Geschichte(n), die niemand braucht (52)

 

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Segelfliegen als Freizeitbeschäftigung ist wesentlich einfacher als der Aufbau fester Beziehungen. Wie steht es damit am Standort Strausberg. In der Halle des Flugplatzes Strausberg standen zwischen den Militärmaschinen Segelflugzeuge. Neugierig suchte ich nach den Leuten, die zu den Maschinen gehörten und fand deren Sitz in einem heruntergekommenen, einstöckigen Backsteingebäude am Rande des Flugfeldes. Der harte Kern bestand aus einem Oberstleutnant aus dem Ministerium, dem Chef der ministeriumseigenen Druckerei, einem Fähnrich vom Flugplatz Marxwalde, der für das nicht technische Drumherum der dortigen Jagdfliegerstaffel zuständig war und stets seine beiden bildhübschen Stieftöchter dabei hatte, einem Schreiberling, der Chefredakteur einer Hobby- und Bastlerzeitung war, dem Sohn des Präsidenten des Aeroclubs der DDR, der seinen Dienst als Unteroffizier im fliegertechnischen Bataillon meiner Einheit versah, dem technischen Leiter des Clubs, der eigentlich viel zu groß und zu breit für Segelflugzeuge war und dem Mädchen Katrin. Es war Liebe auf den ersten Blick. Sofort suchten wir die Nähe zueinander. Der große breite hörte auf den Namen Lutz und war am Tage unseres Kennenlernens auf dem ehemaligen Flugplatz Altglietzen im Oderbruch außen gelandet. Katrin und ich spannten einen militärischen Kleinbus Typ UAZ vor den Transportanhänger des Segelflugzeuges und machten uns auf den Weg. „Passt auf den Sand auf!“, rief man uns hinterher. Was für Sand? Altglietzen ist so was wie eine große Sandgrube mit Landebahn und See – sehr romantisch. Das Segelfluggelände wurde 1979 im Zuge des Militärputsches innerhalb der GST stillgelegt. Ehemalige Segelflieger pachteten daraufhin das Gelände mit Gebäude und See und gestalteten ihre Freizeit dort. Ich hatte keinerlei Erfahrungen mit Sand und kannte mich eigentlich auch nicht so sehr mit den Möglichkeiten dieses militärischen Kleinbusses aus. Das robuste Gerät war für das große Bruderland mit seinen vielen Klimazonen gebaut und sogar auch mit Allrad und diversen Vorgelegen (Untersetzungsgetriebe) ausgestattet. Die Bedienmöglichkeiten erschlossen sich dem Fahrer durch eine Vielzahl von Hebeln, die man in der richtigen Reihenfolge und im Stand, teilweise mit ausgeschalteten Motor und nach Möglichkeit noch vor der Sandgrube hätte wählen müssen. Ich befand mich allerdings schon mitten in der Sandgrube. Lutz hatte das kommen sehen und rannte mir entgegen – was für ein Hüne, dachte ich. Gerade aus dem See kommend, glänzte seine nasse, kaffeebraune Haut in der Sonne, während sein Vollbart im Rhythmus seiner Schritte Wassertröpfchen versprühte. „Allrad rein, nicht stehen bleiben!“, rief er. „Welcher Hebel, verdammt noch mal?“ frage ich zurück.  „Komm, lass rollen und steigt aus und schieb.“ Kommandierte er und schob sich hinters Lenkrad, hantierte an den Hebeln herum bis alle Räder drehten. Zentimeter für Zentimeter kroch die Fuhre durch den knöcheltiefen Sand, einen flachen Hügel hinauf zum Landefeld. Vor unseren Augen erstreckte sich ein riesiges Flugfeld aus Sand, durch Flecken aus verdorrtem Gras unterbrochen. An den schnurgeraden Fahrspuren Richtung Horizont konnte man erkennen, dass irgendwann hier mal Segelflugbetrieb mit einer Schleppwinde stattgefunden hatte. Wir demontierten den Flieger und verstauten alles im Hänger. Zeit zum Baden, die Hitze flimmert über dem Land. Katrin und ich nahmen uns Zeit füreinander. Sie war gerade 18 geworden, sah allerdings eher wie 16 aus. Ich war 22 – passt. Wir umspielten uns im lauwarmen Wasser des kleinen Sees, schauten uns in die Augen und vergaßen die Welt um uns herum. Die Sonne stand tief, als uns die Bewohner des Hauses am See zum Abendbrot riefen. Da saßen wir nun glücklich nebeneinander in altmodischen Liegestühlen schauten uns in die Augen und lauschten den Geschichten der „Ureinwohner“ dieses kleinen Paradieses. Der Fliegerclub sei nie wohlhabend gewesen, man habe sich dieses schöne Gebäude selber gebaut und sehe nicht ein, dass es jemand anders nutzt oder es verfällt. Also habe man das Fliegen schweren Herzens aufgegeben und nun geniest man das Leben. Das Haus war 25 Meter lang, hatte 10 Türen zur gemeinsamen Terrasse mit Seeblick und hinter den Türen 10 minikleine Zimmer. Wasser gab es am See, Strom braucht man nicht. Katrin und ich schliefen in getrennten Zimmern. Von uns hat keiner geschlafen: einerseits wollten wir zueinander, andererseits nicht gleich mit der Tür ins Haus fallen, es sollte länger dauern mit uns. Nach dem Frühstück zuckelten wir mit dem Gefährt zurück nach Strausberg. Katrin nahm mich kurzerhand mit nach Hause und erklärte ihrer Mutter, dass sie mit mir in einem Bett schlafen werde. Umständlich errichteten wir eine Doppelbettcouch. Was heißt hier eine. Nein, die Couch schlechthin. Alle in der Republik kannten das Teil: der Sitz wird angehoben und vom Grundkörper weggezogen, dabei die eisernen Füße nach unten geklappt. Um zwei Scharniere dreht sich ein zweites Teil, welches im Ausgangszustand mit dem Poster nach unten im Korpus verborgen war. Klapp – wie ein Taschenmesser entsteht die Liegefläche. Jetzt nur noch die Rückenlehne entnehmen, deren Fuß ausklappen und in das noch vorhandene Loch stellen. Wenn das mal hält. Gute Nacht Mutter. Gute Nacht mein Kind.

Geschichte(n), die niemand braucht (51)

 

Die Sache lässt mich nicht los und so verfasse ich zwei weitere Seiten in jenem Buch:

Was ist nur los mit mir? Ich habe mich kolossal gehen gelassen, mich wieder angesteckt an dieser dämlichen, ungesunden Hektik in dieser gottverdammten Dienststelle. Und ich habe das autogene Training vernachlässigt, regelmäßig Bier getrunken, unregelmäßig Sport getrieben und mich wenig um die Organisation meiner Freizeit gekümmert, die ich sinnvoller nutzen muss. Zurzeit verbringe ich meine Zeit, das heißt die objektiv vorhandene Zeit, die ich hier in der Wohnmaschine in der Nähe des Telefons verbringe, damit, mich zu ärgern, dass ich hierbleiben muss. Somit bleibt mir a: die Betäubung durch Alkohol, b: die Betäubung durch Musik oder c: die Betäubung durch Literatur. Ich weis, dass ich letztere beiden einseitig angehe. Jedenfalls muss mein Leben sinnerfüllter werden. Ich werde meine Isolation durchbrechen. Ich brauche Licht, Luft und Freunde.

Manchen Menschen ist es gegeben, andere zu führen, zu leiten – ich meine nicht alle die das in der Realität wirklich tun, sondern in dem Falle die, die dazu berufen sind, die das Talent zum Alpha-Tierchen haben oder wie auch immer man es nennen mag. Sie haben mir (anscheinend) etwas ganz Wesentliches voraus: sie sind so fest gefügt in ihrer Persönlichkeit, dass sie nur einen Bruchteil der ihnen zur Verfügung stehenden Zeit und Aufmerksamkeit darauf verwenden müssen, ihre innere Ruhe zu finden. Oder kann man das auch geschickt schauspielern? Man kann es nicht wirklich. Jedes Mal, wenn ich Anette treffe, versuche ich es. Sie ist zur Zeit in einer üblen Stimmung und versucht es vor mir zu verbergen. Und ich reagiere wie ein Trampel. In ihrem schwarzen Mantel wirkt sie so alt. Ist sie schön? Liebe ich sie? Ich mag sie. Ja, ich muss meine Gefühle dieses Mal gründlich ausloten. Ich möchte nicht, dass sich gewisse Fehler in meinem Leben wiederholen und mich zu guter Letzt zu einem gefühllosen Etwas, oder dem Gegenteil davon, werden lassen. Ich bin wieder an dem Punkt angelangt, an dem sich das große Gefühl mit dem Alltag trifft und mich bis jetzt jedes Mal zum Abdrehen brachte um mich nicht festlegen zu müssen und die vermeintliche Freiheit wieder alleine für mich zu haben. Freiheit, die keine ist und sich jedes Mal als große Einsamkeit entpuppt. Das gab es doch schon mal! Hatte ich mich nicht beinahe schon mal dazu aufgeschwungen – nein entschlossen, ein Leben an der Seite einer Frau zu führen, die mich nicht verstand und die ich darum nicht hätte lieben können? Ich habe Angst davor, dass ich nochmal enttäuscht werde. Ich weis es nicht und nicht wissen führt zur Angst, und das ist schlimm und macht traurig. Anette ist dabei, einen Schlussstrich unter sechs Jahre ihres Lebens zu ziehen. Den Grund kenne ich und den Anlass dazu auch. Es ist mir auch egal, was andere Leute von mir denken. Mache ich alles nur mechanisch oder ist es mir wirklich ein Bedürfnis? Nein, ich will nichts bereuen, keine Sekunde. Die Zeit, die ich mit ihr zusammen bin, will ich genießen, endlich leben lernen, gezwungen werden zu meinem Glück. Eigentlich ist es ja egal, an welchen Ort wir miteinander zum Leben hingehen. Trotzdem darf ich nicht so viele Kompromisse eingehen, hat sie gesagt. Unser Leben muss uns beiden Spaß machen und wir müssen es gemeinsam einrichten. Zusammenleben bedeutet mehr zu Kennen als das Sonntagsgesicht des anderen. Ich muss sie richtig kennen lernen, ihre Umwelt, Ansichten, Bedürfnisse. Ich glaube, nur so kann man sich ein Bild machen über den anderen Menschen und nur so baut sich ein echtes Gefühl auf. Ich bin wirklich immer bei der Erscheinung stehen geblieben, ohne das Wesen jemals kennen gelernt zu haben. Nur das Wesen, das ist es, die Seele, die man lieben muss, alles andere ist Quatsch. Schönheit ist vergänglich, nur bleibende Werte sind real. Ich möchte nicht mit Lügen und Kompromissen leben, ich möchte zur Seele vordringen und echte Beziehungen zu meinem Partner haben. Mich zwingt ja auch niemand, ich kann also ganz frei von Zwangsvorstellungen an unsere Beziehung herangehen. Ich will – jetzt will ich. Sie ist meine Chance. Sie ist es, die mich beflügelt, über mich hinauszuwachsen, wieder durchzublicken, Wurzeln zu haben, mit beiden Beinen auf dem Boden zu stehen. Wie schön, wenn da jemand ist, den man gern hat. Bin ich mir nun selbst böse, weil ein anderer mich mehr liebt, als ich mich selbst? Fehlt mir die Erfahrung für eine ernst- und dauerhafte Beziehung, oder warum bin ich so komisch? Die anderen sagen, ich sei in letzter Zeit ausgeglichener.

Die Kommandierung nach Eilenburg bringt mich auf andere Gedanken. Wir arbeiten mit den jungen, Fallschirm springenden Damen des Sport Clubs Dynamo. Ich sehe dort so viele schöne Mädels und plötzlich möchte ich gerade mal wieder keine feste Bindung. Das oberflächliche Sein hat mich wieder und ich tätige einen feigen Anruf, durch den ich alles, was zwischen Anette und mir war, mit einem Schlag beende.

 

Ein Presseartikel

Segelflugliga Runde 11

Neuenahrer Segelflieger holen Rundensieg in der Landesklasse

Der Sieg in Runde 11 der Segelflugliga in der Landesklasse Rheinland-Pfalz ging am vergangenen Wochenende mit großem Vorsprung an die Piloten vom Luftsportverein Bad Neuenahr-Ahrweiler e.V. (LSV). Dietmar Spranger (99km/h), Jürgen Koch (101 kmh) und Peter Metzen (97 km/h) segelten im Team von der Bengener Heide hinauf ins Bergische Land mit Bergneustadt als nördlichste Wende, durchflogen den Segelflugkorridor zwischen den Lufträumen der Flughäfen Köln/Bonn und Düsseldorf und zogen ihre Bahn durch Belgien bis an die französische Grenze und zurück zur Bengener Heide. 525 Kilometer in 6 Stunden konnten die drei Segelflieger in ihren Flugbüchern vermerken.
Für die Geschwindigkeitswertung werden die besten 2 1/2 Stunden des Fluges herangezogen. Da sich die Segelflugzeuge in ihren Leistungen unterscheiden, man jedoch die Pilotenleistung bewerten will, werden die realen Ergebnisse mit Faktoren multipliziert, die sich aus der sogenannten Indexliste des Deutschen Aero Clubs e.V. ergeben. Die Rechnerei erledigt www.onlinecontest.org.
Noch vor ein paar Jahren mussten Start, Landung und die Wendepunkte auf der Flugstrecke durch Fotos dokumentiert werden, die sogar noch von einer zentralen Luftbildstelle freigegeben wurden und dann durch einen Sportzeugen bewertet wurden. Zusätzlich dokumentierte ein Barograph die Flughöhe über der Zeit auf einem Stück berußten Papier. Die Auswertung hat damals schon etwas gedauert. Heute werden die Flüge immer von unseren Kollisionswarnsystemen aufgezeichnet und das Hochladen ins Internet ist ein Kinderspiel geworden. Die Auswertung eines Flugtages steht heute, wenn der letzte seinen Flug hochgeladen hat. Jeder kann nachsehen, wie gut er heute war und wie andere geflogen sind. Diese Transparenz ermöglicht ein hohes Maß an Sicherheit und das Lernen voneinander.
Doch zurück zur Segelflugliga: Die Segelfluggruppe Wershofen e.V. (SFG) landete in der 11. Runde auf Platz 4 der Landesklasse RP. Gerhard Krautwig (103 km/h), Thomas Hoffmann (75 km/h) und Norbert Peter (62 km/h) punkteten für die Eifeladler.
Die Tabelle sieht nach Runde 11 folgendermaßen aus: Den Paradiesvögeln aus Ludwigshafen Dannstadt ist der Gesamtsieg wohl jetzt schon nicht mehr zu nehmen. Der LSV hat wetterbedingt volle zwei Runden ausgesetzt und steht auf Rang 4. Durch kontinuierliche Leistungen für den Rest der Saison wäre noch Rang 3 möglich, jedoch steht die Urlaubszeit noch aus und erfahrungsgemäß herrscht da stets Pilotenmangel.
Die SFG behauptet sich aktuell mit Rang 9 im ersten Drittel der Landesklasse RP.
Auch wenn die Segelflieger oft den ganzen Tag unterwegs sind, gibt es immer die Möglichkeit den Luftsport hautnah zu erleben. Die Vereine freuen sich über Besucher und über künftige Piloten, die diesen wunderschönen Sport mit uns teilen wollen. Kommen Sie vorbei!