Ausbildung (57)

Auf Anraten von Fritz, was Zeitpunkt und Formulierung betraf, bat ich um Versetzung an die OHS nach Kamenz als Fluglehrer. Als sich meine Versetzung abzeichnete, kam ich in den Genuss einer Ausbildung zum Beatzungskommandanten. Da in den kleinen fliegenden Einheiten die Kettenkommandeure gleichzeitig Fluglehrer für das ihnen unterstellte Personal waren, bildete mich Motsen aus. Er begann meine Ausbildung mit einer persönlichen Ansprache: “Du kannst fliegen. Was du an der Schule nie wieder richtig trainieren kannst, sind die Manöver in 50 m Höhe und Verbandsflug. Willst du nicht deine Gesuch zurückziehen? Die sind dir alle eine Weile böse und dann wirst du heimlich, still und leise Kommandant. Man Tommy, hier bist du frei, machst deinen Job und keiner geht dir wirklich auf den Senkel!” Ich hätte hören sollen…
Der Sommer 83 war für uns eine wunderschöne Zeit. Der geheimste Flugplatz der Republik öffnete sich für jedermann: Wettkampf der Sozialistischen Länder im Fallschirmsport. Sogar uns war Fotografieren erlaubt, die Presse durfte es schließlich auch. Unser Freund Bernd, begnadeter Sportler und Fotograf schoss viele schöne Bilder von uns. Meine Ausbildungsflüge nutzen wir zu Vorführungen in den Sprungpausen. Unsere drei riesigen Doppeldecker donnern im engen Verband in 10 m Höhe über die Zuschauer, wo auf dieser Welt sieht man so etwas sonst?
Um die Rothe Jahne, 15 km nordöstlich von Eilenburg gab es einen Ring aus Staatsgrenze, unterbrochen von den Einflugschneisen, die sollten hindernisfrei bleiben. Ein, flach über dem Erdboden gespanntes Stahlseil schränkte den Aktionskreis daran befestigter Hunde ein, verhinderte aber mit absoluter Sicherheit das Eindringen von Personen. Flugleitung und Aufenthaltsräume der Springer hatte man unter die Erde verlegt. Nichts, außer dem herausschauenden Glaskasten des Flugleiters, bildete ein Hindernis für heranschwebende Fallschirmsportler. Die notwendigen Bunkerteile hatte der Flugplatzchef nach und nach aus Überbeständen der Streitkräfte besorgt und zu sinnvollen unterirdischen Kombinationen zusammengefügt. Sanitäre Einrichtungen, Teeküchen, Ruhe- und Aufenthaltsräume spendeten selbst im Hochsommer angenehme Kühle. Teile des Anwesens glichen ohnehin einem riesige, modernen Sportkomplex, dessen Ziel die Produktion von Weltmeistern im Fallschirmsport am Fließband waren. Riesige Scheunen beinhalteten Gerätschaften für Kundschafter, wie an den Grenzen beschlagnahmte Autos aus dem Westen. Mielkes Ministerium muss eigenes Geld gedruckt haben, denn man stelle sich den Aufwand für die Bespitzelung der Hälfte der DDR-Bevölkerung vor, addiere die Kosten für 2 komplette Fußballteams inklusive Stadien und Nachwuchs und dieses Trainingszentrums für Fallschirmsport des SC Dynamo Hoppegarten neben den vielen anderen Dingen, von denen wir nichts wussten vor und vergleiche das mit dem Nationaleinkommen. Kein Wunder, wenn es nichts zu kaufen gab, das Geld wurde einfach immer mehr.

Das war die Rothe Jahne: Objekt, Halle, Piste, Sprungkreis, Funkfeuer…