Eine Flugzeughalle in drei Tagen bauen

Vorweg ein Hinweis des Erzählers: die Texte verarbeite ich zu einem Buch. Es wird mehr Inhalt haben. Ich mag einfach nicht alles dem Internet anvertrauen. Außerdem soll die Vorfreude auf das Buch bleiben.

Segelflugzeuge in Strausberg auf dem „Holzweg“

Nach dem Frühstück fahren Katrin, Kuno und ich auf den Flugplatz. Die Segelflieger besitzen einen Berechtigungsschein zum Betreten des militärischen Geländes. Leider kommt es in der gemeinsam genutzten Halle immer wieder zu Räumschaden an militärischen und zivilen Fluggerät. Das hat dann stets zur Folge, dass sich der Flugplatzleiter GST. Oberstleutnant Rolf B. und der Staffelkommandeur in Gegenwart der Staffelingenieurs Major Eule tief in die Augen schauen. Um dem ein Ende zu setzen, beantragen beide Chefs gemeinsam den Bau einer Segelflughalle und die Errichtung einer Übergangslösung. Damit ist eine Aluminiumkonstruktion mit Zeltdach aus dem Fundus der Streitkräfte gemeint. Das setzt ein Streifenfundament voraus, was ein fast nicht zu lösendes Problem darstellt. Seit Monaten ist in der Republik kein Zement mehr zu haben. Rolf: Der gesamte Zement aus Rüdersdorf geht nach Tschernobyl, obwohl die Produktion bis zum Anschlag hochgefahren ist. Nicht zu machen. Früher sind wir immer mal mit einem W-50 hingefahren, 5 Mann – 5 Schaufeln und los, aber heute? Wir rufen an! Am nächsten Tag bestellt mich der Alte zu sich: Oberleutnant, sie nehmen sich drei Soldaten und den W-50, fahren nach Rüdersdorf und laden Zement für die GST-Halle. Zu Befehl, Genosse Oberstleutnant. Katrin und unser Techniker warten schon am Tor. Wir fahren nach Rüdersdorf, das ich nur als Autobahnabfahrt oder als Ansammlung von Lichtern vom Nachtflug kenne. Immer mehr grauer Staub auf Blättern, Dächern, einfach überall und die nicht zu übersehbaren Schornsteine kündigen die Nähe des Werkes an. Am Werktor begrüßt uns der Pförtner freundlich, faselt etwas von sozialistischer Hilfe und dass er Bescheid wisse. Er zeigt auf einen Haufen in der Nähe einer der Schornsteine: Das ist von gestern Nacht, hab ich für euch zusammenkehren lassen. Bester Portlandzement. Habt ihr wohl die Filter abgestellt in der Nacht, frage ich scherzhaft. Welche Filter? fragt er viel sagend. Wir schaufeln, eingehüllt in eine Staubwolke, den Zement auf und decken den Haufen notdürftig mit einem ausgedienten Stoffbezug für Segelflugzeuge ab. Am Flugplatz angekommen, hat Rolf kraft seiner Wassersuppe den Graben vermessen und ausheben lassen, Bodensegmente, Verschraubungen, Werkzeug und Betonmischer stehen bereit. Wir verschalen, mischen Beton, gießen, stampfen, decken alles ab und fahren mit unserem W-50 zum Baden. Nach drei Tagen steht mitten im märkischen Sand eine neue, mit dunkelgrünem Stoff bezogene Flugzeughalle, innen und außen Sand. Wir müssen die Segler auf Kullerchen transportieren um sie quer in die Halle zu bekommen. Das geht nicht im Sand. Wir rufen wieder um Hilfe und bekommen eine Ladung Bohlen und Balken. Es reicht nicht für den gesamten Boden, da wir noch die 40 Meter Sandweg bis zur Betonstraße mit verbrettern müssen. Aber es gibt auch gute Nachrichten: wir bekommen Beton für den Hallenboden, nächste Jahr.

Bocian in der neuen Halle

Geschichte(n), die niemand braucht (53)

Hallo zusammen,
ein paar Freunde haben mich gebeten die Geschichte(n), die niemand braucht weiterzuschreiben. Das ist nicht schwer. Es gibt sie schon. Müssen nur durchgesehen und aufbereitet werden. Ein paar Sachen kann man heute so einfach nicht mehr so bringen wie ich mir das teilweise mal von der Seele geschrieben habe. Außerdem müssen die damals handelnden Personen zu frei erfundenen Romanfiguren in einer ausgedachten Geschichte werden, um des Datenschutzes willen.
Es ist heute ohnehin kaum zu glauben, dass wir damals in der anderen Republik gelebt, geliebt und gelacht haben, Pläne und Ideale hatten und an einer besseren Zukunft gebaut haben. Eine Gesellschaft, die ohne das Privateigentum an den Produktionsmitteln auskommt, musste natürlich mit allen Mitteln bekämpft und in den Dreck getreten werden. Und so leben wir heute mit Preisschildern für alles. Wenn man aber überall Preisschilder dranhängen muss, klappt das auch nicht mit dem Verständnis für eine Gesellschaft, die ohne auskommt. 
Um so wichtiger finde ich es heute als Zeitzeuge meine subjektive Sicht der Geschichte zu erzählen. Ich habe jedenfalls Freude daran. Auch wenn es nur ein einziger Mensch ließt, hat sich die Mühe schon gelohnt.
Es geht also weiter!