveranstaltungen entsprechenden Streit um die Mädels. Um den damit verbundenen öffentlichen Stress zu begrenzen, hielt die militärische Führung der Offiziershochschule die Anzahl der Ausgänger möglichst gering und begründete es mit der ständigen Gefechtsbereitschaft der Staaten des Warschauer Vertrages, in die man fest eingebunden sei. Unsere Sportoffiziere trainierten für den Nahkampf mit dem Feind und erwarteten die Kunde von entsprechenden Siegen auf der heimischen Nahkampfdielen, den umliegenden Tanzlokalen und Diskotheken. Nun existierte in Bautzen ein wirklich heißer Tanzschuppen, in dem es eigentlich einmal wöchentlich zur Sache ging. Dort hatte sich eine Gang einheimischer Rocker festgesetzt und machte uns Offiziersschülern das Tanz-Leben zu Hölle. Oberstleutnant Krause, Sportoffizier und Nahkämpfer aus Leidenschaft, konnte und wollte sich das Drama in dieser Bar nicht länger teilnahmslos mit ansehen. Eines Abends trabten seine besten Nahkämpfer mit ihm an der Spitze locker im Trainingsanzug von der Kaserne zur Bar, verschafften sich Zutritt und prügelten alle windelweich, die keine Uniform an hatten. Am nächsten Tag degradierte man ihn vom Oberstleutnant zum Major. Seine Beförderung ließ aber nicht lange auf sich warten, weil er und seine guten Nahkämpfer zur Abwechslung mal innerhalb der Kaserne gebraucht wurden. Dort stand wieder einmal ein Entlassungstermin der Grundwehrdienstleistenden bevor. Diese Soldaten und Unteroffiziere zelebrierten ihre EK (Entlassungskandidaten)-Bewegung. Dabei wurden die EK´s von den neu eingezogenen Genossen Soldaten von vorne bis hinten bedient, neue sperrte man in Schränke und ließ sie singen (Musikbox) und stürzte sie dann um oder band Ellebogen und Knie an Stahlhelmen fest und zerrte die Jungs über den Fußboden der Flure. Für die EK´s hießen wir einfach nur Tagesäcke, weil die vor uns liegenden Tage bei der Armee, als abgeschnittene Schnipsel eines Schneiderbandmaßes gesammelt, ganze Säcke füllen würden. Oder sie nannten uns einfach Pupse, weil sie unsere Meinung genau so viel interessierte wie ein Furz. Zu Eskalationen des Verhältnisses von
EK´s und OS kam es regelmäßig im Kinosaal der Kaserne, wenn das Licht vor dem Film ausging und die Gesänge und Beschimpfungen durch die EK´s einsetzten. Die militärische Führung hatte alles probiert und war am Ende der legalen Mittel angelangt. Man versammelte uns Offiziersschüler im Hörsaal zu einer quasi konspirativen Veranstaltung, der Schulkommandeur erläuterte die Situation und verlangte von uns eine handfeste Klärung, ein für alle mal: „Major Krause wird sie unterstützen, Genossen. Wir lassen uns das nicht länger gefallen. Heute Abend ist eine Kinoveranstaltung angesetzt. Handeln Sie! Wegtreten!“
Das Kino hätte zwar alle OS gefasst, dann hätten aber keine EK´s Platz gehabt. Also teilte Body Krause die genaue Gefechtsformation ein: „Scheinwerfer auf die Bühne, Ausgange bewachen, es darf keiner entkommen. Die OS tragen Kampfanzug, damit sie sich eindeutig von den EK´s unterscheiden. Wir lassen die erst alle rein und rücken dann gemeinsam vor. Ich leite die Aktion von der Bühne aus. Das Licht geht aus, wir lassen sie brüllen, das Licht und die Scheinwerfer an und dann bekommen sie ihre Abreibung. Aufpassen Genossen, keine tödlichen Schläge. Zweite Kompanie, Erster Zug, OS Herbst, Sie stehen an den Seitenflügeln und schmeißen die Leute raus.“ „ Zu Befehl, Genosse Major!“ Es war wohl die größte, geduldete Prügelei in einer Kaserne. Die EK Bewegung war am Ende, sogar die Bandmaße hatten wir ihnen abgenommen, die größte mögliche Schande innerhalb ihres Kultes.

Es geht weiter!

Nach ein wenig Turbulenzen bin ich zurück und habe den Blog jetzt wieder für meine Ideen und Erinnerungen. Die Tragschraubergeschichten sind weg.

Die schönsten Bilder und Geschichten aus meiner aktuellen Fliegerei und die Geschichten, die niemand braucht werden fortgeschrieben.

 

Geschichte(n), die niemand braucht (15)

 

So sahen wir damals aus. Quelle: http://home.snafu.de/veith/ohs.htm

Als Highlights in den ersten 18 Monaten waren S(t)imulatortraining, Fallschirmspringen und viel Sport angesagt. Das lockerte die Theorie etwas auf und brachte uns auf andere Gedanken.

Die Fülle des dargebotenen Fachwissens zur Fliegerei, das wir gierig aufsaugten und die Chance, zur zivilen Fluggesellschaft der DDR, der Interflug zu kommen, ließen mich zielstrebig auf die Bewertung „Sehr Gut“ in allen Spezialfächern hinarbeiten. Den ständig fragenden Genossen erklärte ich, dass ich noch nicht reif und würdig genug für ihre Partei sei und dass ich hart daran arbeite. Der Packt mit der Dummheit war aufgeschoben und viel Freizeit gewonnen, denn die Genossen versammelten sich oft und gerne nach Feierabend. Klar – ewig konnte das nicht gut gehen. Es gab ja auch vorbildliche Genossen, die all das lebten, was ich mir so vorstellte. Zwei meiner „Vorbilder“ hatte ich dann auch befragt, ob sie für mich als Kandidat der SED bürgen würden. Aber es sollte alles ganz anders kommen…

Die Hochschule verfügte über ein modernes Schulgebäude mit einem großen, an den Längsseiten vollständig verglasten Hörsaal, in dem alle Offiziersschüler der Einrichtung zur gleichen Zeit Platz hatten. Der Eingang war im zweiten Stockwerk, die 10 Meter breite Wandtafel hing unten zu ebener Erde.

Der Hörsaal wurde wenig benutzt, da die verschiedenen Fliegergattungen deutliche Unterschiede in der Ausbildung hatten und nur wenige gemeinsame Veranstaltungen dort abgehalten wurden. Ich lernte im Ausbildungsprofil Militärtransportflieger. Die Ausbildung sollte den Einsatz als Militärtransportflieger, aber auch als Berufspilot der Interflug gewährleisten. Die Interflug bildete seit Jahren nicht mehr selbst aus. Nationale Volksarmee und Fluggesellschaft hatten einen Vertrag über die Lieferung entsprechenden Menschenmaterials. Darum hörten wir Englisch bei einem Lehrer im Hochschuldienst, dem Herrn Labs, der kurioserweise während meiner Zeit in Bautzen, dort seinen Grundwehrdienst absolvierte. Herr Labs hatte eben noch lange, lockige schwarze Haare und bunte Kleidung an und plötzlich stand da Genosse Soldat Labs in der gleichen unbequemen Filzuniform wie wir mit abgefressen aussehenden Haaren und erklärte uns, dass wir als OS einen höheren Dienstgrad als er hätten und trotzdem auf ihn hören müssten, es sei denn, ein Offizier beträte den Raum. Dann müsste der Zughelfer die Meldung an den eintretenden, ranghöheren Offizier wie folgt von sich geben: „Genosse Irgendwer“, sagte er zu dem Zughelfer, „Dritter Zug und Soldat Labs bei der Englischausbildung, OS Preis. Vergessen sie bitte den Soldaten nicht, sonst muss ich mich noch mal extra melden.“ Oft genug kam es vor, dass der Soldat die Meldung machte, weil wir es einfach nicht gewohnt waren, von einem Untergebenen unterrichtet zu werden. Soldat Labs war wohl der einzige seines Ranges mit einem eigenen Dienstzimmer. Dort haben die Kumpels aus seiner Kompanie immer heimlich ein Bier gezischt. Dazu muss man wissen, dass der Konsum von Alkohol in den Kasernen der bewaffneten Organe der Republik strengstens verboten war. Die Folge war die heimliche Trinkerei von konzentriertem Alkohol, da sich das Schmuggeln so schwacher Getränke wie Bier oder Wein gar nicht lohnte. So ein Null-Siebener Rohr mit Blauem Würger für 7,80 M konnte 3 Freunde einen Abend lang glücklich machen. Nach Leerung des Rohres schob man eine Deckenplatte zur Seite und warf die Pulle in den Zwischenboden unters Dach der Baracke. Irgendwann hat sich eine Deckenplatte mal so weit durchgebogen, dass der Stabschef nachschauen ließ. Hunderte leerer Flaschen purzelten auf den Barackenboden und konnten so unter dem schallenden Gelächter aller wieder der Sekundärrohstofferfassung zugeführt werden.

Den besten und billigsten Alkohohl gab es zur Enteisung des Blisters beim Flugzeugtyp Antonow 26. Ein mehrere Liter fassender Behälter wurde vom Bodenpersonal vor jedem Flug randvoll aufgefüllt. Dafür und auch für die Entleerung während des Fluges unterschrieb der Bordtechniker. Realisiert wurde das während des Fluges mittels eines Benzinschlauches in mehrere leere Colaflaschen. Aufgeteilt wurde gerecht, denn keiner wollte Alkoholmissbrauch durch den anderen zulassen.

Eine andere Alkohohlgeschichte fand jedes Wochenende statt. Ein Drittel der Mannschaft musste am Standort bleiben, um die ständige Gefechtsbereitschaft zu sichern. Für diese Leute gab es verschiedene Wochenendjobs, damit ihnen die Zeit in der Kaserne nicht zu langweilig werde. Einer bestand darin, am Band in der Schnapsbrennerei Wilthen zu arbeiten. Als Lohn gab es eine Flasche Feinen Alten Wilthener pro Nase. Dieser war im Handel selten und durfte bis zum Urlaub beim Hauptfeldwebel gelagert werden. Dort wurde das Getränk immer dünner und die Nase von Genosse Katzig immer dicker und roter.

 

Wieder unterwegs

 

Sonnenaufgang in Luxemburg
Nebulöse Ansichten der Schweiz
14 Zürich im Gegenlicht
Unterwegs im Norden
Bremen
Bremen Innenstadt
Bremen Weser
Zurück nach Süden
14 Zürich bei Nacht, rechts die 28 als Startbahn

 

Zurück zur Fläche

 

Ich verabschiede mich hiermit wieder vom Tragschrauberfliegen. Das rotierende Blatt über meinem Kopf bleibt mir unheimlich und wird wohl nie mein Freund. Mit Hochachtung blicke ich auf die Zauberer der Tragschrauberszene. Es ist Fliegen der anderen Art,  aber nach ein paar Runden im Gyro kommt mir Segelfliegen paradisisch vor. Siehe Mach´s gut 90 -letzter Flug mit dem Duo.

Hier putzt der Flugingenieur

 

Einen solchen Flieger im Winter bei Minusgraden zu putzen ist nicht ganz so einfach. Dabei dachte ich an die Jungs von Buffalo aus Canada und hatte ab Mittag die Sonne als Auftauhelfer für den Reiniger.

Mit dem kleinen Zubringer habe ich noch ein paar spezielle Pflegemittel und einen Staubsauger eingeflogen.

Laacher See mit Neuwieder Becken im Hintergrund
Düstere (Feier)Abendstimmung

Geschichte(n), die niemand braucht (14)

 

Für mich, wie für viele andere, ist während der langen, kalten Winternächte 1979 im Lausitzer Braunkohlerevier ein Teil unserer Weltanschauung zusammengebrochen. Bis dahin hatte ich der sozialistischen Gesellschaft so weit vertraut, dass ich bereit war, persönliche Pläne für meine Zukunft zu verwerfen und das Waffenhandwerk zu erlernen, weil mein Land das von mir verlangte. Nun sah ich die bodenlose Schlamperei in diesem Braunkohletagebau, verursacht von Helden der Arbeit, ich erlebte das verlogene Hervorbringen neuer Helden, trinkfest und dumpf im Klopfen von proletarischen Sprüchen: „Den Sozialismus in seinem Lauf, hält weder Ochs noch Esel auf!“ Zum ersten Mal spürte ich das rücksichtslose Streben der Dummen nach der Macht, die es ihnen dann erlaubte, die Schlauen in die Knie zu zwingen. Damals dachte ich: das kann doch nicht sein! Mit Niemanden konnte ich darüber sprechen. Ich habe es in meinen Gedanken versteckt und nur manchmal in Geschichten eingebaute Denkmuster in mein Top Sekret Buch geschrieben, einfach um es von der Seele zu haben. Auch kann ich mich an zwei Briefe aus dieser Zeit erinnern, die gegensätzlicher nicht sein konnten. Der eine war an meine Eltern und beinhaltete eine selber zusammen gebastelte Begründung, warum ich diesen Beruf ausüben sollte und der andere an mein Vorbild Fritz Fliegauf, bei dem ich mich über das Übermaß an Dummheit beschwerte. Nein, es war nicht die Überheblichkeit eines Abiturienten gegenüber dem Proletariat. Unter Dummheit verstand und verstehe ich das Ignorieren, Schönfärben oder sich passend zu Recht lügen der Realität, ausgehend von der Schlussfolgerung, welche man gerne ziehen will. Sozialpolitische Maßnahmen zur Verbesserung des Lebens in der DDR und verstärkte Aufrüstung, ohne die notwendigen Finanzen im Hintergrund, trieben eine große Idee in den Ruin. Das ganze nannte sich Klassenkampf und war natürlich vom Gegner aufgezwungen. Dieses Argument diente immer wieder gerne zum Zudecken der eigenen Fehlbarkeit. Damals dachte ich, es wäre ein Phänomen der entwickelten sozialistischen Gesellschaft auf dem Weg durch die weite Ebene hin zum klassenlosen Kommunismus. Dass es mal in der spätkapitalistischen Gesellschaft ein unverzichtbarer Teil der Staatsdoktrin werden würde und dass ich das dann auch noch erleben durfte, davon hätte ich nicht zu träumen gewagt.

Irgendwann wurde es wärmer und wir bezogen wieder unsere Vierbettzimmer im Plattenwohnblock der Kaserne. Auf fünf Etagen verteilten sich über 300 Offiziersschüler. Alle standen zur gleichen Zeit auf, das dritte Lehrjahr ging zu Morgentoilette, die anderen beiden zum Frühsport: 1500 m auf Kopfsteinpflaster und Panzerkettenglieder stemmen, danach war man wirklich wach. Alle stürmten zu den Wasserhähnen, um sich zu rasieren und die Zähne zu putzen und jeder drehte das Wasser auf und ließ es laufen. Der Wasserdruck ist jeden Morgen zusammengebrochen und die Rasiercreme landete im Handtuch. Im Gebäude wohnten einfach doppelt so viele, wie baulich vorgesehen. Wirklich für sich, also mit sich alleine, war man nur in seinen Träumen.

Das so genannte Studium bestand zu 100 Prozent aus Pflichtveranstaltungen In allen Fächern. Es beinhaltete zu etwa 40 Prozent Marxismus-Leninismus. Die Lehrer für diese gesellschaftswissenschaftliche Ausbildung, waren entweder zu keiner anderen „Wissenschaft“ fähig, oder/und Dummschwätzer. Aber es war auch ein Philosoph dabei. Jede Stunde bei dem war ein Genuss: auf jede Frage eine Antwort. Dieser Mensch hatte folgendes begriffen: wenn ein Pilot anfängt sich etwas vorzumachen, sich selbst und andere anzulügen, wird bald gestorben. Als Vertreter der reinen Lehre, fiel es ihm nicht schwer, alle Probleme auf den Kampf der Arbeiterklasse mit den Imperialisten zurück zu führen und die betreffenden Stellen aus den Klassikern des Marxismus/Leninismus zu zitieren. Als gebildeter Mensch mitten zwischen den Dummschwätzern stellte er für mich die Hoffnung auf eine bessere Gesellschaft dar. Mit seinen 55 Lebensjahren, glaubte ich ihm einfach seine Erfahrung und Zuversicht. Wenn es so einer hier aushält, dachte ich, kann der Laden gar nicht so schlecht sein und fasste neuen Mut.

Die fachliche Ausbildung in Aerodynamik/Flugmechanik, Flugzeugkunde, Navigation, Meteorologie, Elektro-–, Spezialausrüstung, Funk–, Funkmessausrüstung sowie Bewaffnung, Strategie und Taktik, fremde Streitkräfte, war sehr umfangreich und solide. Die Lehrer im Hochschuldienst rekrutierte die Schule während der ersten Jahre ihres Bestehens direkt aus der Truppe, später von der russischen Militärakademie, die man erst nach mehrjährigen Einsatz in der Truppe besuchen durfte. Unsere Lehrer waren erfahrene Genossen, die wussten, wovon sie sprachen. Sie hatten im großen Land, wie wir die Sowjetunion liebevoll nannten, Erfahrungen an modernsten Kriegswaffen gemacht, waren als Beobachter im Afganistan-Einsatz. Unsere Lehrer hatten bei der Roten Armee gelernt, die seit dem zweiten Weltkrieg nie aufgehört hatte zu kämpfen. Irgendwo gab es immer einen Krieg wo sowjetischen Truppen offen oder verdeckt zum Einsatz kamen. Die Lehren des Großen Vaterländischen Krieges hatte die Sowjetunion mit 16 Millionen Toten bezahlt. Niemals wieder sollte ein Überfall auf dieses Land gelingen. Wir kamen uns mächtig klein vor mit unserer Antonov 2.

Flug in die (k)alte Heimat

 

Berlin und Leipzig… eine halbe Ewigkeit her, dass ich da mal gewesen bin. Überall bekommt man Geschichten erzählt: BER wird nie fertig! Abiss ist die preiswertete Lösung! Jeden Tag kostet BER eine Million! Inzwischen hat man dem alten Flughafen ein neues Terminal gegönnt. Die Allgemeine Luftfahrt hat eine Terminal ohne Verkehrsanbindung, nur Taxi. Inzwischen werden unbenutzte Hallen abgerissen, weil sie im Weg stehen. Chaotisch, keiner übernimmt Verantwortung. Ein Spiegel unserer Gesellschaft.

Alter Parkplatz (war ich schon 1983 Dauerparker) und altes Abfertigungsgebäude Berlin-Schönefeld

Leipzig hat schon jetzt die Größe und die Verkehrsanbindungen von denen BER träumt: 13 Minuten bis zum Hauptbahnhof und das ohne Magnetschwebebahn. Aber man rollt sich einen Wolf: Autobahn und Eisenbahnstrecke verlaufen mitten durch das Flugplatzgelände. Und das ist riesig.

Dort wo die Wolken zu Ende sind liegt Leipzig
Landekurve Flughafen Leipzig/Halle
Anflug Leipzig/Halle bei Super-Sicht
Das ist nicht mal die Hälfte des Flughafens
Brücke über Autobahn und Eisenbahn
Beech-Treffen in Leipzig

Geschichte(n), die niemand braucht (13)

 

Die Freude währt jedoch nur eine Stunde. Gerade sind wir fertig mit dem Essen, kommt der Befehl: Alles raustreten, der Kohlezug steht auf der Strecke, Spitzhacken und Schaufeln mitnehmen, wir marschieren hin. Die verschneiten Gleise entlang, stapfen wir die drei Kilometer zum Zug. Einer der Waggons hat sich zur Seite entladen und die nasse Kohle friert gerade auf den Gleisen fest.  Die Verriegelung einer seitlichen Klappe muss aufgesprungen sein. Wir hacken und schaufeln wie um unser Leben. Immer wieder müssen wir zurücktreten, weil die Zugbesatzung das Anfahren testen will. Nach endlosen Versuchen bewegen sich unzähligen Tonnen verbeultes Eisen und gefrorene Rohbraunkohle Richtung Kraftwerk. Total erschöpft wanken wir in der Dunkelheit die Gleise entlang zurück und werden sofort in unsere Quartiere gefahren. Dort gibt es nach einer heißen Dusche eine Ration Grubenschnaps. In dieser Nacht ruft die Regierung der Deutschen Demokratischen Republik den Ausnahmezustand aus und übergibt die Leitung der Grube an die Nationale Volksarmee. Nun werden die ganz großen Spielzeuge rausgeholt: zum ersten Mal sehe ich ein Bergungsgerät für Panzer. Das Ungetüm sieht hypermodern aus. Mühelos fährt auf 16 einzeln elektrisch angetriebenen, mannshohen Rädern. Im hinteren Teil treibt ein Dieselmotor den Generator führ den Fahrstrom und die umfangreichen Extras an. Der Fahrer und weitere 10 Menschen finden in einer voll hermetisierbaren Kabine Platz. Mit dem Fahrzeug sollen wir uns um Brücke und Gleise kümmern.

Nach zwei Tagen Militärdiktatur in der Grube rauchen wieder alle vier Schlote des gigantischen Braunkohlekraftwerkes am Ende der Gleise. Die Zeit der Hau-Ruck-Einsätze weicht einer festen Arbeitseinteilung. An Problemstellen stehen uns Kohlekumpel mit ihrem Fachwissen zur Verfügung. Eigentlich stehen sie uns eher des Öfteren nicht zur Verfügung, da der Grubenschnaps nachts die Runde macht. In Abwesenheit des Fachwissens greifen wir wieder zum Bagger und befreien die Umlenkstation großzügig von heruntergefallender Kohle. Das verschafft uns Freizeit. Wir trocknen Rohbraunkohle am offenen Feuer um einen Bauwagen zu heizen um Doppelkopf zu spielen. Wolfgang  besucht den trunkigen Kumpel auf der Bandumlenkanlage und gerät in eine Inspektion von Vorgesetzten: Wolfgang  wird als Held der Arbeit ausgezeichnet, weil er irgendwelchen Inspektoren bei deren nächtlichem Besuch erklärt, dass der schlafende, betrunkene Kumpel hier neben ihm für die Bandumlenkanlage zuständig ist, aber er, der Offiziersschüler, eigentlich diesen Job aus innerer Überzeugung macht. Held der Arbeit war nicht irgendein Orden, er war nahe am späteren Begräbnis auf Staatskosten. Stellvertretend für uns alle erhielt er seinen Orden.

Es traf schon den richtigen Mann: Wolfgang hatte die unangenehme Eigenschaft der verbalen Leitfähigkeit. Ihm kund getane Meinungen oder bekannt gewordene Informationen wussten stets auch andere: aufgeschnappte Informationen werden weitergeleitet an Vorgesetzte. Diese Leute wiederum teilen Dir dann ihr Wissen über dich mit, um zwei Sätze später ihre Verschwiegenheit zu betonen: „Das bleibt natürlich alles unter uns!“ Und schon ist man erpressbar. Dabei wäre ein einziges reinigendes Gewitter ausreichend gewesen um fehl gelaufene Dinge entsprechend der geltenden Spielregeln in Ordnung zu bringen. Aber so tickte sie nun mal, die Macht in der DDR.

Das Tageslicht verschlafen wir im Arbeiterwohnheim Weisswasser des Braunkohlekombinates Schwarze Pumpe. In dem Plattenbau herrschen angenehme Temperaturen, man kann warm duschen und es gibt richtige Betten. Ich kaufe mir am Zeitungskiosk englische Rätselheftchen und versuche ein paar neue Vokabeln zu lernen. Das Gehirn verlangt einfach nach Futter und Betätigung. Meine Zimmergenossen können nicht verstehen, dass ich die Schlafenszeit mit anderen Dingen verbringe und ich habe meine erste und einzige Prügelei. Es geht eigentlich um die Ausübung von Macht meines Freundes Uli, der nach dem Rotationsprinzip jetzt Gruppenführer ist und über mir steht. Macht verändert die Menschen. Das am eigenen Leibe zu begreifen, ist Teil unserer Ausbildung. Freundschaften dürfen keine Rolle spielen, wenn ein Vorgesetzter seine Unterstellten auf eine Mission in den sicheren Tod schickt. Ich ertappe mich, darüber sinnierend, einen ungeliebten Menschen im so genannten Ernstfall aus dem Weg zu räumen. Es würde bei dem Töten und getötet werden wahrscheinlich gar nicht auffallen. Nachdem die Szene in meinem Hirn mit konkreten Personen abgelaufen ist, schäme ich mich abgrundtief dafür. Wie konnte ich nur auf so einen Gedanken kommen? Denken die anderen auch so? Ist das im Sinne unseres sozialistischen Menschenbildes, dass wir bereit sind, wie Tiere aufeinander loszugehen?

Winter-Flug mit der Robin DR 401

 

Fliegen im Winter bei Traumsichten ist schon etwas ganz Besonderes. Wenn der Flieger dann auch noch eine Heizung, einen absolut sanft laufenden Diesel und die Instrumentierung eines Airliners hat, wird Fliegen zum Hochgenuß. Mal ganz abgesehen von der Flugstrecke: einmal rechtsrum unter dem Charlie-Deckel von Frankfurt durch, mit Zwischenlandung in Aschaffenburg. Hier sind ein paar Fotos:

Start in Bad Neuenahr-Ahrweiler mit Blick auf die Stadt und die Eifel
Vorbei am Zusammenfluss von Rhein und Mosel: Koblenz
Über den Taunus: der Feldberg
Die Skyline von Mainhatten
Anflug Aschaffenburg
Zurück südlich FFM über Bingen: Blick auf Taunus und Rhein
Der Hunsrück mit seinen Windgeneratoren
Der Laacher See mit beginnender Eisbildung

 

Geschichte(n), die niemand braucht (12)

 

Panzer fungieren als Schneeräumfahrzeug im Tagebau. Bildrechte: MDR/HA Kommunikation

Zufällig gibt es eine Sendung des MDR heute Montag, den 16.01.2017 im ERSTEN (ARD) zum Text:

Entwicklung der Braunkohleindustrie Winterschlacht in der DDR

Während sich unsere Körper schnell an die neuen Belastungen gewöhnen, stumpft der Geist allmählich ab. Ich habe gerade mein Abitur in einer humanistischen Schule abgelegt und komme mit den preußischen Gepflogenheiten des Militärs nicht klar. Befehl und Gehorsam sind mir zu wider. Nur mein Wunsch, Flieger zu werden hält mich bei der Stange. Auch das ist den Genossen bewusst und sie kommen irgendwann zu mir mit einem Zettel, der mit Zweitverpflichtung überschrieben ist. In dem Dokument, welches ich unterschreiben soll, steht Folgendes: Im Falle medizinischer Untauglichkeit für den Einsatz als Flugzeugführer, verpflichte ich mich, die Stelle als Offizier einzunehmen, an der mich die Partei der Arbeiterklasse am dringendsten braucht. Ich erkläre dem Sekretär der Partei, dass ich das so nicht unterschreiben kann, da ich hierher gekommen bin um Flieger zu werden. Das ist mein Talent. Wenn das nicht mehr geht, muss ich neu entscheiden. Mit dieser Auffassung kannst du aber nicht Kandidat der Partei werden, erklärt mir Genosse Pasch und ich verspreche es mir zu überlegen. In der folgenden Zeit heftet sich Paschs alter Fliegerkumpel Straßburg, der als OS in meinem Zug dient, an meine Fersen um mich auszuhorchen. Es ist unangenehm, weil ich nun auch noch aufpassen muss, was ich wem in wessen Anwesenheit erzähle.

Langsam geht es auf den Winter zu und der wird dann auch befohlen, wie alles in der Armee. Wir tragen nun eine furchtbare Filzuniform, die noch aus Zeiten des alten Fritz stammen muss. Nun sind wir über jeden Tag glücklich, an dem wir in eine andere, der vielen zur Verfügung stehen Verkleidungen schlüpfen können.

In diese Zeit fiel der strenge Winter, der zum Jahreswechsel 88/89 begann. Wir hatten keinen Urlaub und gerade die Büchse Nordhäuser Doppelkorn geleert, welche mein Nachbar sorgfältig verschlossen hatte, damit ich sie, als Leberwurst getarnt, in die Kaserne schmuggeln kann. Plötzlich gingen die Sirenen und Hupen: Gefechtsalarm! Alles mitnehmen, kein Probealarm! Aufsitzen auf Lastkraftwagen Typ W50 und Abfahrt in Dunkelheit und Kälte. Rumstehen im Kinosaal eines Kulturhauses irgendwo in der Niederlausitz, spekulieren, rauchen, frieren, aufsitzen, zurück, ausschlafen. Der nächste Tag bringt die Verlegung in ein Arbeiterwohnheim in Weiswasser mit dem Auftrag: sozialistische Hilfe bei den Kohlekumpels.

12 Stunden Nachtschichten waren angesagt. Ich glaube, die Republik hat in diesen Tagen ernsthaft ums Überleben gekämpft. Mit Schaufel haben wir im Licht der Sterne und des Mondes an kilometerlangen Bandanlagen gestanden und geschaufelt um nicht zu erfrieren. Auf dem Band liegt nasse Braunkohle, die beim Herunterfallen sofort anfriert. In der zweiten Nacht wird ein Genosse vom Band erfasst und stirb auf dem Weg ins Krankenhaus. Tagsüber erledigt das Freihalten des Bandes ein Kumpel mit einem Bagger. Dem ist aber die Republik nicht so wichtig, dass er nachts arbeiten will. Nach einer Stunde Zuschauen kennen wir die Technologie, wie, wo der Bagger gestartet wird und das Dieselfass steht und benutzten einfach das Gerät. Das verkürzt unsere effektive Arbeitszeit von 12 auf 4 Stunden. Den Rest der Zeit verbringen wir mit Schlafen und Doppelkopfspielen in einem Bauwagen, den wir mit Braunkohlenbrikett heizen, da die Rohbraunkohle eigentlich nur besserer Dreck ist und direkt vom Band niemals zuverlässig gebrannt hätte. Das geht nur zwei Tage gut. Die Fördermenge hat sich stabilisiert, die Kohle kommt aber nicht im, nur wenige Kilometer entfernten Kraftwerk an. Das hat folgende Ursache: Ausgangs des Tagebaus existiert noch mal eine Art Minitagebau mit Förderbrücke. Die Kohleförderbänder aus der Grube entladen sich im Förderbereich der kleinen Brücke und bilden dort Braunkohleberge, eine Art Puffer. Die kleine Brücke baut dann ihrerseits den Puffer ab und schüttet die Rohbraunkohle in Züge, welche direkt zum Kraftwerk fahren. Die Quecksilbersäule steht jetzt stabil auf 28 Grad unter null. Heruntergefallene Kohle ist angefroren und blockiert die Verladebrücke auf dem Gleis. Mit Spitzhacke und Schaufel kämpfen wir die halbe Nacht am Gleis. Die Nacht ist kristallklar und der Mond beleuchtet die vier riesigen Schornsteine des Kraftwerkes, von denen nur noch einer qualmt. Wir spüren, dass es hier ums nackte Überleben geht. Niemand braucht uns zu agitieren. Trotz freier Gleise bewegt sich die Förderbrücke keinen Millimeter. Da die Grubenleitung nur damit beschäftigt ist, den Bergbauminister telefonisch zu beschwichtigen, kann sie ihrer Aufgabe, Ursachen zu suchen und Entscheidungen zu fällen nicht nachkommen. Wir stehen in der Kälte herum und diskutieren. Unter uns sind Schiffbauer, Baumaschinisten, Leute, die in allen möglichen Berufen gearbeitet haben und sich dieses Elend nicht länger ansehen können. Mit Brecheisen werden die Verkleidungen der Radantriebe geöffnet. Wir stellen fest, dass nur noch 30 Prozent der Elektromotoren in den Antrieben sitzt, die anderen fehlen: als Ersatz anderswo gebraucht oder geklaut. Schlamperei! Wir funken den inzwischen gebildeten militärischen Führungsstab des Tagebaus an und man verspricht uns zwei Panzer. Wir organisieren Stahltrossen und tragen sie zur Brücke. Inzwischen sind die Panzer schon vor Ort. Wir hängen die Trossen um die Antriebe der Brücke und an die Haken der Panzer, begeben uns in sichere Entfernung. Die Panzerbesatzungen verstehen ihr Handwerk: ächzend und schaukelnd setzt sich die Brücke in Bewegung, die erst Kohle fällt donnernd in die, mit großen Eiszapfen besetzten, verrosteten Waggons, wir jubeln.

Mach´s gut 90 – letzter Flug mit dem Duo

 

Start zum letzten Flug der 90 von EDRA am 14.01.2017

Episch, hätte Benni gesagt! Ja, das war der letzte Flug mit unserem DuoDiscus 90. Während der vergangenen 15 Jahre waren wir mit ihm quer durch Mitteleuropa in der Luft und hat seinen Besatzungen viele fliegerische Erlebnisse gebracht.
Während der letzten zwei Jahre führte die 90 allerdings ein Schattendasein. Der Verein flog den neuen DuoDiscus XL. Wir dachten bei dessen Anschaffung, dass auch die 90 weiterhin gut ausgelastet sein würde… es kam anders: die Mitgliederstruktur wandelte sich hin zum motorisierten Fliegen. Nun wird die 90 gegen eine E-Klasse getauscht. Lautstärke regeln!
Leistungsmäßig kann der XL dem alten Du0 nicht das Wasser reichen, zumal der XL auch nach 2 Werksbesuchen noch immer nicht geradeaus fliegt. Im Handling und beim Platzangebot jedoch ist der XL ein echter Fortschritt. Das Sahnehäubchen: Kunstflug . Und er fliegt selbst in thermisch schlechten Jahren die Kosten rein.
Schade, ich wäre gerne zur nächsten Bad Breisiger Segelflugwoche (BBSW) mit zwei Duos angetreten: mit dem XL für die Ablenkungsmanöver und mit der 90 um zu gewinnen… mach´s gut 90! Hier ein paar Fotos vom letzten Flug.

Schlepp über HARIBO
Wolkenbasis Eifel
Der Duo steigt über die Wolken
Bad Neuenahr war 15 Jahre die Basis der 90

Geschichte(n), die niemand braucht (11)

 

Mit Maschinenpistole Typ Kalaschnikow, Kaschi genannt, Stahlhelm, Teil 1 (kleines Marschgepäck mit Essbesteck, Kochgeschirr, Schuhputz-, Wasch-, Rasier-, und Nähzeug, Ersatzkragenbinden und anderen, für kürzere Feldzüge absolut notwendige Dingen behangen, einen kessen Marschgesang auf den Lippen bewegen wir uns im Gleichschritt die Ausfallstraße unserer Garnisonsstadt entlang. An der Stadtgrenze geht es auf Feldwegen ohne Tritt (jeder geht wie er will, aber in der Marschformation) weiter, unterbrochen von imaginären Tieffliegern, für oder gegen die wir uns jedes Mal in den Straßengraben oder an den Feldrain werfen müssen, die MPi mit den Platzpatronen im Anschlag, wartend auf den Schießbefehl.

Das Übungsgelände ist ein zerfurchtes Hügelland mit Teichen, Tümpeln und etwas Wald. Über einen der Tümpel haben die Planer der Soldatenspiele ein Seil gespannt. Mit der weiter oben schon beschriebenen Ausrüstung soll ich über das Seil auf die andere Teichseite hangeln. Die Erfahrenen Krieger unter uns bewältigen das auf dem Seil liegend. Ich versuchte es hängend. Irgendwo über der Mitte des Wassers rutschen meine Hände ab, ich hänge eine Weile mit dem Kopf in der trüben Brühe, irgendwann folgen die Beine den Gesetzen der Schwerkraft indem sie sich von selbst aus den Stiefeln befreien, ich lande im Teich und die Maschinenpistole zertrümmert mein Nasenbein, mein Gesicht trieft vor Blut und Dreckbrühe, ich brülle die Welt mit derben Worten an. Meine Waffe versenke ich samt Stahlhelm im Tümpel, Frieden ist weniger nervig. Der erste, den ich um Hilfe frage übergibt sich sofort, der zweite tritt beiseite und der dritte zerrt einfach sein Verbandspäckchen aus der Beintasche und versorgt mich. Zehn Minuten später ist das Sanitätskraftfahrzeug da und es geht zum Medizinischen Punkt der Kaserne. Der Geschwaderarzt hat Langeweile und meine Verletzung kommt ihm gerade recht. Nach einer kurzen Untersuchung diagnostiziert er ein mehrfach gebrochnes Nasenbein und lässt mich zwecks Röntgenaufnahme in das städtische Krankenhaus bringen. Am späten Nachmittag kehre ich mit der Aufnahme in der Hand zurück und Dr. Wiener beginnt sofort mit der Behandlung. Mit Pinzette und Tampons richtet er vorsichtig den zersplitterten Knochen. Mehrere Tage ernähre ich mich nur von Puddingsuppe, durch eine Schnabeltasse gereicht. In meinem Krankenzimmer lebt neben mir ein Simulant. Er klagt über Schmerzen in der Brust und freut sich nach jeder Visite diebisch, wenn ihm der Doktor einen weiteren Tag ohne Dienst gewährt. Die Genossen Offiziersschüler (OS) aus meiner Kompanie besuchen mich täglich, bis ich irgendwann schuldbewusst nach dem Verbleib meiner Waffe erkundige. „Die steht in der Waffenkammer und rostet vor sich hin. Wenn du sie nicht putzt, gehst du dafür in den Bau“, erklärt mir mein Zughelfer, der dem Zugführer direkt unterstellte OS. „Wie soll ich denn hier meine Kanone Putzen?“, frage ich zurück. „Lass Dir was einfallen, Alter“, antwortet er und geht. Das kann ja heiter werden, denke ich. Zum Glück gab es einen Genossen, der meine Waffe ordentlich eingeölt hat und ich konnte sie ohne größere Probleme reinigen. Nach meiner Entlassung aus dem MED-Punkt ging es mit den anderen in den ersten Erholungsurlaub. Vorher wurden wir „vereidigt“: ein großer Schwur auf die kleine Republik.

Die ersten 18 Monate hatten wir ausschließlich Theorie, bestehend aus allgemein-militärischer, spezial-fachlicher und gesellschaftswissenschaftlicher Ausbildung, Mathematik, Russisch und Englisch. Dazu: Ausbildung an Schützenwaffen und militärische Körperertüchtigung. Die Tage beginnen mit 1500 Meter Dauerlauf in Stiefeln und Sportzeug und enden mit irgendwelchen politischen Versammlungen oder Pflichtfernsehen. Alle fallen total fertig in ihre Betten, um wenige Stunden später für einen Probealarm wieder aus dem Bett zu springen. „Genossen, was uns nicht umbringt, macht uns härter!“, ist der Slogan unserer Kompanieoffiziere. Damit wir Erfahrungen mit der Menschenführung bekommen, ist unsere Kompanie (66 OS) in 3 Züge (25/25/16) und unser Zug (16 OS) in 3 Gruppen unterteilt. Jede Gruppe wird von einem Gruppenführer befehligt, der Zughelfer hat in Abwesenheit des Zugführers das Kommando. Die vier OS einer Gruppe bewohnen jeweils ein Zimmer, die drei Gruppenführer, zusammen mit den Zughelfer, ein weiteres. Gruppenführer und Zughelfer rotieren innerhalb des Zuges. Unser Gruppenführer, Peter Götze, bringt es nicht übers Herz, die unangenehmen Dinge des militärischen Alltages an uns, seine Unterstellten weiterzugeben. Dabei versucht er, besonders korrekt seiner Vorbildrolle als militärischer Vorgesetzter gerecht zu werden und scheitert menschlich daran. Er schreibt sein Entlassungsgesuch und wird praktisch über Nacht von uns getrennt. Die in solchen Dingen erfahrenen Kompanieoffiziere haben Angst, dass es wie eine ansteckende Krankheit um sich greift. Peter wird vor versammelter Mannschaft zum Soldaten degradiert und auf der Stelle in die Wachkompanie des Flugplatzes, damit wir ihn nie wieder sehen, versetzt. Unsere Einheit hat ihren ersten Skandal.

Geschichte(n), die niemand braucht (10)

 

Wie schon gesagt: ALLES FREI ERFUNDEN…

Offiziershochschule der LSK/LV „Franz Mehring“

Das Jahr 1978 schnitt eine scharfe Kurve in meiner Lebenslinie. Ich hatte ein gutes Abitur hingelegt, den ganzen Sommer auf Flugplätzen verbracht, mich neu verliebt, meine Motorflugausbildung beendet und meinen neunzehnten Geburtstag gefeiert. Dann jedoch kam der Tag der Einberufung für mich. Am Tag davor ließ ich mir meine Haare kurz schneiden und nahm Abschied von Familie, Wellensittich und Thüringen. Am nächsten Morgen setzte ich mich in den ersten von vielen Zügen, die mich in die Oberlausitz, nach Bautzen bringen sollten. Unterwegs stiegen immer mehr bekannte Gesichter zu. Begegnungen von Flugplätzen oder „Überlebende“ der „Selektion“ vom Institut für Luftfahrtmedizin in Königsbrück. Sind meine Haare kurz genug? Was wird mit unseren Zivilklamotten? Darf man da rauchen? Banalitäten, die uns durch die Köpfe gingen.

Auf dem letzten Umsteigebahnhof war klar: diese Jungs wollen alle nach Bautzen. Ab da waren auch schon Uniformierte dabei. Dunkelgrünes Tuch mit himmelblau umrandeten Kragenspiegeln und silbernen Schwingen. Ein S auf dem Schulterstück. Was bedeutet das?

„Bahnhof Bautzen: Offiziersschüler auf dem Bahnhofsvorplatz antreten!“, tönt es aus dem Lautsprecher am Bahnsteig. Irgendwelche Leute in Uniform brüllen herum und versuchen aus den kofferbeschwerten, wie aufgeregte Hühner durcheinanderlaufenden Gestalten einen Zug aus Menschen zu formieren, der sich entlang der abgesperrten Straße in Richtung Kaserne bewegen sollte. Irgendwann gelingt das dann endlich und wir durchschreiten alle gemeinsam das Tor zu Freiheit in der umgekehrten Richtung.

Inzwischen ist es dunkel geworden und ich kann schemenhaft ein riesiges Karree aus älteren Kasernenbauten erkennen, in deren Mitte ein mehrstöckiger Plattenbau und ein dreistöckiges Glashaus mit treppenartig angeordneten, riesigen Fenstern steht. Im obersten Stockwerk des, etwa 60 Meter langen, 10 Meter breiten und fünf Stockwerke hohen Plattenbaus beziehen wir Quartier. Als erstes werden wir in Dreiergruppen in eines der hinteren Zimmer geschickt, wo 3 Friseurlehrlinge unserer Kopfhaare einheitlich auf vier Millimeter Länge kürzen.

Am nächsten Morgen weckt man uns mit der Trillerpfeife. Das Marschieren zum Essengebäude im Gleichschritt funktioniert noch nicht richtig – na ja, die Neuen eben. „Genossen Offiziersschüler, das ist für die nächsten drei Jahre ihre Bewegungsart“, brüllt uns der Kompaniechef persönlich an.

Puddingsuppe in Schokolade oder Vanille, Pflaumenmus aus riesigen Schüsseln, nasskalte Wurst in dünnen Scheiben, Brötchen vom Backwarenkombinat und Kaffee aus zerbeulten Aluminiumkannen mit wackeligen Henkeln. Schlangestehen für das Essen, reinschlingen. „Wir sind satt, alles auf!“. Schlangestehen, um das Geschirr abzustellen. Antreten zum Appell: „Guten Tag Genossen Offiziersschüler!“ Kurzes Schweigen, in das hinein einzelne Offiziersschüler „Guten Tag, Genosse Major!“ brüllen. „Ab morgen antworten Sie an dieser Stelle: Guten Morgen Genosse Major. Mein Name ist Major John! Ich bin Ihr Kompaniechef! Das hier ist Hauptmann Krosinski, mein Stellvertreter und Zugführer vom ersten, Hauptmann Pietsch, Parteisekretär und Zugführer vom zweiten und Oberleutnant Wolter, FDJ-Sekretär und Zugführer vom dritten. Das hier ist Stabsfeldwebel Kotzig, der Hauptfeld und Mutter der Kompanie. Die Diensteinteilung entnehmen Sie der Diensttafel am UvD-Zimmer (UvD = Unteroffizier vom Dienst). Der heutige Tag läuft wie folgt ab: Erstens: bis 12.30 Uhr Einkleiden in der B/A-Kammer (B/A = Bekleidung und Ausrüstung) Gebäude 15, unter dem Dach. 12.30 Uhr bis 13.15 Uhr: Einnahme des Mittagessens. 13.30 B/A-Apell. 15.00 Uhr: Versammlung der Genossen zur Gründung der Parteigrundorganisation. 17.00 Uhr: FDJ-Versammlung (FDJ = Freie Deutsche Jugend) mit Wahl der Leitung. 18.00 Uhr: Abendessen. 19.30 Uhr: Aktuelle Kamera (Hauptnachrichtensendung des Fernsehens der Deutschen Demokratischen Republik). 21.30 Uhr: Stubendurchgang der Zugführer, Zughelfer und Gruppenführer. 22.00 Uhr: Nachtruhe. Rauchen nur im Waschraum. Noch Fragen? Nein, keine. Gut! Genosse Oberleutnant!“ der Major richtet seinen Blick auf Oberleutnant Walter: „Lassen sie wegtreten!“. „Zu Befehl, Genosse Major!“, brüllt jener in Richtung Major John. „Kompanie stillgestanden! Wegtreten!“ „Das muss unbedingt geübt werden!“, setzt er mit seiner sich überschlagenden norddeutschen Stimme hinterher, als einige die Antreteordnung nicht, wie vorgesehen mit einer Linksdrehung um 180 Grad und einem deutlichen Ausfallschritt verlassen, sondern einfach losschlendern. In das Durcheinander brüllen nun die Zugführer hinein: „Erster Zug zu mir!“, „Zweiter Zug zu mir!“, „Dritter Zug zu mir!“. Wir werden der Größe nach in Antreteordnungen zu Marschformationen ausgerichtet und durchmessen das Kasernengelände mit Marschgesang. Nach zwei Tagen wissen wir worauf es offensichtlich ankommt: Rasur, Stiefelputz, Kragenbinde, Bügelfalte der Hose hinten sauber herumgeschlagen und in den Stiefel eingelegt und ordentliche Ehrenbezeigung zu jedem Vorgesetzten dem man begegnet. Unsere militärische Grundausbildung kann beginnen. Meine Frau fasste den Inhalt später treffend mit dem Ausdruck: „In die Pfütze fallen“, zusammen.

Winterwetter

 

Mitteleuropa ist von einer lederartigen Wolkenhaut überzogen – wir nennen es Winterwetter. Nur die Alpen schauen raus.

Sonnenaufgang im Steigflug

Im Winter haben wir nur kurze Zeit das Tageslicht. Um vor Sonnenaufgang zu starten muss man kein Frühaufsteher sein. Der Anblick ist immer wieder überwältigend. Leider müssen wir schon bald wieder unter die Lederhaut.

Die 14 in Zürich: clear to land
Tagesziel: Egelsbach
Sonnenuntergang auf dem Leg nach Hause
Nochmal Anflug Zürich
Zürich: Starten und Landen im Minutentakt
Koblenz

Geschichte(n), die niemand braucht (9)

Winterzeit im Segelflug… das sind Baustunden und Unterricht. Eine kleine Episode zu Baustunden aus meiner klixer Zeit. Witlof H. leitete damals den Flugplatz Klix hauptamtlich. Zu seinen administrativen Aufgaben gehörte auch das Auflisten der Baustunden der Mitglieder. Dazu erstellte er eine große Tabelle und errechnete die sogenannte Pauschalentschädigung für jedes einzelne Mitglied. Da die „Entschädigung“ vom Bauen, also durch Baustunden kam, nannte Witlof seine Tabelle logischerweise Bauschalentschädigung.
Ja, es gab Geld für ehrenamtliche Tätigkeit, so wie heute auch. Es reichte damals für geistige Getränke, den Drogen für das Volk.

Für den Unterricht gab es einheitliche Vorgaben und Material. Hier sind zwei sehr alte Lehrhefte:

Kleiner Airliner

 

Ich hab noch einen Koffer in Berlin… äh Mönchengladbach. Na ja, der Koffer hat 4 Räder und es steht Fiat Panda ans Blech geschrieben. Von Bad Neuenahr nach Mönchengladbach kommt man am schnellsten durch die Luft. Paul war so frei mich zu pilotieren. Das heißt, eigentlich war es Pauls DR 4001, die uns autopilotiert hat.
Faszinierend!

Der Autopilot steigt auf Reiseflughöhe
Petrolchemie zwischen Bonn und Köln
Kraftwerke im Rheinischen Braunkohlerevier
Anflug des ILS von Mönchengladbach
ILS Mönchengladbach
Die Piste

 

 

Unterwegs

 

Wer hätte gedacht, dass Sylt für die Allgemeine Luftfahrt teurer ist als Zürich? Doch das ist nicht der einzige Unterschied: während in Zürich Freundlichkeit regiert und sich die Angestellten ständig fragen, wie sie es den Passagieren und der Besetzung noch angenehmer und einfacher gestalten kann, herrscht auf der Insel der Belehrungston, der Kontrollwahn und die Abzocke. Es gibt die Falschparkergebühr für Luftfahrzeuge, eine Handlinggebühr im dreistelligen Bereich, Ein-Euro-Gepäckwagen, eine vergammelte Abstellfläche und wahrscheinlich existiert auch eine Strafgebühr, wenn man die Ausweichstrecke für Begegnungen auf der Rollbahn nicht benutzt, auch wenn man das einzige Flugzeug weit und breit ist. Und dann macht auch immer noch der Ton die Musik!

Crosswind in Sylt

Habt ihr schon mal bei 50 km/h (in Spitzen 70 km/h) einen Gepäckwagen über eine holprige Abstellfläche gefahren? Ich werde es trotzdem wieder tun, denn es ist mein Job und wir werden auch in Zukunft nicht an der Sylter Abzocke teilnehmen. Menschen können sich ändern.
Dazu eine kleine Geschichte: ich bin dienstlich ein paar Jahre lang immer im November nach Coimbra in Portugal geflogen. Die altehrwürdige Universitätsstadt liegt eine Autostunde vom Atlantik entfernt inmitten einer immergrünen, fruchtbaren Hügellandschaft.

Coimbra – eine Perle von Stadt mit alljährlichem Bierfest

Auf einem der Hügel südlich Coimbra tront stolz der städtische Flugplatz. Gerade so gross, dass auch ein Jet starten kann, betrachtet die Stadt ihren Flugplatz als Infrastruktur, so wie Strassen, Wege, Brücken usw. Coimbra hat gerne Gäste und hängt darum auch kein Preisschild an die städtische Infrastruktur.

Im Endanflug des Flugplatzes Coimbra

Nun kann es auch an der freundlichen Mentalität der Portugiesen liegen, oder auch daran, dass wir Piloten die spröde Herzlichkeit unserer Inselbewohner kaum von dem absoluten Schlechtdraufwienix eines Rheinländers unterscheiden können. Darum: fliegt hin und lasst euch bezaubern.

Zurück zu den Highlights vom dritten Januar:

Gewelltes über dem Rheintal
Zürich liegt in der Suppe
Sonnenuntergang mit Alpenpanorama
Luxemburg
Fuelstop Luxemburg
Landekurve Koblenz
Koblenz… kurz vorm Aufsetzen

Neujahr 2017: EIN FROHES NEUES!

2017 hat wundervoll begonnen. Die Eifel hat sich von ihrer besten Seite gezeigt: Sonne satt! Im Ahrtal wehte ein Lüftchen aus Ost über das in 800 Höhenmetern ein leichter West-Süd-West stolperte. Über einer deutlich warnembaren Reibungsschicht gab es kleine Steigzonen. Doch unser Spürsinn sitzt ja in einem Arcus M und düst über Namibia. Wir konnten nur das Sinken verringern…

Die Eifel schaut aus dem Wolkenmeer heraus
Josef Klees von der Flugschule KLEES.AERO über Ahrweiler
Turning final 10 EDRA
Unser Wildschweinfutterplatz, zum Glück haben wir befestigte Betriebswege und eine Asphaltpiste

Als die Barnstormer durch die ländlichen Gegenden der USA zogen um ein paar Dollar durch Rundflüge zu verdienen, suchten diese verwegenen Piloten stets nach einer Stadt mit einem See in der Nähe. In einem See glitzert die Sonne und verzaubert jeden Fluggast. Mein „Spiegel“ ist heute der Laacher See.

Die Wolkenbank aus dem Neuwieder Becken ist bis an die bewaldeten Hänge des Volkankegels vorgedrungen
On Top mit Sicht auf die Eifel
Das Glitzern beginnt
Hinter mir das Wolkenmeer. Was für ein Fest fürs Pilotenauge!

Frieden, Gesundheit und Glück für 2017!

Silvesterabend 2016

Den letzten Sonnenuntergang des Jahres 2016 möchte ich euch dann doch nicht vorenthalten. Hier, bitte schön:

Die letzten Sonnenstrahlen. Ahrweiler liegt schon im Dunklen.
Horizonte im Ahrtal
Sonnenuntergang hinterm Aremberg

Guten Rutsch!

Silvester 2016! Und ich war zu Sonnenaufgang in der Luft!
Was für ein Jahr, dieses 2016! Ein Wendepunkt.

Möge 2017 so beginnen, wie sich das alte Jahr verabschiedet:

Vor Sonnenaufgang auf der Piste, hinten die Landeskrone

Vulkaneifel

Rheintal in Wolken und Taunus am Horizont
Haribo

Sonnenaufgang zwischen den Hallen
Der Weg zum Flugplatz EDRA
Bad Neuenahr und Neuenahrer Berg
Ahrweiler
Panorama Bad Neuenahr-Ahrweiler und Weinberg

Ein gesundes neues Jahr wünsch Thomas Marr!

Frohe Weihnachten!

 

Was wäre Weihnachten ohne zu FLIEGEN?

Wolkenwellen über der Eifel
Das diensthabende Wolkenloch über Bad Neuenahr
Ein Hang aus Wolken
Abstieg in die Turbulenz über Ahrweiler

Frohes Fest und steigt doch selbst mal ein!

Schon mal Vogelhaus gebaut?

 

Eine Blaumeise sollte schon mit voller Spannweite durchfliegen können… war die Idee bei der Bauplanung.

Das Vogelhaus reicht auch für Amseln

Aber geflogen bin ich auch, denn man weiß ja nie ob es über die Feiertage klappt.  Ein grandioses Ahrtal-Eifel-Sonnen-Wolken-Theater war der Lohn des späten Fluges.

Der abendliche Rhein
Wolken kommen von Süden rein

Schenken ist so einfach: Das Glücksprojekt – das beste Jahr deines Lebens!

Am Flugplatz ist es schon dunkel.
Während die Lichter der Autos nervös durch das Dunkel flitzen, damit die Fahrer zu den vorletzten Weihnachtseinkäufen hetzen können, wird es hier oben weihnachtlich.

Über den Wolken…

 

Die Allgemeine Luftfahrt hat den Charme, dass kein Flug dem anderen gleicht. Es geschieht nur, was Du selbst vorbereitest und durchführst. Dazu kommt stets das Unerwartete, was es machmal schwieriger, doch sehr oft auch leichter macht an unser Ziel zu kommen. Es bleibt immer Zeit rauszuschauen und unsere wundervolle Welt anzuschauen.

Der Rhein
Kraftwerke

 

Über Zürich